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Dresdner Camper-Vermietung: Mit Böckys Bullis nach Istanbul und Island

Dresdner Camper-Vermietung: Mit Böckys Bullis nach Istanbul und Island

Gemächlich tuckert "Bruno" um die Ecke, knallorange und mit dem unverkennbaren Motorgeräusch eines VW Bulli. Am Steuer des Kultbusses sitzt Jan Böckenhauer.

Der 30-jährige gelernte Steuerfachgehilfe gehört zu jenen glücklichen Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben: Er vermietet Camper, mit zwei Ausnahmen - die einen Stern tragen - allesamt VW-Busse älterer Semester der Typen T 2 bis T 4 sowie zwei VW LT-Busse. Der rundgelutschte "Bruno", 50 PS, knapp 100 Stundenkilometer Spitze und ein Verbrauch von rund zehn Litern Benzin auf 100 Kilometern, gehört zu den Lieblingen von Böckenhauer.

Der T 2 ist Baujahr 1978. Auf dem Tacho stehen 71 000 Kilometer. Da es nur fünf Stellen gibt, vermutet sein Besitzer, dass mindestens noch eine "1" davor gehört. "Das genaue Leben dieses 'Bullis' können wir nicht mehr nachvollziehen", sagt Böckenhauer. Bis jetzt hat er für seine Campervermietung 14 Busse gekauft, zwölf stehen in Dresden, zwei werden von Bremen aus vermietet, wo sein Bruder lebt. Alle Fahrzeuge tragen Namen. Das dokumentiert, wie viel Herzblut er ins Herrichten der Kleinbusse gesteckt hat. Sein Plan: Mit weiteren alten "Bullis" den Fuhrpark aufstocken. Kürzlich hatte er Glück und konnte noch einen T 2 bezahlbar erstehen, der wird zurzeit für sein neues Leben als Miet-Camper umgerüstet. Rund 15 000 Euro kostet ein fahrtüchtiges Fahrzeug auf dem Gebrauchtwagenmarkt, oft kommen die alten VW-Busse als Re-Importe aus den USA. Bis er sie dann ruhigen Gewissens vermieten kann, steckt er etliche Arbeitsstunden und nochmals rund 5000 Euro in die betagten Vehikel.

Die Motoren vertraut er einer Werkstatt bei Dippoldiswalde an, dessen Besitzer als begnadeter Schrauber in der VW-Bus-Szene einen legendären Ruf genießt. Künftig will Jan Böckenhauer jedoch einen Kumpel als Mechaniker anstellen, der sich dann zwischen den Vermietungen um seine Schätzchen auf vier Rädern kümmert. Derzeit sucht er in Dresden fieberhaft eine Halle mit Platz für mindestens zwei Hebebühnen, die er als Werkstatt und Büro nutzen kann.

Camper mit einfachsten Ausstattungen kosten ab 50 Euro pro Tag. Wer "Bruno" haben will, ist mit 100 Euro dabei. Wer länger mietet, bekommt Rabatt. Dafür bietet "Bruno" auch fast alles, was das Camper-Herz begehrt - und mit seinem hochklappbaren Dach auch Schlafplatz für bis zu vier gute Freunde.

Häufig würden die nostalgischen VW-Busse von Pärchen mit und ohne Kindern gemietet, darunter seien durchaus ältere Abenteuerurlauber. "Viele lassen Jugenderinnerungen wieder aufleben", sagt der Vermieter. Zwei Mediziner aus Österreich waren vergangenes Jahr mehr als zwei Monate am Stück mit dem T 3-VW-Bus "Kadda", Baujahr 1990, unterwegs. Dass Urlauber die Anreise aus Bayern oder dem Ruhrgebiet nach Dresden in Kauf nehmen, sei nicht ungewöhnlich und ein Beweis dafür, dass es nicht an jeder Ecke VW Bullis zu mieten gibt.

In den letzten beiden Juli- und den ersten beiden Augustwochen sind sämtliche Bullis von "Böckys Busvermietung" seit Monaten schon ausgebucht. Dazwischen finde sich meistens noch ein Termin und ein freies Fahrzeug, sagt Böckenhauer. Das Mindestalter des Fahrers sollte bei 22 Jahren liegen. Es könne bei einem alten Bulli mit freiliegender Lenksäule und der Handbremse, die aus dem Armaturenbrett gezogen wird, schon so ein, zwei Tage dauern, bis der Fahrer so richtig eins werde mit dem Oldtimerbus. Bequeme Rennsitze erleichtern die Eingewöhnung.

Ein wirklich ungutes Gefühl habe er bisher noch nie gehabt, wenn ein Urlauber mit einem der VW-Busse in die Ferne gedüst ist. Jeder Mieter bekommt eine mindestens einstündige Einführung vom Chef persönlich, bevor er starten darf. Es geht vertrauensvoll zu, die meisten Mieter verraten ihr Ziel. Im vergangenen Jahr waren "Böckys" Kunden mit VW Bussen auf Island, am Nordkap und in Istanbul, Trendziel ist aber Kroatien. Selbst für Touren durch Marokko wären die Fahrzeuge versichert, betont der Jungunternehmer, der die Busvermietung 2013 zunächst im Nebenerwerb startete und vom Erfolg so überrollt wurde, dass er ein geplantes Studium der Sozialpädagogik gar nicht erst begonnen hat.

Vermietet werden die Oldtimer-Busse auch für Hochzeiten, Messen oder Firmenfeiern. Vier oder fünf Fahrzeuge sollen ganzjährig angeboten werden und bleiben auch im Winter zugelassen. Bisher vermietet Böckenhauer seine Busse überwiegend auf Empfehlung oder durch Vernetzung im Internet, oft bringt der "Gefällt mir"-Button auf Facebook neue Kundschaft. Und einen Trend hat Jan Böckenhauer auch ausgemacht: "Camper-Urlaub ist eine beliebte Beschäftigung während der Elternzeit."

Inzwischen gäbe es auch Trittbrettfahrer, die seine Geschäftsidee zu kopieren versuchen, sagt der Herr über die Campingmobile. Doch bisher bringt den gebürtigen Mecklenburger, der in Parchim bei Schwerin aufgewachsen ist, das noch nicht aus der Ruhe. Er selbst scheint schier endlos viele Ideen für seine "Bulli"-Parade zu haben, manches ist spruchreif, anderes gerade einmal angedacht. Böckenhauer managt seine Firma derzeit als "One-Man-Show" und gibt zu, dass er am Marketing noch feilen und auch Aufgaben abgeben muss. Demnächst soll der Name von "Böckys Busvermietung" in "INDIEVANS" - was als Aufforderung zu verstehen sei - geändert werden. Das klinge moderner und professioneller, meint er. Der Chef und Firmengründer, der einst durch seine frühere Freundin auf den Geschmack des individuellen Camper-Urlaubs gekommen ist, schafft es derzeit allerdings kaum noch, sich selbst einmal eine Auszeit mit einem seiner VW-Busse zu nehmen. "Eigentlich komme ich nur noch bei dienstlichen Fahrten in den Genuss des ,Bulli'-Feelings", sagt er und schmunzelt doch irgendwie zufrieden.

www.camper-mieten-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2015

Lars Müller

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