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Dresdens wohl dienstälteste Kindergärtnerin geht in Rente

Dresdens wohl dienstälteste Kindergärtnerin geht in Rente

Wenn sich jemand mit Kitas in Dresden und dem Wandel der Konzepte über die Jahrzehnte hinweg auskennt, dann ist es wohl Marita Jakubski: Über 40 Jahre lang hat sie in Krippen und Kindergärten gearbeitet und ist damit die wohl dienstälteste Kindergärtnerin Dresdens.

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Dresdens wohl dienstälteste Kindergärtnerin Marita Jakubski liest an einem ihrer letzten Tage in der Kita an der Hauptstraße 26 a den Kindern Aikaterina (5 Jahre), Gabriel (4) und Gabriel (5, v. l.) vor.

Quelle: Thomas Eisenhuth

Von Heiko Weckbrodt

Sie hat die Aufbaujahre der Ära Ulbricht mitgemacht, die Honecker-Zeit erlebt, in der ein dichtes Kindergartennetz eine Selbstverständlichkeit im Alltag berufstätiger Frauen wurde, aber auch die unsicheren Nachwendejahre mit sinkenden Kinderzahlen und die neuen pädagogischen Konzepte, die in den 1990er Jahren hierher schwappten. Dieser Tage ist die 65-Jährige in den Ruhestand gegangen. "Das war der schönste Beruf, den man sich vorstellen kann", sagt sie im Rückblick. "Wer einmal mit Kindern gearbeitet hat, will nie wieder etwas anderes machen."

Angefangen hatte sie als Krankenschwester in der Medak. Als ihr Sohn zur Welt kam, wollte sie nur einen Krippenplatz - und bekam keinen. Ähnlich wie heute gab es in der Aufbauzeit der 1960er Jahre noch zu wenig Plätze für die Kleinkinderbetreuung in Dresden. "Ja, wenn Sie allerdings in einer Krippe arbeiten würden, dann wär das was anderes...", gab man ihr zu verstehen - und so fand Marita Jakubski ihre Berufung. 1968 begann die Krankenschwester in einer Krippe an der Hermsdorfer Straße.

"Das war eine alte Villa", erinnert sie sich. "Wir hatten da 64 Kinder und es ging sehr familiär zu. Da hat man oft noch nachts daheim die Spiele für den nächsten Tag vorbereitet." In der Erwachsenenfortbildung holte Jakubski ihren Abschluss als "Kinderpflegerin" nach, der regulär eine Zweijahresausbildung an der medizinischen Fachschule gewesen wäre. "Man hat uns da alles mögliche über Kinderpsychologie, Pädagogik, Milchküche und Säuglingspflege beigebracht."

18 weinende Babys auf einmal

Die Betreuungsdichte war damals in der Krippe ähnlich wie heute, entsinnt sich Jakubski: Auf eine Erzieherin kamen im Schnitt sechs Kinder. "Manchmal war es schon hart", sagt sie. "Einmal haben wir zum 1. September 18 Säuglinge auf einen Schlag bekommen. Die Kleinen haben dauernd geweint: Wir kannten sie nicht, sie kannten uns nicht... Damals gab es ja noch keine Eingewöhungsphase wie heute, in der die Mütter eine Weile da bleiben."

Je länger die Kindergärtnerin darüber nachdenkt, umso mehr Unterschiede zwischen damals und heute fallen ihr wieder ein: Dass eben damals die Krippen neue Kinder nur im September aufnahmen, den fließenden Wechsel wie heute gab es nicht. Und die Stechuhren in vielen DDR-Betrieben führten zum Beispiel dazu, dass alles sehr zackig abgewickelt werden musste. "Die Mütter kamen, gaben ihre Kinder ab und eilten dann schon wieder zur Arbeit", berichtet Jakubski. "Bei den flexiblen Arbeitszeiten heute ist das ganz anders. Da nehmen sich die Mütter mehr Zeit, wenn sie die Kinder bringen oder holen, da kann man mehr miteinander reden."

1974 wechselte Jakubski in die "Reichsbahn-Krippe" an der Fröbelstraße und kurze Zeit später in den Kindergarten an der Hauptstraße 26a, dem sie bis zuletzt treu blieb. Hier erlebte sie auch die schwierige Nachwendezeit, in der viele Frauen angesichts der unsicheren Zukunft ihre Kinderwünsche aufschoben. Die Folge: Dresden hatte plötzlich viele Kitas, aber nur noch wenige Kinder. "Im September 1992 waren nur noch drei Kinder in der Gruppe - das war ein Tiefpunkt", erinnert sich Jakubski an jene Zeit, in der auch die Kindergärterinnen um neue Konzepte rangen.

Schließlich fanden Jakubski und ihre Kolleginnen zu einem "neuen Bild vom Kind". Zu einem Konzept, das den Mädchen und Jungen Offerten macht, die Entscheidung aber, was sie im Kindergarten ausprobieren wollen, letztlich den Kindern lässt. Auch dank des Babybooms ist die Kita hinter der Plattenbauzeile an der Hauptstraße inzwischen wieder gut gefüllt, 127 Mädchen und Jungen spielen und lernen hier. Wie es konzeptionell weiter geht, ist noch etwas ungewiss: Ab Mitte 2012 soll an der Hauptstraße ein Neubau entstehen, in dem auch die Kinder der Nachbarkita unterkommen sollen - worüber nicht alle Eltern begeistert sind, die die Ausrichtung "ihrem" Kindergarten liebgewonnen haben.

Erwartungen enorm gestiegen

Seit der Wende haben sich aber nicht nur die pädagogischen Konzepte im Hause gewandelt, auch die Erwartungshaltung der Eltern sei seitdem "enorm gestiegen", hat die Erzieherin bemerkt. "Heute wird immer gleich gefragt: ,Was hat mein Kind gemacht?' und vor allem: ,Was hat es heute gelernt?'" Dabei sei es gar nicht gut, Kinder im Vorschulalter solchem Leistungsdruck auszusetzen, ist Marita Jakubski überzeugt: "Jedes Kind hat seine eigene Entwicklung und sein eigenes Tempo. Gerade die Jungs holen oft erst in der Pubertät enorm auf", sagt sie. "Ich erinnere mich da an einen Jungen aus einer meiner Gruppen, der wollte ewig lange nicht laufen. Jahre später habe ich in als Elfjährigen wiedergetroffen - da war er der Beste in seiner Schulklasse."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.11.2011

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