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Dresdner Arche Nova-Team ist auf den Philippinen im Einsatz / Fehlende Toiletten sind ein Riesenproblem

Dresdner Arche Nova-Team ist auf den Philippinen im Einsatz / Fehlende Toiletten sind ein Riesenproblem

Das Leid auf den Philippinen nach dem Taifun ist groß. Vier Helfer der Dresdner Hilfsorganisation Arche Nova sind aktuell vor Ort, um bei dem Aufbau der Wasser- und Sanitärversorgung mit anzupacken.

DNN-Redakteurin Madeleine Arndt sprach am Sonntagabend am Telefon mit dem Arche-Nova-Chef Sven Seifert, wie er den ersten Tag in der Stadt Tacloban erlebt hat.

Herr Seifert, wie war Ihre Ankunft?

Ich bin gestern Nacht um zwei auf den Philippinen angekommen. Heute früh sind wir mit dem Flieger nach Tacloban geflogen und befinden uns gerade in einem Krankenhaus. Hier war die ganze Wasserversorgung zusammengebrochen und wir haben technische Beratung geleistet. Das Hospital wird morgen wieder Wasser haben. Ansonsten waren wir bei zwei Koordinationstreffen zur Wasser- und Sanitärversorgung. Es gibt ein Riesenproblem, weil Toiletten fehlen.

Was für ein Bild hat sich Ihnen in Tacloban geboten?

Was sich mir hier in Tacloban geboten hat, übersteigt alles, was ich bisher gesehen habe. Es ist schlimmer als der Tsunami 2004. Rechts und links an den Straßen ist alles zerstört, alles. Die Leute sitzen teilweise auf den Ruinen, teilweise fangen sie an, sich etwas zusammenzunageln. Überall riecht es nach Verwesung.

Es ist von Plünderungen die Rede ...

Wir haben bisher nichts von Kriminalität mitbekommen. Im Gegenteil, die Leute waren sehr freundlich, wenn man durch die Straßen gefahren ist. Und es geht schon die Hilfe los, finden Verteilungen statt. Wir mussten zum Beispiel eine halbe Stunde über dem Flughafen von Tacloban kreisen, weil ständig Flugzeuge mit Hilfsgütern gelandet sind. Es ist ein Riesenbetrieb und nicht so, dass hier nichts passiert. Aber es geht auch sehr langsam, weil die ganze Logistik zusammengebrochen ist.

Heißt das, die internationale Hilfe ist angelaufen?

Die lokale Hilfe ist angelaufen. Es sind sehr viele lokale Organisationen, die hier die Ersthilfe machen. Zum Beispiel gibt es im Krankenhaus viele Medical Teams aus den Philippinen, die hier medizinische Hilfe leisten. Die internationale Hilfe - das dauert schon noch eine Weile. Dieses Ausmaß an Zerstörung habe ich in meinen ganzen Einsätzen noch nicht erlebt. Dazu kommen die ganzen Informationen sehr spärlich zusammen. Die Koordination durch die UN funktioniert einfach noch nicht. Es gibt weder Strom noch Internet, fehlen also die Strukturen, die für eine Koordination so wichtig sind. Das heißt, man muss überall selbst hinfahren und sich die Lage angucken.

Wie geht es für Arche Nova weiter?

Es gibt kaum Autos und Sprit. Man muss sich vorstellen, dass hier alle Straßen blockiert sind, Autos liegen teilweise auf den Dächern von zerstörten Häusern. Lkws haben sich überschlagen. Es ist ganz schwierig, eine Logistik hinzubekommen. Aber wir versuchen morgen, ein Auto zu organisieren, so dass wir zur Küste weiterfahren können, um Einsatzorte für unsere Trinkwasseranlagen zu finden. Die Anlagen befinden sich noch auf der Nachbarinsel Cebu, wir können sie innerhalb von einem Tag rüberholen und aufbauen.

Die zweite Sache ist, wir müssen schnellstens Lösungen finden, damit die Menschen Toiletten haben. All diese Zehntausenden, die jetzt in den Ruinen hausen, müssen ja irgendwo hinmachen. Wir versuchen aus Deutschland 25 000 Bio Bags zu bekommen. Das sind so eine Art kompostierbare Plastikbeutel, in die man seine Notdurft reinmachen kann, sie zuschnürt und dann in einem Loch entsorgt, wo sie sich dann zersetzen. Auch werden wir Hygiene-Kits verteilen mit Wassereimer, Seife, Handtüchern, Waschpulver, Zahnbürste. Arche Nova wird auf alle Fälle länger bleiben, mindestens drei Monate.

Was werden Sie heute Abend noch tun?

Wir haben einen Raum in dem zerstörten Hospital bekommen, haben alles selbst mitgebracht - eigenes Wasser, eigenes Essen. Wir machen jetzt noch eine Lagebesprechung und dann werden wir den Schlaf, den wir in den letzten zwei Nächten nicht hatten, nachholen.

iSpenden für Arche Nova-Nothilfe unter Stichwort "Nothilfe Haiyan", Konto: 357 35 00, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 850 205 00.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.11.2013

Madeleine Arndt

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