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Dresdner DDR-Garagen warten auf die Abrissbirne

Stadtentwicklung Dresdner DDR-Garagen warten auf die Abrissbirne

An der Braunsdorfer und der Mohorner Straße in Löbtau sollen alte DDR-Garagen dem Wohnungsbau weichen. Bis zum 26. Januar sucht die Stadt nach Investoren, die an den Standorten entsprechende Gebäude errichten. Die Mieter der Garagen wissen davon noch nichts.

Ziemlich sauer: Annett Grundmann und Dietmar Leuthold vor den Garagen.
 

Quelle: Hauke Heuer

Dresden.  An der Braunsdorfer und der Mohorner Straße in Löbtau sollen alte DDR-Garagen dem Wohnungsbau weichen. Bis zum 26. Januar sucht die Stadt nach Investoren, die an den Standorten entsprechende Gebäude errichten. Die Voraussetzung: In den Häusern sollen sozial benachteiligte und Menschen mit Migrationshintergrund zusammenleben.

„Das ist an sich keine schlechte Sache“, sagt Dietmar Leuthold, einer der Mieter der Garagen an der Braunsdorfer Straße, und fühlt sich dennoch von der Verwaltung massiv vor den Kopf gestoßen. „Niemand hat uns über den geplanten Verkauf informiert. Wenn mein Nachbar mir keinen Tipp gegeben hätte, wüsste ich bis heute nichts von dem Vorhaben“, erklärt der Anwohner, der seine Garage erst im Jahr 2000 angemietet hat.

Die meisten Mieter parken jedoch schon seit den frühen 80er Jahren in den typischen Betonboxen. Viele haben damals einen beachtlichen Teil ihres Einkommens in den Bau auf gepachtetem Land investiert – rund drei bis viertausend Ostmark. Mittlerweile sind viele der Nutzer in die Jahre gekommen. Zwei der 40 Mieter an der Braunsdorfer Straße sind bereits über 85 Jahre alt. Sechs besitzen einen Schwerbehindertenausweis. Würden die Garagen wegfallen, hätten es die Senioren in Zukunft sehr viel schwerer, ihre Wagen zu halten. „Die Parkplatzsituation in der Gegend ist sowieso schon prekär. Viele Nutzer vielleicht müssen bald hunderte Meter weit laufen, um zu ihrem Auto zu gelangen“, sagt Leuthold und kündigt an, eine Initiative zu Gründen. Erst Gespräche unter den Garagenmietern hätten bereits stattgefunden.

In der Löbtauer Stadträtin Annett Grundmann (CDU) haben die Garagenbesitzer eine engagierte Mitstreiterin gefunden. Als das Vorhaben am 18. August im Stadtrat durchgewinkt wurde, stimmte auch sie dem Antrag zu. „Uns wurde gesagt, dass die Nutzer informiert wurden, was schlicht nicht stimmt“, regt sich Grundmann über die Vorgehensweise der Verwaltung auf und fügt hinzu, „ich befürworte, dass mehr Wohnraum für sozial Benachteiligte bereit gestellt wird. In diesem Fall läuft es aber darauf hinaus, dass die Stadt die Interessen von Rentnern und Bedürftigen gegeneinander ausspielt. Das ist der falsche Ansatz“. Darüber hinaus würde es in der Umgebung schon jetzt einen hohen Leerstand geben. Unter diesen Voraussetzungen weitere Wohnhäuser zu vermieten mache keinen Sinn, so Grundmann.

Doch das Kind scheint mit der Zustimmung des Stadtrates bereits in den Brunnen gefallen. So sind für die Nutzer vor allem rechtliche Fragen interessant. Etwa ob für den Abriss der Garagen eine Entschädigung ausgezahlt wird. Große Hoffnungen können sich Dietmar Leuthold und seine Nachbarn nicht machen. Nach dem hier einschlägigen Schuldrechtsanpassungsgesetz ist der Kündigungsschutz und damit auch ein Anspruch auf Entschädigung seit sieben Jahren erloschen.

Dafür könnten zusätzliche Kosten auf die Nutzer zukommen. Das besagte Gesetz sieht vor, dass die Mieter die Hälfte der Abrisskosten tragen müssen. Ob das tatsächlich eintritt liegt in der Hand des zukünftigen Besitzers. „Die Stadt beabsichtigt, die Grundstücke unter Übernahme der Mietverträge durch den Erwerber zu verkaufen“, teilt das Liegenschaftsamt mit.

Unklar ist auch, ob die Stadt plant, weitere Garagengrundstücke zu veräußern. Auf Anfrage der DNN teilt die Pressestelle mit: „Wann welche bislang nicht ausgeschrieben Garagenhöfe veräußert werden, steht bislang noch nicht fest, dies bedarf weiterer Abstimmungen und Prüfungen.“

Von Hauke Heuer

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