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Dresdens Einzelhandel vor glänzender Zukunft

Pegida und Rot-Grün-Rot könnten das ändern Dresdens Einzelhandel vor glänzender Zukunft

Der Immobiliendienstleister CBRE bescheinigt Dresden eine hohe Attraktivität für den Einzelhandel. Kunst- und Kulturstadt, viele Touristen, überdurchschnittliche Einkommen – das seien die interessanten Parameter. Nur Pegida könne die Bilanz verhageln. Worauf müssen sich die Dresdner einstellen?

In Dresden gibt es nach Schätzungen der Stadtverwaltung rund 900 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Im Bild die Altmarktgalerie.

Quelle: dpa

Dresden. Der weltweit größte Immobiliendienstleister CBRE bescheinigt Dresden eine hohe Attraktivität für den Einzelhandel. Kunst- und Kulturstadt, viele Touristen, überdurchschnittliche Einkommen, wachsende Stadt – das seien die interessanten Parameter für die Entscheider der Handelsketten, erklärte Andreas Malich, CBRE-Beauftragter für Ostdeutschland. 2016 wird ein gutes Jahr, ist er überzeugt. Nur Pegida könne die Bilanz verhageln. Worauf müssen sich die Dresdner einstellen?

Welche neuen Trends gibt es im Handel?

Große Ketten streben wieder ins Zentrum und geben sich nicht mit Randlagen zufrieden. Es kommen immer mehr internationale Handelsketten nach Dresden. Die Konzentration auf wenige Anbieter – in Dresden sind exakt drei Drogeriemarkt-Ketten vertreten – nimmt weiter zu. Im Modebereich öffnen immer mehr Hersteller eigene Läden – sie verdienen so mehr, als wenn sie ihre Produkte in Kaufhäusern vermarkten. Die Systemgastronomie ist auf dem Vormarsch. Der Onlineversandhandel generiert bereits 12,8 Prozent des Einzelhandelsumsatzes.

Was macht Dresden interessant?

Die sogenannten „weichen Faktoren“ stimmen: Durchschnittlich hatte jeder Dresdner im vergangenen 6113,33 Euro für Einkäufe zur Verfügung, 2014 lag der Wert noch bei 5997 Euro. „Das Einkommen steigt“, erklärt CBRE-Managerin Claudia Spiegel, „das macht Dresden interessant.“ Problem: Wenn die Mieten weiter so rasant steigen, sinkt das verfügbare Einkommen. Das sei aber im Moment noch nicht abzusehen.

Wer interessiert sich für Dresden?

In der CBRE-Datenbank sind laut Malich mehr als 1000 Anbieter über alle Branchen hinweg erfasst, die sich eine Filiale in Dresden vorstellen könnten. Dahinter stehen aber nicht nur konkrete Pläne, sondern auch reine Absichtserklärungen.

Wie entwickelt sich das Angebot?

In Dresden gibt es nach Schätzungen der Stadtverwaltung rund 900 000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche. Laut Spiegel kommen in den nächsten drei bis fünf Jahren rund 8800 Quadratmeter in bester Innenstadtlage hinzu: In den Neubauten am Wiener Platz, an der Wallstraße, am Postplatz und am Neumarkt. Am Postplatz sollen im gleichen Zeitraum über 1000 Wohnungen gebaut werden. Das mache den Standort für Nahversorger interessant. „Da entsteht ein spannendes neues Viertel“, so die Managerin.

Wie ist die Struktur der Innenstadt?

Laut Malich wie ein gut funktionierendes Einkaufszentrum: Mit Hauptbahnhof und Neumarkt gebe es zwei Anker, dazu würden die Centrum Galerie und die Altmarkt-Galerie als weitere Anker kommen. „Die Laufwege stimmen.“ Die Sortimente auch: So hätten Centrum Galerie und Altmarkt-Galerie völlig verschiedene Konzepte, die beide aufgehen würden. Das Einkaufszentrum an der Prager Straße stehe für junge Marken und habe mit Primark den Frequenzbringer schlechthin, die Passage am Altmarkt verkörpere das Segment „Nivau“. Der Neumarkt vertrete Anbieter aus dem Premiumsegment. Luxusmarken wie Gucci oder Louis Vuitton würden nicht nach Dresden kommen.

Welche Mieten werden gezahlt?

Zwischen 20 Euro pro Quadratmeter in der Äußeren Neustadt und als Spitzenwert 110 Euro auf der Prager Straße. Geschäfte am Neumarkt sind bei der CBRE mit bis zu 100 Euro notiert.

Wie sieht es in den Stadtteilen aus?

Elbepark und Kaufpark Nickern funktionieren als etablierte Center und ziehen auch Kunden aus dem Umland sowie aus Polen und Tschechien an, so Malich. Das Seidnitz-Center habe sich stabilisiert, das Otto-Dix-Center dagegen befinde sich in schwerem Fahrwasser.Eine gute Entwicklung attestierte Spiegel Blasewitz und der Äußeren Neustadt.

Welche Wermutstropfen gibt es?

Er habe mit elf Unternehmen telefoniert, die kürzlich ein Engagement in Dresden abgesagt hätten, erklärte Malich. „Drei haben gesagt, sie streichen Dresden wegen Pegida.“ So sei eine Kette mit einer Geschäftsführerin aus Frankreich dabeigewesen. „Die haben klipp und klar gesagt: Wir gehen nicht da hin, wo Pegida ist.“ Das sei ein Stimmungsbild, so der Manager. „Es erschreckt mich.“ Die Streichung der Einkaufssonntage durch die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit führe nicht dazu, dass Ketten Dresden von der Liste streichen. „Aber die Entscheider schauen mich fassungslos an, wenn sie das erfahren. Die Politik schadet hier ganz massiv Dresden, indem sie die Stadt abschließt.“

Thomas Baumann-Hartwig

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