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Dresdner Feinkostfirma Dr. Doerr behauptet sich im Salatmarkt

Dresdner Feinkostfirma Dr. Doerr behauptet sich im Salatmarkt

Wenn andere Menschen sich noch mal im Bett umdrehen, fahren an der Würzburger Straße die Salatanlagen hoch: Ab 5 Uhr früh wird bei Dr. Doerr Mayonnaise angerührt, damit die Salatmacher eine Stunde später sofort loslegen können.

Von Heiko Weckbrodt

Während die Frauen und Männern in ihren weißen Hauben zum Messer greifen, um Wurst zu schnippeln, Rührmaschinen und Portionieranlagen warm laufen zu lassen, herrscht auch in der Anlieferhalle nebenan reger Betrieb: Ein ununterbrochener Strom von Eiern, Kartoffeln, Wurst, Karotten und anderen Zutaten ergießt sich lasterweise in die Fabrik in Plauen. Rund 1500 Rapsöl, 750 Tonnen Fleisch, 300 Tonnen Kartoffel und 400 Tonnen Schnittgemüse ordert Dr. Doerr pro Jahr - "vorzugsweise von Anbietern aus der Region", wie Firmenchef Christian Doerr betont.

Überhaupt sind Regionalität, Frische und Qualität die Trumpfkarten, die Doerr am Salatmarkt ausspielt - und der bleibt hart umkämpft. Wegen des hohen Preisdrucks agieren inzwischen nur noch zwei große Salatgruppen - Heiner-Kampf und Wernsing - bundesweit, der Rest wurde geschluckt oder verschwand. Dazwischen haben sich regionale Mittelständler etabliert - "Dr. Doerr" zum Beispiel ist deutschlandweit zwar nur ein kleines Licht, in Sachsen und Teilen Mitteldeutschlands aber Salat-Marktführer.

Vor allem die steigenden Einkaufspreise machen der Branche zu schaffen: Die Tonne Rapsöl (wichtig für die Mayonnaisen) zum Beispiel kletterte binnen kurzem von 720 auf rund 1100 Euro - "da stecken Rohstoff-Spekulanten dahinter", ist Doerr überzeugt. Auch die Eier-Preise legten zu. Allerdings nicht wegen der Börsianer, sonder vor allem wegen der EU-Verordnung, Hühner nicht mehr in Massenkäfigen, sondern auf dem Boden zu halten. Die tierschutzfreundliche Verordnung habe aber viele Agrarbetriebe in ost- und Südeuropa wenig geschert, so der Firmenchef: "Die konnten oder wollten ihre Hühnerbetriebe nicht umbauen und dürfen ihre Eier daher nicht mehr nach Deutschland verkaufen. Dadurch haben sich Eier verknappt und verteuert."

Um das auszugleichen, musste Doerr seine Salatepreise anheben. Aber er sieht auch hoffnungsvolle Entwicklungen, von denen er als lokaler Anbieter profitiere: "Regionalität, Qualität und Herkunftssiegel rücken für die Verbraucher stärker in den Fokus", meint der Salatmacher. "Da spielen neben den lokalpatriotischen jetzt auch ökologische Aspekte hinein: Die Leute wollen nicht, dass das, was sie essen und trinken, über Hunderte Kilometer angekarrt wird und dabei Ressourcen verschwendet werden."

Auch der demografische Wandel mache sich bemerkbar: Die Haushaltsgrößen schrumpfen, Megasalate sind da im Supermarkt nicht mehr so gefragt. "Wir haben zum Beispiel unsere Kilo-Portionen auf 700-Gramm-Packungen umgestellt und das kommt an", sagt Doerr.

Zudem arbeiteten die Dresdner Salat-Experten derzeit an einer Neuauflage ihrer Griechenland-Spezialtäten. Ab Oktober sie mit der neuen Feta-, Aufstrich- und Antipasti-Linie starten und hoffen damit auch auf Erfolge im Westen.

Etwas Stolz klingt schon mit, wenn der 41-Jährige das erzählt. Denn für ihn und seinen Vater war es alles andere als leicht, den Familienbetrieb durch die tückischen Nachwende-Gewässer zu steuern. Da gab es auch herbe Rückschläge wie 2008, als eine große Handelskette die Dresdner Salate aus ihrem Sortiment strich und die Doerrs ein Zehntel ihrer Belegschaft vor die Tür setzen mussten.

1933 von Alice und Dr. Herbert Doerr als Feinkostfabrik gegründet, wurde das Unternehmen 1972 zwangsverstaatlicht und erst 1990 reprivatisiert. Bald darauf wurde der Standort in Klotzsche zu eng, 1992 zog die Salatfirma nach Plauen um. Zehn Jahre später kamen die Schicksalsschläge: 2001 starb Udo Doerr, 2002 überschwemmte die Weißeritz die Fabrik, woraufhin die Familie neue Investitionen stemmen musste.

Inzwischen geht es wieder aufwärts: Das Personal ist von 71 auf 77 Mitarbeiter gewachsen. Nach einem Umsatzminus um 4,6 Prozent auf 16,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr rechnet Doerr für dieses Jahr mit einem Plus von acht Prozent. "Auch wenn jetzt so viel von der Griechen-Pleite geredet wird: Ich verspreche mir viel von unseren neuen griechischen Leckereien."

www.dr-doerr.de

Im September verleihen die "Dresdner Neuesten Nachrichten" mit dem Wirtschaftsministerium, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, der Handwerkskammer sowie der "Industrie- und Handwerkskammer" den Wirtschaftspreis "So geht' s aufwärts" für besonders pfiffige und erfolgreiche Unternehmer. Die zehn Nominierten dieses Jahrgangs stellen wir im Laufe des Sommers vor. Diesmal: die traditionsreiche Feinkostfirma "Dr. Doerr", die sich mit ihren Salaten auch in einem harten Marktumfeld behaupten konnte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.07.2012

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