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Dresdner Busmannkapelle wird das Dach aufgesetzt - Bis Herbst soll die Gedenkstätte äußerlich fertig sein

Dresdner Busmannkapelle wird das Dach aufgesetzt - Bis Herbst soll die Gedenkstätte äußerlich fertig sein

Unübersehbar überragt der große Kran die eingerüstete Busmannkapelle. Nach geduldigem Warten haben auf dem Gelände der künftigen Gedenkstätte wieder Handwerker Einzug gehalten, um das Dach zu montieren.

Mit dem jetzigen vorletzten Bauabschnitt rücken Vollendung und Nutzung näher. Gerhard Glaser erhofft dies bis spätestens Ende 2016. Doch bis zum Herbst dieses Jahres soll die äußere Gestalt des Mahnmals endlich komplett sein. Dann könnte es auch eine kleine Feier für alle Beteiligten geben.

Der ehemalige Landeskonservator betreut den Bau der Busmannkapelle ehrenamtlich im Auftrag der Bürgerstiftung. Dass nach der Bekanntgabe des Wettbewerbssiegers für das Projekt (Architekturbüro Gustavs und Lungwitz) 20 Jahre ins Land gehen, bevor es tatsächlich Form annimmt, hat er sich nicht träumen lassen. Auch nicht die Zeitspanne von fünf Jahren seit der Grundsteinlegung. Aber nun ist die größte Hürde, das bislang fehlende Geld, für den jetzigen wichtigen Bauschritt genommen. Es ist gelungen, Stadt, Bund und Freistaat gemeinsam ins Boot zu holen. Und in dieser Reihenfolge steigen auch die freigestellten Mittel auf die jetzt vorhandene Summe von rund 1,6 Millionen Euro an. Das reicht für Bedachung, Glasfassaden, Wendeltreppe und Zwischenetage im Inneren.

Das Ursprungsmodell wurde ein wenig modifiziert. So entsteht das Dach nicht mehr aus Glas, sondern aus Stahl, Holz und Kupfer. Die Zimmerei Dirk Großmann aus Dresden hat das Dachtragwerk gefertigt - ein flacher hölzerner Kasten, der anschließend eine Kupferhaut erhält. Die Kupferklempnerei aus Mutzschen ist beauftragt, sagt Glaser. Auch für die Stahlarbeiten ist ein bekanntes einheimisches Unternehmen tätig: die SBS Metalltechnik GmbH. Durch eine der vier Stahlstützen an den Ecken wird zugleich das Dachwasser abgeleitet.

Den Zuschlag für die Glasarbeiten erhielt nach der Ausschreibung die Firma Glasveredelung Wagener aus dem Hunsrück. Sie wird ganz ohne Stahlprofile die Fassadenscheiben mittels Klebetechnik montieren. Die Scheiben sind jeweils drei Meter breit und vier Meter hoch. Insgesamt erreicht die Gedenkstätte eine Höhe von reichlich 14 Metern. Für Stabilität sorgen nach innen einspringende, 60 Zentimeter tiefe sogenannte Glasschwerter, erklärt Glaser. Um Spiegelungen durch die Glashülle zu vermeiden, muss der Kapellenraum künstlich beleuchtet werden. Doch das gehört zum nächsten und letzten Schritt, dem Feinausbau.

Gegenwärtig werden die zwölf Grabplatten restauriert, die künftig den Raum der Stille im Untergeschoss schmücken. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Dafür können Spendengelder und Mittel der Marlis-Kressner-Stiftung verwendet werden. Die Stiftung unterstützt die Erhaltung von historisch wertvollem Kulturgut. Aber noch immer reicht das Geld nicht aus. Spenden sind sehr willkommen. Dafür rühren neben vielen anderen der ehemalige Oberlandeskirchenrat Harald Bretschneider und Peter W. Schumann von der Fördergesellschaft Sophienkirche/Busmannkapelle kräftig die Werbetrommel. "Die historischen Grabplatten müssen vor dem Einbau der Wendeltreppe eingebracht werden", betont Schumann. Er hofft auf weiteren Spendenfluss. Danach sollen auch die Stufen der Wendeltreppe Gönner finden. Gern könnten sich auch Gruppen von Spendern zusammenfinden, so Schumann. Glaser kann sich Ähnliches für den Einbau der abstrahierten Gewölberippen in die Kapelle vorstellen.

Von der ersten Idee bis heute brauchte es viel Durchhaltevermögen. Probleme mit dem Bauuntergrund, Wassereinbruch und Farbbeutelattacke waren zu verkraften, neben den begleitenden Geldsorgen. Laut Glaser sind die veranschlagten Kosten von 2,7 Millionen Euro inzwischen auf rund 3,4 Millionen Euro gestiegen. Gewonnen wird am Ende ein Ort mehrfachen Erinnerns, an die Geschichte der Kirche, an Machtmissbrauch in Diktaturen, an Krieg und Zerstörung. In Ausstellungen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen für maximal 40 Personen können die Themen vertieft werden.

Nach Norden, wo einst die Sophienkirche stand - heute nur als Grundriss im Pflaster markiert -, ist die neue Busmannkapelle bewusst offen. "Man soll sehen, wie schmerzhaft wenig übrig geblieben ist", unterstreicht Glaser. Die Idee von FDP-Ortsbeirat Marko Beger, die Sophienkirche an die Wand des "Hauses am Zwinger" zu projizieren, stößt auf keine Gegenliebe. Das Bild würde weder diesem modernen Bau, noch dem Anliegen und der Wirkung der Gedenkstätte gerecht, so Glaser. Umso mehr erfreut ihn die jetzige Sanierung des großen Riegels, mit der auch die Hinterhofatmosphäre verschwindet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.05.2015

Genia Bleier

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