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Dresdner Abwasserentsorger ist scharf auf Speisereste

Dresdner Abwasserentsorger ist scharf auf Speisereste

Der Probebetrieb ist abgeschlossen, in wenigen Tagen soll die Abnahme erfolgen: Danach übernimmt die Stadtentwässerung Dresden (SEDD) die Faultürme und das Blockheizkraftwerk in Kaditz an der Autobahn von den Baufirmen.

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Die Fauleier und das Blockheizkraftwerk der Stadtentwässerung an der Autobahn aus der Vogelperspektive. Bald soll hier auch aus Speiseresten Strom erzeugt werden.

Quelle: Jürgen-Michael Schulter

Von Thomas Baumann-Hartwig

"Die ersten Monate haben gezeigt, dass wir mit unseren Planansätzen gut liegen. Die Ausbeute entspricht dem, was wir erwartet haben", zieht Ralf Strothteicher, Prokurist der SEDD, ein erstes Fazit.

Rund 50 Prozent ihres Bedarfs an Strom will die SEDD mit dem Gas decken, das beim Faulen der Klärschlämme entsteht. 25 000 Megawattstunden im Jahr verbraucht die SEDD, 13 000 soll das Kraftwerk liefern. Das entspricht beim derzeitigen Preis einer Einsparung von rund 1,8 Millionen Euro im Jahr. Hinzu kommen noch einmal 1,7 Millionen Euro an Kosten für Gas. "Da wir den Klärschlamm nicht mehr trocknen, verbrauchen wir deutlich weniger", so Strothteicher.

Die Kehrseite: Statt 15 000 Tonnen pro Jahr wandern jetzt 60 000 Tonnen Klärschlamm in den Landschaftsbau oder die Landwirtschaft. Der Wasseranteil der braunen Masse beträgt nicht mehr wie früher zehn Prozent, sondern 75 Prozent. Trotzdem sind Faultürme und Kraftwerk - sie haben rund 43 Millionen Euro gekostet - eine rentierliche Investition, die sich in 15 bis 20 Jahren amortisiert haben soll - je nachdem, wie schnell die Energiepreise weiter klettern.

Wesentlich schneller will die SEDD vollkommen energieautark sein, kündigte der Prokurist an. Das sei mittel- bis langfristig in einem Horizont von fünf bis zehn Jahren geplant. Dazu müsse die Ausbeute an Gas erhöht werden. Das sei möglich, wenn neben Klärschlamm noch andere Stoffe durch die Anlage wandern. "Wir interessieren uns für Speiseabfälle und sind mit den Unternehmen in Kontakt getreten, die das in Dresden entsorgen." Die Reste aus den Fettabscheidern der Gastronomie könnten problemlos in der Anlage in Kaditz faulen. Mit ihnen würde der Gasertrag deutlich steigen.

Allerdings: "Für diese Abfälle gibt es einen Markt. Da sind wir nicht die einzigen, die unterwegs sind", so Strothteicher. In Dresden gibt es aber keine Mitbewerber mit einer Faulanlage, ein Vorteil für die SEDD. Es fallen keine hohen Transportkosten an, bei den jetzigen Spritpreisen ein starkes Argument. Aber nicht nur Speisereste, auch der Inhalt der Biotonnen ist für die SEDD von höchstem Interesse. "Wir werden die nächste Ausschreibung der Bioabfälle durch die Stadt mit höchster Aufmerksamkeit verfolgen", kündigte Strothteicher an. Zwar sei das Material nicht so ertragreich wie Speisereste, aber immer noch ein guter Energielieferant.

Eine vom Energiemarkt unabhängige SEDD sei gut für den Gebührenzahler, der sich auf stabile Preise einrichten könne. Und gut für die Umwelt - rund 12 000 Tonnen Kohlendioxyd würden schon jetzt im reinen Klärschlamm-Betrieb eingespart. "Das hilft der Stadt, ihre Klimaziele zu erreichen", so Strothteicher. Unter dem Titel "Energie 21" habe die SEDD ein komplexes Projekt zum Energiemanagement gestartet, für das Faultürme und Blockheizkraftwerk nur zwei Bausteine sind. Gemeinsam mit der Technischen Universität und dem Fraunhofer Institut werde auch an zahlreichen anderen Vorhaben gearbeitet. Die Innovationskraft der SEDD habe sich herumgesprochen, erklärte der Prokurist, das städtische Unternehmen kooperiere unter anderem mit Frankfurt/Oder und Abwasserentsorgern im Leipziger Raum.

Optisch auffällig sind die Faultürme auf jeden Fall. Die Idee, sie mit einer gedruckten Variante der Silhouette der Dresdner Altstadt zu bekleben, war laut Strothteicher nicht genehmigungsfähig. "Da würden die Kraftfahrer auf der Autobahn abgelenkt werden, hieß es." Angestrahlt werden die Türme in der Nacht trotzdem - aber nicht aus optischen Gründen. "Wir müssen das wegen der Sicherheit tun. Es soll Sprayer abschrecken." Einmal seien die Türme bereits beschmiert worden.

Die ausgediente Trocknungsanlage für den Klärschlamm hat die SEDD übrigens verkauft. Sie steht jetzt am anderen Ende der Welt in Peru. Klärschlamm wird in ihr laut Strothteicher nicht mehr getrocknet, sondern Fischmehl.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.09.2012

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