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Dresdner Advanta-Riegel vor ungewisser Zukunft: Der Albtraum mit dem Traumhotel

Dresdner Advanta-Riegel vor ungewisser Zukunft: Der Albtraum mit dem Traumhotel

Die tragische Geschichte des "Hauses am Zwinger" am Nordostende des Postplatzes, dem Volksmund auch als "Advanta-Riegel" bekannt, gleicht einer unendlichen Geschichte.

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Leere Schaufenster und ungemütliche Atmosphäre in der Kleinen Brüdergasse.

Von jane jannke

Von Beginn an brachte der 1998/99 am früheren Standort der historischen Sophienkirche errichtete Neubau den Eigentümern kein Glück. Die Liste der Rückschläge liest sich mittlerweile wie ein Abgesang. Ganze vier Mieter halten dem gespenstisch wirkenden, 146 Meter langen Haus noch die Treue - Gutes zu berichten hat keiner von ihnen. Sie fordern, dass endlich was passiert, denn der mangelnde Publikumsverkehr in der Kleinen Brüdergasse treibt einen nach dem anderen in die Flucht.

Wenn Carola Thiele Interessenten durch das Gebäude zwischen Taschenbergpalais und Wilsdruffer Straße führt, erblicken diese kaum mehr als einen Rohbau. Seit der Eigentümer, die Haus am Zwinger Verwaltungs GmbH, nach der Flut ab 2003 mit dem nie beendeten Umbau des einstigen Bürohauses zum Hotel begann, hat sich daran nichts geändert.

Lauf im Hamsterrad

Die Pleite des einstigen Ankermieters First Mark Communication im Jahr 2001 gilt als Auslöser aller Probleme. Was sollte mit den 8000 Quadratmetern geschehen? Die Hotel-Pläne versprachen ein stabiles Konzept. "Viele Mietverträge wurden damals gekündigt", erklärt die Objektleiterin. "Die Voraussetzungen waren gut, denn die Dresdner Hotellandschaft war längst nicht so üppig wie heute." Doch im Endeffekt markierte diese Entscheidung den Beginn einer Pechsträhne, die für die Eigentümer einem Lauf im Hamsterrad gleichkommt.

Weitgehend entmietet und für eine Hotelnutzung vorbereitet, war der Kreis der möglichen Interessenten zusammengeschrumpft auf solche, die hier einmal ein Hotel betreiben würden. Mehrfach habe man in den letzten Jahren kurz vor dem Verkauf gestanden, sagt Carola Thiele. Doch immer wieder ging irgendetwas schief. Erst im vergangenen Jahr der letzte Schock: Die Pro Invest GmbH hatte den Kaufvertrag schon unterschrieben, doch dann platzte der Deal in letzter Minute doch noch. Mittlerweile steht in der Dresdner Innenstadt Hotel an Hotel - beim Eigentümer glaubt man aber weiter an eine Chance. Interessenten gebe es viele, bei den meisten scheitere der Kauf an der Finanzierung: "Die Banken geben sich da sehr restriktiv", weiß Thiele.

Leerstand wird zum Imageschaden

Das leer stehende Gebäude verursacht zwar selbst kaum Kosten, lässt aber den kleinen Gewerbetreibenden im Erdgeschoss zusehends graue Haare wachsen. Deren Groll richtet sich wiederum gegen den Eigentümer.

Bodo Wagner betreibt im Objekt eine kleine Vinothek. Nach sechs Jahren sieht er für sich hier keine Zukunft mehr. "Es geht dem Ende entgegen. Ich bin maximal noch ein halbes Jahr hier, dann muss ich zumachen." Anders als beim Optiker nebenan fehlt Wagner die breite Stammkundschaft. "Ich verstehe nicht, warum man nicht wenigstens die kleinen Geschäfte zwischenvermietet, bis ein Käufer für das gesamte Objekt gefunden ist", zeigt er sich verständnislos. Das würde ein bisschen Leben in die kleine, von der prächtigen Sophienstraße aus kaum wahrgenommene Gasse bringen. Leere Schaufenster und verwaiste Lokale schrecken Kunden und potenzielle Mieter ab. Und will es doch mal einer versuchen, steht den Eigentümern die Bindung an das Großprojekt Hotel im Weg. "Es gibt Interessenten, aber die Eigentümer lehnen sie ab", so Wagner.

Carola Thiele weist den Vorwurf zurück, räumt aber indirekt das Dilemma ein: "Das ist so nicht ganz korrekt. Wir suchen ernsthaft nach einem Investoren. Teileinheiten zwischenzuvermieten könnte aber jene verschrecken, die selbst schon eigene Interessenten für die Ladenlokale mitbringen." Den Unmut der verbliebenen Mieter könne sie absolut verstehen. Man komme diesen aber bereits mit erheblich reduzierten Mieten entgegen. Für Optikermeister Joachim Skorupa ist das ein schwacher Trost: "Der Leerstand bedeutet für uns auch einen Imageschaden. Wer kommt denn gerne in ein völlig leeres Haus?"

Anders als mancher Mieter denkt der Eigentümer nicht ans Aufgeben. Ein heißer Kandidat ist derzeit wieder einmal in Sicht, macht Carola Thiele ein wenig Hoffnung. Mehr will sie aber noch nicht verraten - reine Vorsicht, nach all den Negativerfahrungen. Käme es nach fast zehn Jahren Leerstand tatsächlich zum Verkauf, bedeutete dies eine Investition im zweistelligen Millionenbereich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2012

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