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Dresdens Weinbauern fürchten um Rebflächen am Wachwitzer Weinberg

Dresdens Weinbauern fürchten um Rebflächen am Wachwitzer Weinberg

Im Wachwitzer Weinberg herrscht Verunsicherung. Zehn Hobbywinzer der dortigen Weinbaugemeinschaft haben zum 31. Dezember 2015 ihre Pachtverträge gekündigt bekommen.

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Hermann Gildemeister will gegen die Kündigung der Hobbywinzer auf dem Wachwitzer Weinberg vorgehen. Dazu gibt es Schriftwechsel mit der neuen Besitzerin und Juristen. Im Bild ist die leerstehende Kapelle zu sehen, die ebenfalls den Besitzer gewechselt hat.

Quelle: Lars Müller

Betroffen seien neun Parzellen mit einer Fläche von etwa einem Hektar, sagt Hermann Gildemeister, der Vorsitzende der Weinbaugemeinschaft Loschwitz/Wachwitz. Gegen die Kündigungen wehren sich die Weinbauern juristisch. Sie seien nicht gerechtfertigt, sagt Gildemeister. Man habe den Winzern in den vergangenen Jahren immer zugesagt, sie könnten bleiben. Doch das scheint inzwischen nicht mehr zu gelten.

Anfangs gehörte die Fläche dem Freistaat Sachsen, der sie später an die Vermögensberatung V.V.K. verkaufte, erklärte Gildemeister. Die Winzer seien davon nicht betroffen gewesen, die Pachtverträge wurden unverändert übernommen. Vergangenen Sommer aber wurde etwa ein Hektar - das Flurstück 135/5 mit der kleinen, leer stehenden Kapelle - vom Insolvenz-verwalter der zwischenzeitlich zahlungsunfähigen Finanzfirma veräußert. Beworben hatten sich nach Gildemeisters Angaben unter anderem die Weinbaugemeinschaft und die Winzergenossenschaft Meissen. Den Zuschlag schließlich habe die Dresdner Steuerberaterin Franka Pomplun erhalten, so Gildemeister - für eine Summe, die nach seinen Erkenntnissen auch die Winzergenossenschaften geboten habe. Die Weinbaugemeinschaft hätte nur 15 000 Euro aufbringen können, der Weinberg sei aber für ein Vielfaches verkauft worden.

Die neue Besitzerin wolle den von ihr erworbenen Berg mit - teils maroden - Trockenmauern selbst bewirtschaften, laut Auflage der Stadt müsse Weinbau auf der Landwirtschaftsfläche betrieben werden. Dazu habe die Besitzerin eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit einem ausgebildeten Winzer gegründet, der sich um den Weinbau kümmern soll, hat Gildemeister nach eigenen Angaben recherchiert. Der Mehrzahl der betroffenen Hobbywinzer sei mit einigen Ausnahmen hingegen gekündigt worden. Diese Kündigungen hat die Weinbaugemeinschaft mit Verweis auf Formfehler zunächst zurückgewiesen. Der von der Weinbaugemeinschaft beauftragte Rechtsanwalt Falk Gütter sagte, zum Zeitpunkt der Kündigung habe die neue Besitzerin noch nicht im Grundbuch gestanden. Zudem habe sie auch keine Vollmacht vorgelegt, nach der sie im Auftrag des vorherigen Besitzers kündige. Deshalb sei die Kündigung zum 31. Dezember 2015 unwirksam. Eine neue Kündigung, die dann zum Ende 2016 möglich wäre, liege noch nicht vor.

Die Steuerberaterin Franka Pomplun verweist auf DNN-Anfrage auf ein für den 25. März anberaumtes Gespräch mit den Hobbywinzern. Zuvor wolle sie in Absprache mit ihrem Anwalt keine Details zu ihrem Vorhaben öffentlich diskutieren, ihre Pläne aber danach vorstellen. Sie sei nach wie vor an einer gütlichen Einigung mit den Winzern interessiert, sagt sie - wenngleich bisheriger Schriftwechsel zwischen Gildemeister und Pomplun eher auf verhärtete Fronten zwischen den Streitparteien schließen lässt. Die Steuerberaterin stellt im Gespräch mit den DNN klar, dass sie die rechtmäßige Grundstücksbesitzerin ist und - unter Beachtung der städtischen Auflagen - entsprechend auch alle Rechte zur künftigen Nutzung besitzt. Bereits am 30. November 2013 hatten sich die neue Besitzerin des Weinbergs und die Winzer getroffen, knapp einen Monat später waren die Kündigungen zugestellt worden. Die Weinbaugemeinschaft wurde 1987 gegründet, die Hobbywinzer haben das seinerzeit zugewucherte, auch als Steinberg bekannte Areal wieder urbar und zu einem Weinberg gemacht. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden die Winzer durch Besitzansprüche der Wettiner aufgeschreckt und verunsichert, allerdings ohne Folgen für ihre Pachtverträge. Aktuell sind 35 Winzer in der Weinbaugemeinschaft auf Vereinsbasis organisiert.

Der gesamte Weinberg hat eine Fläche von etwa zwei Hektar, diese könnte sich durch den erfolgten Verkauf halbieren. Vereinschef Gildemeister sagt, dass dann möglicherweise ein Zaun mitten durch den Königlichen Weinberg zu Wachwitz verlaufen könnte. Der Jurist Gütter verweist unter dessen darauf, dass die Rebstöcke auf dem verkauften Grundstück in jedem Fall den Winzern gehörten, die sie gesetzt und in den vergangenen Jahren gepflegt hätten. Sie könnten nach seiner Rechtsauffassung nicht Bestandteil eines Kaufvertrags sein. Im Klartext: Fliegen die Hobbywinzer vom Berg, könnten sie der Besitzerin eine gerodete und beräumte Fläche übergeben. Im Falle eines Neuaufrebens bringen Weinstöcke erst nach drei Jahren wirtschaftlichen Ertrag. Ein Umsetzen der alten Rebstöcke wäre indes aber auch nicht praktikabel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2014

Lars Müller

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