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Dresdens vergessene Gefahr: Durch Modernisierungswelle neue Asbestfunde befürchtet

Dresdens vergessene Gefahr: Durch Modernisierungswelle neue Asbestfunde befürchtet

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt befürchtet, dass die "vergessene Gefahr" Asbest in Dresden schon bald wieder zu ernsten Erkrankungen bei Bauarbeitern führen wird.

Von christoph stephan

Schuld daran ist nach Angaben des Bezirksvorsitzenden Jörg Borowski die anstehende Modernisierungswelle. "Ein Großteil der Wohngebäude in Dresden stammt aus den 60er- und 70er-Jahren, in denen asbesthaltige Baustoffe massenhaft eingesetzt wurden", betont er. "Nach und nach sind hier Sanierungen notwendig, manchmal auch Abrisse. Und genau dort lauern dann tückische Gesundheitsgefahren."

Wenn zu DDR-Zeiten entsprechende Materialien verbaut worden seien, könne beim Sanieren von Fahrstuhlschächten und Nachtspeicherheizungen genauso wie beispielsweise beim Beseitigen von Abdeckplatten, Bodenbelägen und Dachisolierungen Asbest freigesetzt werden. "Das Einatmen von Asbeststaub führt als Spätfolge schlimmstenfalls zu Asbestose, Lungen- oder Kehlkopfkrebs", warnt Borowski. Im vergangenen Jahr ist seinen Worten zufolge die Zahl der durch Asbest hervorgerufenen Berufskrankheiten bundesweit angestiegen. Seit 1993 dürfen asbesthaltige Materialien in Deutschland weder hergestellt noch verbaut werden.

Bei der unter anderem auf Abbrucharbeiten spezialisierten Dresdner Firma "Nestler" hält man den Aufruf der Industriegewerkschaft für gerechtfertigt. "Das Gefahrenrisiko war und ist immer da", sagt Bauleiter Jörg Klemmt auf DNN-Anfrage. "Da die Asbestsanierung und Entsorgung immer mit erhöhten Kosten einher geht, besteht die Gefahr, dass private Bauherren eher dazu neigen, das Thema Asbest herunterzuspielen."

Im Schnitt erhalte "Nestler" einmal pro Monat einen Auftrag, bei dem es Asbest mit zu beseitigen gilt. "Das Wichtigste ist: Keine Fasern freisetzen, damit diese nicht in die Atemluft gelangen", erklärt Klemmt. "Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen sind das Tragen eines Schutzanzuges und einer Filtermaske. Zudem sollte man die Asbestplatten mit Bindemitteln benetzen und in speziellen staubdichten Aufbewahrungsbehältnissen, so genannten Big-Bags, transportieren."

Der Arbeitsschutz hat auch für Jörg Borowski höchste Priorität: "Sobald auf Baustellen der Verdacht von Asbestmaterial besteht, müssen die Arbeiten sofort eingestellt werden. Die Beseitigung ist dann Sache von Spezialfirmen." Zuletzt wurde Asbest in Dresden unter anderem im Zuge der Sanierung des Rathauses entdeckt. Teile des zu DDR-Zeiten errichteten Ostflügels wiesen Kontaminationen auf. Mit ähnlichen Funden ist bei der durch die "USD Immobilien GmbH" geplanten Sanierung der Hochhäuser an der Freiberger Straße zu rechnen. Denn die Gebäude stammen aus den 1960er Jahren und wurden kurz nach der Wende lediglich teilsaniert.

Bei der Wohnungsgenossenschaft "Glückauf" Süd Dresden ist man schon einen großen Schritt weiter, zur Zeit der frühen Sanierungen bis 1995 hatte die WGS aber die gleichen Probleme. "Damals waren die Fugenmassen in den Außenfugen des Bautyps WBS 70 zu einem geringen Teil asbesthaltig", erklärt Sprecherin Dana Jacob. "Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurde die Fugenmasse Morinol in allen Gebäudetypen dieser Art fachgerecht entsorgt."

Asbest besitzt eine große Festigkeit und gilt als hitze- und säurebeständig. Gleichzeitig verbleiben Asbestfasern zeitlebens in der Lunge, sie werden nicht wie normale Staubpartikel vom Körper abgebaut.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2012

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