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Dresdner E-Rolli-Fußballer träumen von Sevenoaks

Turnier in England Dresdner E-Rolli-Fußballer träumen von Sevenoaks

Sie haben alle ein Ziel vor den Augen. Sie alle wollen nach Sevenoaks. Noah spielt für sein Leben gern Fußball, Romy will unbedingt in England spielen und Luise sucht einen starken Gegner. Als die Power Lions sich vor zwei Jahren unter dem Dach des SV Motor Mickten gründeten, wusste noch keiner von ihnen, wo sich Sevenoaks befindet.

Die Power Lions vom SV Motor Mickten beim E-Rolli-Fußballtraining. Der Ball ist etwa doppelt so groß wie ein herkömmlicher Fußball.
 

Quelle: Adina Rieckmann

Dresden.  Sie haben alle ein Ziel vor den Augen. Sie alle wollen nach Sevenoaks. Noah spielt für sein Leben gern Fußball, Romy will unbedingt in Fußball spielen und Luise sucht einen starken Gegner. Als die Power Lions sich vor zwei Jahren unter dem Dach des SV Motor Mickten gründeten, wusste noch keiner von ihnen, wo sich Sevenoaks befindet. Heute wissen es alle, der Ort liegt in der englischen Grafschaft Kent. Damals ging es erst einmal um Teambildung und Regelwerk. Von Fußball in E-Rollis hatten die wenigstens bis dahin gehört. „Ich war sofort angefixt, als ich das erste Mal Bilder von diesem Wettbewerbssport gesehen habe“, erzählt Katharina Kohnen. Geduldig erklärt die Mannschaftskapitänin die Spielregeln: „Wir spielen Fußball, wie jeder andere auch, nur dass wir im Rollstuhl sitzen. Und wir natürlich den Fußball nicht mit dem Fuß bewegen können, sondern stattdessen ein Gitter am Rollstuhl haben.“

E-Rolli-Fußball oder Powerchair Soccer, oder wie es international genannt wird, wird von männlichen und weiblichen Spielern zusammen gespielt. Jedes Team besteht aus vier Spielern. Der Ball ist etwa doppelt so groß wie ein herkömmlicher Fußball. Um ihn zu schießen, muss der Rollstuhl gedreht werden, um genug Schwung für einen festen Schuss zu schaffen. Die Rollis dürfen nicht mehr als zehn km/h fahren. Fußballspielen können die Power Lions inzwischen. Auch die Regeln kennen alle. Nun stehen sie vor der nächsten enormen Herausforderung - das große Länderturnier im August in Sevenoaks in England. Für die Mannschaft sei es sehr wichtig, an solch einem Turnier teilzunehmen, erklärt Katharina Kohnen. „Wissen Sie, wir sind die erste Mannschaft in Deutschland, die allererste“, sagt sie und weiter: „Es gibt noch eine weitere, hoch im Norden. Deshalb müssen wir ins Ausland fahren. Nur dort können wir andere Gegner treffen.“ Sarah Lenz ergänzt: „Wir waren bis jetzt zweimal schon in Wien zum Turnier gewesen. Dort konnten wir gegen andere Mannschaften spielen und uns wirklich messen. Ansonsten spielen wir gegen uns selber.“

Sarah Lenz, die Nummer 5, erzählt, dass E-Rolli-Fußball die erste Sportart sei, die speziell für Elektrorollstuhlfahrer entwickelt wurde: „Ich bin so froh darüber. Von Fußball hatte ich bis dato keine Ahnung. Aber seit dem ich bei den Power Lions mitspiele, interessiere ich mich immer mehr dafür. Ich kann sogar schon mitreden.“

In den 70er Jahren wurde E-Rolli-Fußball erstmalig in Frankreich gespielt, zeitgleich spielte man in Kanada Power Soccer. Diese ähnliche Sportart verbreitete sich bis nach Amerika und Japan, während in Portugal, Belgien und in der Schweiz Wheelchair Football die Runde machte. So entwickelten sich unterschiedliche Varianten des Elektrorollstuhl-Fußball. 2005 ergriff Frankreich die Initiative, allgemein verbindliche Spielregeln aufzustellen. So entstand der Weltverband FIPFA. 2007 fand dann die erste Weltmeisterschaft in Japan statt, wo acht teilnehmende Nationen gegeneinander antraten. An einer Weltmeisterschaft werden die Power Lions noch nicht teilnehmen, dazu sind die 14 Spieler immer noch Neulinge in diesem Wettbewerbssport. Umso wichtiger aber ist solch ein Turnier wie in Sevenoaks. Dort nehmen Mannschaften aus zwölf Ländern teil – aus Frankreich, Spanien, England, Irland, Österreich, Finnland, Dänemark, Italien, Schweiz und Portugal. Und als einzige aus Deutschland eben die Power Lions von SV Motor Mickten. Es seien aber nicht nur die anderen Gegner, weshalb man unbedingt nach England fahren wolle, erklärt Sarah Lenz: „Dieses Turnier ist für Starterteams wie das unsrige gedacht. Zu den Wettkämpfen selbst gehören auch Trainingseinheiten, wo uns viele Details und Tricks erklärt werden. Allein deshalb müssen wir dorthin.“

Auch wenn weder die Kapitänin noch die Spielerin mit der Nr. 5 gern über die Finanzen reden, zum Schluss nur eine kurze Anmerkung dazu. Jeder einzelne Rollstuhlfahrer ist auf eine Rundumbegleitung durch einen Begleiter angewiesen, ohne den er nicht reisen kann. Das alles kostet mitsamt Flügen und Unterkunft für das Team pro Person 450 €. Nur die wenigsten Mannschaftsmitglieder aber können diese Summe allein aufbringen. Die Power Lions wollen mit acht Spielern, acht Begleitpersonen und zwei Trainern in England an den Start gehen. Dafür haben sie eine Spenden-Aktion ins Leben gerufen. Über 99 Funken, die regionale Crowdfunding-Plattform der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, hoffen sie jetzt genügend Unterstützer für ihr ambitioniertes Projekt zu finden. Vier Spieler können schon fahren. Diese Gewissheit haben sie bereits. „Ich bin so glücklich, diese Sportart für mich entdeckt zu haben“, sagt Katharina Kohnen und auch: „Wissen Sie, ich bin auf dem Fußballfeld die Sportlerin und nicht die Person im Rollstuhl. Das ist es, was uns allen Kraft gibt und auch anspornt. Deshalb wollen wir nach Sevenoaks.“ Die Power Lions haben ihr Ziel klar vor Augen. Sie werden es schaffen. Unbedingt.

Von Adina Rieckmann

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