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Dresdner Dreikönigskirche erhält ein größeres und helleres Foyer

Umbau Dresdner Dreikönigskirche erhält ein größeres und helleres Foyer

„Hier kann man wohl jetzt gar nicht hinein?“, fragt die Touristin über den gelben Bauzaun hinweg. „Nein“, entgegnet ihr der Mann in der blauen Latzhose. „Sie sehen ja - alles Baustelle.“ So wie sie müssen seit Mai viele an der evangelischen Dreikönigskirche an der Hauptstraße kehrtmachen. Noch bis Oktober wird umgebaut.

Die Kirche soll künftig schon im Foyer wahrnehmbar sein: Direktor Michael Ahner auf der Baustelle in der Dresdner Dreikönigskirche, des Hauses der Kirche.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Hier kann man wohl jetzt gar nicht hinein?“, fragt die Touristin über den gelben Bauzaun hinweg. „Nein“, entgegnet ihr der Mann in der blauen Latzhose. „Sie sehen ja - alles Baustelle.“ So wie sie müssen seit Mai viele an der evangelischen Dreikönigskirche an der Hauptstraße kehrtmachen. Ursprünglich sollten Sanierung und Umbau des 277 Jahre alten Barockbaus, der 1990 zum „Haus der Kirche“ umgestaltet worden war, bis Ende August abgeschlossen sein.

Doch die rund 2,4 Millionen Euro teuren Arbeiten, vor allem die Erneuerung der Haustechnik, erwiesen sich als aufwändiger. Direktor Michael Ahner ist dem Grundsatz gefolgt: „Wenn wir schon einmal dabei sind, machen wir es umfassend und gründlich.“ Freilich habe er deswegen über 40 Veranstaltungen absagen müssen. Jetzt peilt er als Zeitpunkt für die Wiedereröffnung Mitte Oktober an. Ein paar letzte Arbeiten werden auch dann noch zu erledigen sein, wie er sagt.

Im Kirchenraum zumindest sind seit Mitte September wieder Konzerte, etwa die der beliebten Reihe „Musik zwischen den Welten“ möglich. Besucher müssen zum Hintereingang am Rebekka-Brunnen hinein.

Im Erdgeschoss hämmern, bohren und schrauben die Handwerker emsig. Wenn sie fertig sind, wird das Foyer der Dreikönigskirche kaum wiederzuerkennen sein. Als relativ schmal dürften manche, die öfter hier gewesen sind, es in Erinnerung haben.

Der neue Eindruck ist nun jedoch: mehr Weite, mehr Transparenz, mehr Licht. Durch das Eingangsportal an der Hauptstraße wird der Besucher künftig in ein wesentlich größeres Foyer treten. Nur der Empfangstresen rechts wird ihm von früher vertraut erscheinen. Die einengenden Wände indes sind verschwunden. An ihrer Stelle soll Glas die Seitenräume abtrennen. Damit reicht der Blick nach beiden Seiten bis zu den Außenmauern. Durch die Fenster fällt damit wesentlich mehr Tageslicht ins Foyer. „Vorher musste hier immer elektrisches Licht brennen“, sagt Michael Ahner. Vor allem aber: „Der Raum wird wieder deutlicher als Kirche wahrgenommen, nicht als Bürohaus.“ Außerdem wird die Decke um etwa 30 Zentimeter gehoben.

Links entstehen zwei Räume. Der eine ist universal für Gruppentreffs und Seminare nutzbar. Der andere soll einigen Werken des Bildhauers und Malers Friedrich Press (1904-1990) Platz bieten, die jetzt noch in den Räumen des Kunstdienstes stehen; dazu wechselnden thematischen Ausstellungen.

Rechts gab es bereits ein Café; das entsteht wieder neu - als Begegnungsstätte für verschiedenste Gruppen, seien es Mütter mit Kindern, Senioren, emeritierte Pfarrer oder Rollstuhlfahrer. Kaffee und Tee werden aus fairem Handel bezogen. Sogar das Geschirr soll von der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt (Gepa) kommen. Bedienen sollen auch Menschen mit Behinderung. „Unser Vorteil

ist: Für deren Betreuung haben wir das Ambulante Behindertenzentrum gleich im Haus“, sagt Michael Ahner. Faire Produkte, inklusives Konzept beim Service - das sieht der Direktor als ein Aushängeschild ganz im Geiste des Hauses. Außerdem könnten in einem Regal künftig Gemeindeblätter und Prospekte stecken. Im Dezember 2014 hatte der K-Punkt auf der Altstädter Seite neben der Kreuzkirche schließen müssen.

Nun könnte hier eine neue Informationsstelle entstehen.

Eine breitere Glaswand trennt künftig auch den Kirchenraum im vorderen Teil ab. Vom Eingang aus könne der Besucher dann den Altar (1738) von Johann Benjamin Thomae deutlicher sehen, sagt Michael Ahner. Auch das unterstreiche den Gesamteindruck Kirche.

Die Baustelle erstreckt sich bis ins erste Obergeschoss. dort erhält das Ambulante Behindertenzentrum (ABZ) Büros. Gründlich entsprechend den heutigen hygienischen Bestimmungen umgestaltet wird die Küche. So verschwinden zum Beispiel Rohre und Leitungen unter einer geschlossenen Decke. Die Küche, noch aus DDR-Zeiten stammend, sei der Hauptgrund dafür gewesen, dass eine Sanierung unausweichlich war, so Ahner. Das Mittagsrestaurant mit zuletzt rund 250 Gästen pro Tag habe die Zahl der angebotenen Portionen verdoppeln können. Etwa die Hälfte der Einnahmen des Hauses werden damit erwirtschaftet. Die andere Hälfte aus Vermietungen für Vorträge, Tagungen, Konzerte.

Auch die Bildungsarbeit im Haus soll wieder beginnen. Die Landeskirche sucht derzeit einen Referenten oder eine Referentin dafür. Michael Ahner hofft, dass der oder die Neue mit eigenem Profil die Verbindung von Kunst, Diakonie und Gemeindeleben befördert. „Wir wollen als Bindeglied zwischen Stadtkirchenarbeit und kommunaler Kultur präsent sein, als Kulturkirche.“

1421 – erste urkundliche Erwähnung einer Kirche „Zu den heiligen drei Königen“

1514 – bis 1525 Umbau zu dreischiffiger Hallenkirche

1685 – Brand vernichtet Stadtteil und Kirche

1688 – nach Plänen von Johann Benedikt Knöffel und Johann Andreas Voigt Kirche neu erbaut

1732 – August der Starke will die Straße anders planen und lässt die Kirche abreißen; nach Entwurf von Matthäus Daniel Pöppelmann wird Interimskirche errichtet, er fertigt auch Pläne für Neubau

1739 – unter George Bähr und Johann Gottfried Fehre wird Kirche fertig gebaut, noch ohne Turm

1859 – von Frommherz Lobegott Marx und Karl Moritz Haenel entworfener 87,5 Meter hoher Turm wird errichtet

1945 – bei Bombenangriffen im Februar Kirche bis auf Umfassungsmauern zerstört

1977 – Genehmigung zum Wiederaufbau

1984 – Beginn des Wiederaufbaus mit Herstellung der barocken Hülle, im Inneren Umbau zur Nutzung für Kirchgemeinde und für Tagungen und Konferenzen

1990 – drei Jahre lang Tagungsort des Sächsischen Landtages, vor dem Wandgemälde „Versöhnung“ von Werner Juza

1991 – Weihe des neuen „Hauses der Kirche“
Aktuelle Veranstaltungen:

2. Oktober 2016: 17 Uhr, Paul Hoorn & Das Paradiesorchester, Projekt der EHS Dresden mit geflüchteten und alteingesessenen Musikbegeisterten, in der Reihe „Musik zwischen den Welten“

3. Oktober 2016: 11 Uhr, Bachfest Dresden; Sächsisches Vocalensemble; Matinee im Rahmen des Bachfestes Dresden „Bach – Vater und Erben“, Motetten Johann Sebastian Bachs und der Generation von Carl Philipp Emanuel Bach; 17 Uhr, Tworna (Deutschland), in der Reihe „Musik zwischen den Welten“

9. Oktober 2016: 20 Uhr, The Fretless (Kanada); The String Quartet goes Folk; in der Reihe „Musik zwischen den Welten“


Von Tomas Gärtner

Dresden, Dreikönigskirche 51.0611519 13.7433351
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