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Dresdner Fernsehturm: Mehr als Sendemast im Tal der Ahnungslosen?

Dresdner Fernsehturm: Mehr als Sendemast im Tal der Ahnungslosen?

Vor rund 50 Jahren wuchs er in die Höhe - bis heute ist er eines der höchsten Bauwerke in Deutschland. Der Dresdner Fernsehturm sollte einst das neue Selbstbewusstsein der DDR-Staatsführung demonstrieren.

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Quelle: dpa

Doch während der fast gleich alte Fernsehturm auf dem Berliner Alexanderplatz noch heute jährlich bis zu 1,2 Millionen Besucher anzieht, ist der einstige Prestigebau am Elbhang seit 1991 für die Öffentlichkeit geschlossen - zum reinen Sendemast im einstigen Tal der Ahnungslosen verkommen. Und dagegen regt sich Widerstand.

Eberhard Mittag holt weit aus und blickt auf den kleinen Parkplatz vor ihm. „Der wurde großzügig zurückgebaut.“ Früher bot der Parkplatz Stellplätze für Dutzende Busse, die täglich aus der ganzen Republik ankamen. Mit Touristen, die ins Rundcafé im Turm wollten. „Der Fernsehturm ist seit Jahren eingezäunt, da ist kein Reinkommen mehr. Hier gibt es quasi nichts mehr“, sagt Mittag.

Nach dem Mauerbau in den Sechzigern sollten ehrgeizige Turmbauprojekte im ganzen Land für weltweites Aufsehen sorgen und die vermeintliche Überlegenheit des Sozialismus darstellen. Das Uni-Hochhaus in Leipzig entstand, die „Keksrolle“ in Jena, der Dresdner und der Berliner Fernsehturm. Mit 368 Metern vom Sockel bis zur Spitze ist der „Alex“ bis heute das höchste Bauwerk in Deutschland.

Fernsehturm und Co: Dresdens höchste Gebäude:

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World Trade Center: 55 Meter

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Der Dresdner Turm überragt den Berliner um fünf Meter, aber nur „über Null“, weil er nicht im Stadtzentrum, sondern oben auf den Elbhängen steht. Sonst misst er gut 250 Meter. Beide Türme wurden zeitgleich gebaut. Doch der Dresdner Fernsehturm wurde früher fertig. Auf Geheiß der SED wurde seine Eröffnung jedoch 1969 um Wochen zurückgestellt - um dem Bau in der Hauptstadt nicht die Show zu stehlen. Doch die Westpresse ignorierte beide Ereignisse fast gänzlich.

Für Thomas Ludwig war der Dresdner Funkturm ebenfalls zunächst keine große Sache. Er war damals 13. Jahre später sollte er Küchenchef im Dresdner „Café Fernsehturm“ werden, fast 150 Meter über der Erde. Gut 15 Jahre arbeitete er in der engen Küche. Auf drei Elektroherdplatten kochten er und seine Kollegen für rund 200 000 Besucher im Jahr. „Bei starkem Wind schwankte das Café bis 40 Zentimeter nach links und nach rechts“, sagt Ludwig. Wie von Geisterhand gingen in seiner Küche dann Schranktüren auf.

„Tischreservierungen gab es nicht.“ Wer hinauf wollte, um den Blick ins Elbtal zu genießen, musste früh aufstehen und am Eingang auf Platzierung warten. Ein Fünfjahresplan der HO sah darum am Fuße des Turms ein weiteres Restaurant vor. Und eine Seilbahn sollte Gäste vom Tal die Hänge hinauffahren. Daraus wurde nichts.

Nach der Wende wurde das Café privatisiert. Weil die Dresdner nun aber lieber an die Adria als nach Wachwitz wollten, brachen die Besucherzahlen ein. Ein Jahr später lief der Pachtvertrag aus und das Turmcafé wurde geschlossen. So ist es bis heute. Und die Telekom will, dass das auch so bleibt. Sie ist Eigentümerin des Fernsehturms und sieht ihn als „Infrastruktur-Einrichtung“, wie Sprecher Georg von Wagner sagt. Der Turm wird weiter als Sendemast genutzt. „Wir sind kein Café-Betreiber. Für die Sanierung des Restaurants werden wir deshalb kein Geld in die Hand nehmen.“

Rund acht Millionen Euro wären nötig. Vor zehn Jahren gründete Eberhard Mittag einen Förderverein. Für eine Online-Petition, die von der Stadt eine erneute touristische Nutzung des Turms fordert, kamen zuletzt knapp 12 000 Unterschriften zusammen. Anders als andere Betonbauten aus der DDR-Zeit genießt der Fernsehturm bei vielen Dresdnern Sympathie, und im Sommer sind Landtagswahlen. Vor allem die FDP, die um die Fortsetzung ihrer Regierungsbeteiligung zittern muss, hat sich zum Fürsprecher einer Wiedereröffnungs-Bewegung gemacht. Der sächsische Kabarettist Uwe Steimle kommentiert das in breitestem Sächsisch: Die Liberalen seien zur „Fernseh-Durm-Partei“ geworden.

Stefan Kuhfs, dpa

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