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Dresdner Elektronikfirma Azzurro ist pleite

Dresdner Elektronikfirma Azzurro ist pleite

Die auf Spezial-Chipscheiben mit Galliumnitrid-Beschichtung spezialisierte Dresdner Hightech-Firma "Azzurro" ist pleite. Das hat Insolvenzverwalter Gunter Tarkotta auf Anfrage bestätigt.

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Die Galliumnitrid-Wafer sollten ein Innovationsschlager werden, mit dem die Dresdner Firma Azzurro den Markt für hocheffiziente Leuchtdioden und Leistungselektronik erobern wollte. Doch über den Status einer Pilotproduktion kam das hochsubventionierte Unterfangen nicht hinaus.

Quelle: Azzurro

Dem Unternehmen sei es nicht gelungen, seine innovative Technik bis zur Marktreife zu bringen und Geld zu verdienen, schätzte der Anwalt ein. "Die Entwicklung ist steckengeblieben. Man fand keine neuen Geldgeber mehr, um sie zu Ende zu bringen." Der größte Teil der 42-köpfigen Belegschaft an der Breitscheidstraße sei freigestellt und als arbeitslos gemeldet. Geblieben sei nur eine kleine Abwicklungsmannschaft von sieben Mitarbeitern. Land und Stadt hatten den Fabrikbau noch vor drei Jahren als großen Ansiedlungserfolg gefeiert und gefördert.

Azzurro war 2003 von Professoren der Uni Magdeburg ausgegründet worden. Diese hatten eine neuartige Methode erfunden, gewöhnliche Siliziumscheiben (Wafer), wie sie in der Chipindustrie üblich sind, mit Galliumnitrid (GaN) zu beschichten. Dieses Halbleitermaterial gilt als interessant für besonders gute Leuchtdioden und Leistungs-Elektronik.

Die Magdeburger entschieden sich im Jahr 2011, ihre erste Fabrik mit einem Aufwand von rund 19 Millionen Euro in einer ehemaligen Weberei in Dresden einzurichten - und diese Hightech-Ansiedlung wurde seinerzeit mit viel Tamtam und mindestens 2,6 Millionen Euro Fördergeld vom Land Sachsen unterstützt. Anfangs stellte Azzurro in Dresden 40 Mitarbeiter ein, bis 2015 sollten es rund 200 sein.

Lange Zeit gelang es der Azzurro-Spitze auch, immer neue Investoren zu finden. Anfang 2014 war das Geld jedoch verbraucht. Nachdem ein neuer Investor nach monatelangen Verhandlungen absprang, beantragte Azzurro beim Insolvenzgericht zunächst eine Sanierung in Eigenregie. Dies ist nun gescheitert, am 30. April wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Tarkotta geht davon aus, dass die Firma nicht mehr zu retten ist und liquidiert werden muss. "Wir suchen jetzt jemanden, der den Reinraum, die Anlagen und Patente im Paket übernimmt", betonte Tarkotta. Gelinge dies nicht, werde das Unternehmen zerschlagen und dessen Eigentum einzeln verkauft. "Das ist wirklich schade, weil das eine tolle Truppe mit Innovationen war", betonte er. Ein Insider, der anonym bleiben will, äußerte sich kritischer: Azzurro habe sich seit der Umsiedlung nach Dresden in einer dauerhaften Krise befunden - durch Management-Fehler und Selbstüberschätzung.

Man habe die Marktentwicklung und das Entwicklungstempo dieser neuen Halbleiter-Technologie wohl zu optimistisch eingeschätzt, räumte Azzurro-Mitgründer Alexander Lösing ein. Am Standort Dresden habe das Problem jedenfalls nicht gelegen, dieser habe sich als exzellent erwiesen. Er sei weiterhin auf Investorensuche.

Auch "Sächsische Aufbaubank" (SAB) und Wissenschaftsministerium wollen eine Lösung finden, um Azzurros "technologische Kompetenz am Standort Dresden" zu erhalten und auszubauen, teilte Ministeriumssprecherin Annett Hofmann mit. Die Insolvenz habe jedenfalls nicht zwingend zur Folge, dass die Landesförderung zurückgezahlt werden müsse.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2014

Heiko Weckbrodt

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