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Dresdner Experten forschen, ob sich Störungen des Geruchssinns mit Akupunktur heilen lassen

Dresdner Experten forschen, ob sich Störungen des Geruchssinns mit Akupunktur heilen lassen

Thea Hofmann hat neulich Autoabgase gerochen. Doch anders als die meisten Menschen war sie nicht angewidert, sie fühlte sich auch nicht gestört.

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Den Sinnen auf der Spur: Fachärztin Bettina Hauswald setzt die Akupunkturnadeln bei der Patientin Thea Hofmann an. Die Seniorin kann seit sieben Jahren nicht mehr riechen. Doktorandin Bettina Gewald (rechts) untersucht an der HNO-Uniklinik unter Direktor Thomas Zahnert, ob Akupunktur die Riechzellen regenerieren kann.

Quelle: Uniklinik

Von Katrin Tominski

"Es war wie ein Stück Leben, das in mir neu erwachte", erklärte Thea Hofmann. Die Seniorin sitzt mit strahlenden Augen auf dem Krankenbett der Uniklinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde. Sie hat neue Hoffnung geschöpft. Weil sie ihr altes Leben zurück hat, zumindest für einige Momente.

Thea Hofmann leidet seit über sieben Jahren an Riechstörungen. Nachdem sie damals eine Grippe heimsuchte, kann sie keine Gerüche mehr wahrnehmen. Weder den dampfenden Kaffee, noch das aromatisch duftende Essen, sie riecht keine Blumen mehr, den Frühling nicht in seiner Blütenpracht und auch nicht den Herbst mit seinem goldenen Laub, den Lavendel und die Latschenkiefer. "Mich belastet das sehr", erklärt Hofmann.

"Ich kann zwar damit leben, aber es beeinträchtigt mich enorm", erzählt sie weiter. Es sei, als sterben Erinnerungen. "Der Geruch von Robinien gehört zu meiner Kindheit, jetzt kann ich ihn nicht mehr erleben", bedauert die agile Rentnerin. Zudem habe sie Schwierigkeiten beim Kochen und Backen, weil sie nicht mehr richtig Abschmecken könne. "Sie brauchen für die Wahrnehmung von feinen Aromen den Riechsinn", sagt Professor Thomas Hummel von der Universität Dresden, Experte für Riech- und Schmeckstörungen. Während sich der Geruchs- und Geschmackssinn nach dem Abklingen der Erkältung bei den meisten wieder einstellt, müssen manche Menschen ohne den Geruchssinn weiterleben. Wie auch Thea Hofmann. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Die Behandlung ist schwierig.

Nadeln sollen helfen

Viele Jahre hat Hofmann intensives Riech- und Nasen-Training absolviert. Bislang ohne Erfolg. Doch jetzt hegt sie neue Hoffnung: Sie ist Probandin der Studie "Akupunktur bei postviralen Riechstörungen" am Uniklinikum unter der Leitung der bekannten Allergologin und Fachärztin für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO) und Akupunktur Bettina Hauswald. In dieser Studie möchten die Experten am Uniklinikum untersuchen, ob Akupunktur einen gestörten Geruchssinn heilen kann. Über 60 Patienten sollen dafür akupunktiert werden. Die junge Medizinstudentin Bettina Gewald wird die Studie im Rahmen ihres Promotionsvorhabens realisieren.

Fachärztin Hauswald erklärt, wie es zu einer Störung des Geruchssinns kommen kann. "Bei den meisten Menschen führen eine Grippe oder eine Schädelverletzung zu Riechstörungen". Ursache könnten jedoch auch Nasenpolypen oder Erkrankungen der Nasennebenhöhlen sein. Bei wenigen Menschen sei die Störung angeboren. "Ein Leben ohne Geruchsinn ist wie der Striezelmarkt ohne Lichter", erklärt Hauswald. Die Allergologin ist fest überzeugt, dass Akupunktur helfen kann, den Geruchssinn wieder zu stimulieren. "Das Riechepithel ist fähig, sich zu regenerieren, diese Eigenschaft müssen wir bei einer Therapie nutzen", erklärt Hauswald die seit vielen Jahren Spezialistin für Akupunktur ist.

Das Riechepithel sind die speziellen für den Geruchssinn erforderlichen Nervenzellen unter dem Nasendach. Sie werden durch Moleküle aktiviert und übermitteln Signale an das Gehirn, wo die Riech- und Schmeckeindrücke wahrgenommen werden. Bei Thea Hofmann kommen diese Signale nicht mehr im Gehirn an. Selbst Rauch riecht sie nicht mehr. "Das kann gefährlich werden", erklärt Hauswald. "Bei fehlender Empfindlichkeit der chemischen Sinne fehlt ein wichtiges Alarmsystem. Patienten brauchen unbedingt einen Rauchmelder." Zudem würden Riechstörungen bei manchen Menschen zu Depressionen führen. "Es gibt sogar Patienten, für die frischer Kaffee nach Jauche riecht".

Die charismatische Ärztin fegt in ihrer unverwechselbaren Art durch das Behandlungszimmer. Dort entfernt sie die Nadeln, die das Gesicht von Thea Hofmann zieren. Mit der Akupunktur soll das Wachstum der Geruchszellen angeregt werden. "Akupunktur stärkt die Selbstheilungskräfte des Körpers", erklärt Hauswald. Seit 25 Jahren behandelt sie Patienten erfolgreich mit Akupunktur. Sie hat in großen Maße dazu beigetragen, dass Akupunktur als Therapie anerkannt wird.

Bei Thea Hofmann hat die Nadel-Kur, die ursprünglich aus der traditionellen chinesischen Medizin kommt, schon gewirkt. "Urplötzlich habe ich einige Aha-Effekte erlebt", erläutert die Seniorin. "Neulich hat es beim Braten nach vielen Jahren wieder nach Fisch gerochen."

Patienten gesucht

Um wirklich nachzuweisen, dass Akupunktur helfen kann, muss die Therapie bei insgesamt 60 Patienten durchgeführt werden. "Für die Studie suchen wir noch Personen, die nach einer Grippe an einem gestörten Geruchsinn leiden", sagte Doktorandin Bettina Gewald, die die Studie betreut. "Die Patienten müssten innerhalb von fünf Wochen zwei Mal wöchentlich für 30 Minuten zu Akupunktur kommen. Thea Hofmann ist eine der ersten Patienten gewesen. Gut gelaunt geht sie aus der HNO-Klinik. Und riecht: den Sommer.

Patienten können sich unter der Rufnummer 4 58 46 64 ab 10 Uhr am Uniklinikum melden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2012

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