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Dresdner Denkmalamt will enger mit Ehrenamtlern zusammenarbeiten

Dialog zwischen Behörde und Bürgern Dresdner Denkmalamt will enger mit Ehrenamtlern zusammenarbeiten

Ob „Geländer-Possen“ oder der Abriss des Robotron-Komplexes, ob Neubauten am Elbhang oder DDR-Kunst am Bau – der Umgang mit Kulturdenkmalen sorgt in Dresden regelmäßig für hitzige Debatten. Die Stadt will nun einen Dialog zwischen Amt und Bürgern etablieren.

Bernhard Sterra, Abteilungsleiter Denkmalschutz
 

Quelle: Archiv

Dresden.  Ob „Geländer-Possen“ oder der Abriss des Robotron-Komplexes, ob Neubauten am Elbhang oder DDR-Kunst am Bau – der Umgang mit Kulturdenkmalen sorgt in Dresden regelmäßig für hitzige Debatten.

Im Rathaus hängen Netze vor den Geländern

Im Rathaus hängen Netze vor den Geländern. Die alten Geländer entsprechen nicht den Vorschriften, können aber aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht verändert werden.

Quelle: tbh

Neben Landes- und städtischem Amt für Denkmalschutz befassen sich etliche ehrenamtlich tätige Gruppen oder Einzelpersonen mit der Vergangenheit und Zukunft der geschützten Bau- und Kunstwerke, Grünanlagen und Stadtviertel. Nicht selten sind es genau diese Freizeitforscher, die kulturhistorisch wertvolle Orte erst entdecken, in mühevoller Kleinarbeit Details zu deren Geschichte „ausgraben“ und für das Denkmalamt zusammenstellen. Stellvertretend seien hier die 49. Grundschule in Dresden-Plauen, zahlreiche Kunstwerke an DDR-Architektur oder das Pinguin-Café im Zoo erwähnt. In all diesen Fällen lieferten Ehrenamtler die Grundlage für die Entscheidung, ob ein Objekt zum Kulturdenkmal erklärt wird oder nicht.

Die Bleiglasfenster im alten Robotron-Gelände sind umstritten

Die Bleiglasfenster im alten Robotron-Gelände sind umstritten. ein verein will sie komplett erhalten.

Quelle: Anja Schneider

Doch ein echter Dialog zwischen Amt und einzelnem Bürger kam bislang nicht zustande. Der „Austausch“ lief üblicherweise über Medienberichte oder über nicht öffentliche E-Mails und Telefonate. Das soll sich nun ändern. „Unsererseits besteht ein starkes Interesse am Austausch mit Initiativen und Netzwerken“, erklärte Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), die am Mittwochabend zum Gespräch ins Kulturrathaus geladen hatte. „Wir wollen den Dialog mit den Ehrenamtlern suchen. Deren Engagement ist eine wichtige Stütze für uns.“

Neue Erfahrung für Denkmalschutzamt

Was so banal und naheliegend klingt, war für das Amt bisher unbekannt: „Wir sind alle aufgeregt, denn das ist ein ganz neues Format für uns“, sagte Bernhard Sterra, Abteilungsleiter Denkmalschutz. Er hatte am Mittwoch sowohl seinen Amtsleiter Manfred Wiemer als auch fast alle Dresdner Gebietsdenkmalpfleger mitgebracht – ein Zeichen, wie wichtig das Anliegen der Behörde ist. Das wussten auch die ehrenamtlich im Denkmalschutz engagierten Bürger zu würdigen. „Die Veranstaltung war ein guter Vorstoß“, sagte beispielsweise Matthias Hahndorf vom Netzwerk ostmodern.org, das sich aktuell für die Erhaltung der Bleiglasfenster aus dem Robotron-Gebäude und das vom Abriss bedrohte Pinguin-Café einsetzt. „Auch die Wertschätzung für das bürgerschaftliche Engagement ist begrüßenswert.“ Drei Initiativen – Pro Pieschen e.V., Netzwerk ostmodern und die Bürgerinitiative Blasewitz – konnten ihre Arbeit vorstellen. „Deshalb war die Veranstaltung auch gut für die Vernetzung“, lobte Hahndorf im Nachgang. „Es haben sich Leute zusammengefunden, die die gleichen Themen bewegen, aber noch nicht in direktem Kontakt standen.“

Das Sachsenbad wartet seit zig Jahren auf ein zukunftsfähiges Konzept

Das Sachsenbad wartet seit zig Jahren auf ein zukunftsfähiges Konzept.

Quelle: Sebastian Kahnert

Lobend äußerte sich auch Hobby-Architekturhistoriker Daniel Fischer, der intensiv zur baugeschichtlichen Bedeutung der „Dresden Atrium“-Schulen geforscht hat. „So eine Veranstaltung ist keine Selbstverständlichkeit. Besonders begeistert war ich, dass man im Vorfeld Fragen ans Denkmalamt einreichen konnte.“ Vertreter der Behörde beantworteten diese dann – mehr oder weniger ausführlich. Die Antworten waren es nämlich, die bei zahlreichen Teilnehmern einen schalen Geschmack hinterließen. Insbesondere Bernhard Sterra sei den kritischen Fragen ausgewichen, habe nur mit allgemeinen Floskeln geantwortet, war nach Veranstaltungsende mehrfach zu hören. Kein Wort vom bekannten Personalmangel und Antragsstau bei den Denkmalbehörden, stattdessen die PR-Aussage, dass im zuständigen Landesdenkmalamt „fachlich hervorragend und mit größter Sorgfalt“ geprüft werde, ob ein Objekt den Denkmalstatus verdiene oder nicht.

Streit um Denkmal-Status

Angesichts der Tatsache, dass kürzlich ein Dresdner Gebäude zunächst auf die Denkmalliste gesetzt und nur wenige Wochen später wieder heruntergenommen wurde, wirkte Sterras Antwort absurd. Zumal herauszuhören war, dass in Sachen Kommunikation und Informationsfluss zwischen Landes- und städtischem Denkmalamt keineswegs alles reibungslos läuft. Vertreter des Landesdenkmalamtes, also die kompetenten Experten mit der „Entscheidungsgewalt“, hatten sich allerdings bei der Veranstaltung nicht blicken lassen.

Bernhard Sterra, Abteilungsleiter Denkmalschutz

Bernhard Sterra, Abteilungsleiter Denkmalschutz

Quelle: Archiv

Dennoch waren sich alle Anwesenden einig, dass die Veranstaltung am Mittwoch ein Schritt in die richtige Richtung war. Wichtig sei nun, so Matthias Hahndorf, dass der Austausch zwischen Denkmalamt und Ehrenamtlern fortgesetzt und ausgebaut werde. „Es ist nicht damit getan, dass man eine Frage stellt, die Behörde antwortet und das war’s“, ergänzte ein weiterer Veranstaltungsbesucher. Da waren die beiden ganz bei Abteilungsleiter Sterra: Er könne sich gut vorstellen, regelmäßige Treffen zu initiieren. Diese Diskussionsrunden sollten dann thematisch oder stadtteilbezogen aufgegliedert werden, schlug ein Redner vor. Denn trotz der nur etwa 40 Veranstaltungsteilnehmer war das Themenspektrum bei diesem Auftakt viel zu umfassend: Von zu niedrigen historischen Treppengeländern über das 70er-Jahre-Ensemble Hauptstraße, das Sachsenbad und einen Radweg durch den Palaisgarten bis hin zu störenden modernen Bauten am Elbhang spannten sich die Fragen.

Sterra will „ehrenamtlich Beauftragte“ gewinnen

Außerdem legte Sterra den Menschen, die sich ohnehin in ihrer Freizeit für den Denkmalschutz engagieren, einen Posten als „ehrenamtlich Beauftragter für Denkmalpflege“ ans Herz. 26 davon gibt es derzeit in Dresden, die meisten sind jedoch im Rentenalter. Nachwuchs sei „herzlich willkommen“, so Sterra. „Wir freuen uns!“ Nicht wenige der fachkundigen Ehrenamtler wunderten sich, warum bislang noch nie jemand mit dieser Einladung auf sie zugekommen war. Und nicht für alle Hobbyforscher kommt so eine Stelle in Frage. Da die ehrenamtlichen Denkmalpfleger offiziell das Amt unterstützen, können sie ihre Arbeitsaufgaben meist nicht selbst wählen. „Ich möchte aber lieber frei und unabhängig an meinen Projekten forschen wie bisher“, sagten einige Bürger.

Damit diese aber überhaupt an bestimmte Akten herankommen und nicht ihr gesamtes Erspartes für die Recherchen im Stadtarchiv ausgeben müssen – erst im März hatte der Stadtrat die Gebühren deutlich angehoben –, fragte Hobbyhistoriker Daniel Fischer nach Erleichterungen oder Vergünstigungen. „Ich bin einfach in die Bresche gesprungen für die Rentner, die dort jeden Tag sitzen und heimatkundliche Forschungen betreiben“, sagte er bescheiden. Und hatte Erfolg: Kulturbürgermeisterin Klepsch bot an, dass das Amt für Kultur und Denkmalschutz Begleitschreiben ausstellen könne, die den Archivzugang erleichtern und Kosten minimieren können.

Von Anja Menzel

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