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Dresdens Flutschutz bleibt eine Generationen-Aufgabe

Hochwasser-Vorsorge Dresdens Flutschutz bleibt eine Generationen-Aufgabe

In überschaubarer Zukunft wird sich die Stadt Dresden nicht vollständig gegen Flutkatastrophen wie im August 2002 wappnen können. Darauf hat Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen in einer Zwischenbilanz der kommunalen Flutvorsorge hingewiesen. „Der Hochwasserschutz ist eine Generationen-Aufgabe“, sagte sie.

Wenn die Elbe richtig verrückt spielt, schließt das Hochwasser Laubegast ganz ein. Hier ein Blick von Kleinzschachwitz auf das Laubegaster Ufer
 

Quelle: M. Doering

Dresden. In überschaubarer Zukunft wird sich die Stadt Dresden nicht vollständig gegen Flutkatastrophen wie im August 2002 wappnen können. Darauf hat Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnisgrüne) in einer Zwischenbilanz der kommunalen Flutvorsorge hingewiesen. „Der Hochwasserschutz ist eine Generationen-Aufgabe“, sagte sie. Und einige Stadtteile im Dresdner Osten werden wohl nie gegen solche Fluten absicherbar sein. Die DNN analysieren, wie weit Stadt, Land und Privateigentümer mit dem Hochwasserschutz in Dresden gekommen sind und wo noch ungelöste Probleme lauern.

Wieviel hat der Freistaat erledigt?

Über die Hälfte der seit 2002 geplanten Flutschutz-Projekte sind inzwischen realisiert, schätzt Abteilungsleiter Jens-Olaf Seifert vom Umweltamt Dresden. Als erstes hatte der Freistaat, der für die Elbe zuständig ist, die Innenstadt befestigt und mindestens gegen ein Hochwasser abgedichtet, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt („HQ 100“). Der engere Altstadtkern ist auch gegen schlimmere Elbefluten à la August 2002 abgesichert.

Die Damm- und Deichlinie an der Elbe im Dresdner Westen hat der Freistaat inzwischen schon weit vorangetrieben. Bis Ende 2016 sollen die letzten Lücken bis Cossebaude geschlossen sein.

Auch das Flussbett der Weißeritz – „der gefährlichste Fluss in Dresden“, so Hochwasser-Experte Jens-Olaf Seifert – sowie die Weißeritzbrücken im Stadtgebiet sind inzwischen größtenteils für den Katastrophenfall HQ 100 ausgebaut, teils auch schon für Hochwasser-Ereignisse, die etwa alle 200 Jahre eintreten (HQ 200).

Was hat die Stadt geschafft?

Auch an den rund 400 kleineren Bächen, Flüssen und Tümpeln („Gewässer 2. Ordnung“), für die nicht das Land, sondern die Stadt zuständig ist, hat sich in vielen Detail-Projekten einiges getan – hier sind über 50 Prozent der Projekte erledigt.

Wie weit sind die privaten Grundstückseigentümer?

Darüber gibt es keine vollständige Statistik. Aber größere Akteure wie die Stadtentwässerung haben investiert und zum Beispiel das neue unterirdische Hochwasser-Pumpwerk in Johannstadt gebaut: Das kommunale Unternehmen zog damit die Konsequenzen aus der Jahrtausend-Flut im August 2002, als sich das von unten drückende Grundwasser nach wenigen Tagen zu ähnlich starken Bedrohung entwickelte wie Elbe und Weißeritz.

Haben die Planer in den Behörden ihre Konzepte nach dem Hochwasser 2013 noch einmal überdacht?

Ja: Von den rund 200 Flutschutz-Projekten, die der Stadtrat mit dem Hochwasservorsorge-Plan 2010 beschlossen hatte, hat das Umweltamt nun ein Dutzend mangels Realisierbarkeit und Sinn wieder gestrichen. Dafür kamen aber 70 neue Projekte hinzu.

Welche Projekte haben die Planer gestrichen?

Zum Beispiel wollten sie die Äcker um das Flüsschen „Bartlake“ in Wilschdorf bepflanzen – in der Annahme, dass dann das Wasser besser absickert. 2013 zeigte sich, dass dort alles am besten läuft, wenn alles so bleibt wie es ist. Auch für den Hafen Dresden haben sich andere, hafen-eigene Lösungen ergeben.

Wo wird es keinen öffentlichen Flutschutz geben?

Für Meuslitz, Zschieren, Kleinzschachwitz und die Wohngebiete südlich der Pillnitzer Straße beispielsweise ist kein durchgängiger Hochwasserschutz auch nur in Sicht: Dort wären Wände, Dämme oder mobile Elemente nur mit extrem hohem Aufwand einziehbar oder gar nicht zu einer geschlossenen und doch stadtraumverträglichen Schutzlinie kombinierbar.

Was steht als nächstes an?

Weiter ausbauen will der Freistaat in Absprache mit der Stadt ab 2017 den schon teilbefestigten „Weißeritzknick“ in Löbtau. Dort soll vor allem die Kurve um den kommunalen Gewerbehof sanfter geführt und stärker befestigt werden, weil die Weißeritz dort im Flutfall mit voller Wucht aufprallen kann.

Der Flutschutz für den Dresdner Osten ist und bleibt derweil ein Streitpunkt, vor allem der zum Elbufer hin. Dagegen naht zumindest die rückwärtige Lösung (Projekt „M 30“) für Laubegast: 2002 wurde dieser Stadtteil eine Insel, weil die Elbe in ihr altes Flussbett einströmte. Die Stadt will die Wohnhäuser daher durch Wände und Wälle zum alten Elbarm hin abschirmen. Wenn alles gut geht, starten diese Bauarbeiten im Jahr 2018, schätzt Bürgermeisterin Jähnigen.

Auch am umstrittenen Elbufer an der Leipziger Straße zwischen Marienbrücke und dem „Watzke“ wird es nun wohl doch eine Hochwasser-Schutzlinie geben: Galt dies zunächst als unbezahlbar und kaum realisierbar, hätten neue Untersuchungen gezeigt, dass „ein Gebietsschutz technisch machbar“ sei, erklärte Abteilungsleiter Seifert. Wie der aussehen könnte, will er aber erst 2017 erzählen.

Von Heiko Weckbrodt

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