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Dresdner Ärzte operieren in Tansania

Dresdner Ärzte operieren in Tansania

Was tun, wenn sich offene Verbrennungen großflächig über den Körper winden? Wenn die Schilddrüse dicker als der ganze Hals ist? Wenn Klumpfüße das Laufen verhindern, Knochenbrüche unbehandelt bleiben und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten das Essen unmöglich machen? Menschen mit Fehl- und Missbildungen werden im afrikanischen Tansania geächtet und aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

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Dem dreijährigen Peter wurde in Sumbawanga Haut transplantiert. Zwei Wochen arbeiteten Dresdner Ärzte rund 14 Stunden am Tag in Tansania. Kostenlos.

Quelle: Interplast

Tausende Patienten sind dort medizinisch unterversorgt. Für etwa drei Millionen Menschen in der Region um die Stadt Sumbawanga steht nur ein einziger Chirurg zur Verfügung. Ein zwölfköpfiges Team aus plastischen und allgemeinen Chirurgen, Orthopäden, Anästhesisten und OP-Pflegepersonal ist deshalb von Dresden nach Tansania gereist. Zwei Wochen operierten die Ärzte 14 Stunden am Tag Kinder und Erwachsene mit teilweise lebensgefährlichen Verletzungen. Kostenlos.

"Als wir ankamen, warteten vor dem Operationssaal bereits 221 Patienten", sagte Marcus Strotkötter. "Erstmals kamen auch Menschen aus dem Kongo, Zambia und Kenia, die von dem Einsatz gehört hatten." Manche seien bis zu 160 Kilometer zu Fuß gelaufen. Viele hätten gar ihr letztes Geld zusammengekratzt, um nach Sumbawanga zu kommen. Ohne Rückfahrkarte.

Strotkötter leitet zusammen mit der Anästhesistin Sabine Wetter die Sektion Sachsen vom Interplast Germany. Der Verein für plastische Chirurgie in Ländern der Dritten Welt führt jedes Jahr 65 bis 80 Einsätze in Afrika durch. Der OP-Pfleger hat ein 30 Mann starkes Team aus der Region Dresden aufgebaut. "Die Ärzte und das Pflegepersonal opfern ihren Urlaub und operieren kostenfrei in einer der ärmsten Regionen dieser Welt", sagte Strotkötter. Er hat sie fast alle ins Boot geholt: Ärzte und Pfleger vom St. Joseph-Stift, vom Diakonissenkrankenhaus und vom Städtischen Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, von den Dresdner Praxen Dr. Annett Müller und Dr. Petzold, der anästhesiologische Gemeinschaftspraxis am Gautschweg und den Elbtalkliniken.

Menschen mit Verbrennungen liegen in Tansania manchmal monatelang ohne OP im Krankenhaus. Oft verwächst sich die Haut dabei so stark, dass sie die Gliedmaßen zusammenzieht. Dabei lassen sich die Verletzungen und Fehlstellungen mit einem relativ leichten Eingriff gut behandeln. Viele Menschen können sich jedoch eine 400 Dollar teure Operation nicht leisten. Sie hoffen auf ihre Kraft, den Medizinmann und Gott.

Insgesamt 144 Eingriffe haben die Mediziner am Dr. Atiman Memorial Hospital an zwei Operationstischen erfolgreich durchgeführt. Sie korrigierten Mund-Kiefer-Gaumenspalten, Klumpfüße, kümmerten sich um Knochenbrüche, Verbrennungen sowie Schilddrüsenerkrankungen und halfen Frauen bei komplizierten Geburten. Akribisch muss jeder Einsatz vorbereitet werden, nur so können möglichst viele Menschen operiert werden. Dazu gehört einerseits die Logistik - Marcus Strotkötter schickt vor jedem Einsatz mit viel Aufwand mehrere Tonnen gespendetes OP-Besteck, Medikamente und Verbandsmaterial nach Sumbawanga, um die OPs überhaupt durchführen zu können.

Andererseits kümmert sich der tansanische Arzt Dr. Ignas Dandah um eine Vorauswahl der Patienten. Nur so schaffen es die Mediziner, dem Ansturm gerecht zu werden. Außerdem arbeitet Strotkötter intensiv mit dem Benediktiner Orden in Tansania zusammen, die Mönche holen das Verbandsmaterial nicht selten höchstpersönlich in ihrem Jeep vom Hafen ab. "Viele Dinge, die bei uns einfach sind, geraten hier zum komplizierten Vorgang", erklärt Strotkötter. Es gibt in Tansania quasi kein Material, der Zoll stellt sich quer, Straßen sind nicht asphaltiert und eine Waschmaschine muss über 1300 Kilometer transportiert werden. "Die äußeren Bedingungen sind mit den hiesigen Dingen in keinster Weise zu vergleichen", erklärt Strotkötter. "Zu Beginn des Projektes war außer zwei OP-Tischen eigentlich nichts vorhanden". Wäsche wurde in Schüsseln gewaschen, Zähne mit der Zange gezogen und der Strom fiel aus. Mittlerweile gibt es einen Generator, eine Sterilisationseinheit, komplettes OP-Besteck und auch besseres "Zahnarztwerkzeug".

"Die Menschen, die operiert wurden, zeigten ihre tiefe Dankbarkeit", erzählt Strotkötter. Nach der OP der entstellenden Lippen-Kiefern-Gaumen-Spalte ihrer zwei Töchter hätte eine Mutter einmal gerufen. "Tschaka, jetzt können meine Töchter heiraten." In solchen Momenten seien alle Anstrengungen und Entbehrungen vergessen, sagt Strotkötter. Er organisiert schon längst den nächsten Einsatz im September. Denn: Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.

Das Projekt lässt sich nur durch Sach- und Geldspenden nachhaltig fortführen. Info bei medizinischen Sachspenden unter: marcus.strotkoetter@outlook.com; Geldspenden an: Sabine Wetter-Interplast Germany, Sektion Siebengebirge-Sachsen, Konto-Nr.: 6070676, BLZ 870 700 24, Deutsche Bank Dresden, Verwendungszweck: Projekt Sumbawanga /Tansania.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.05.2014

Tominski, Katrin

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