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„Dresdens Berufsschulzentren können nicht warten“

DNN-Gespräch mit Bernd Petschke, Leiter des größten Dresdner BSZ „Dresdens Berufsschulzentren können nicht warten“

Seit drei Jahren leitet Bernd Petschke das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Elektrotechnik am Strehlener Platz. Mit 2200 Schülern ist es das größte der zehn BSZ in Dresden. Im DNN-Gespräch berichtet er über die Schere, die zwischen den misslichen räumlichen Bedingungen an der Schule und dem Anspruch der Lehrlinge und Unternehmen an die Ausbildung klafft.

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Bernd Petschke.
 

Quelle: Carola Fritzsche

Dresden.  Seit drei Jahren leitet Bernd Petschke das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Elektrotechnik am Strehlener Platz. Mit 2200 Schülern ist es das größte der zehn BSZ in Dresden. Im DNN-Gespräch berichtet er über die Schere, die zwischen den misslichen räumlichen Bedingungen an der Schule und dem Anspruch der Lehrlinge und Unternehmen an die Ausbildung klafft. Außerdem spricht er über ein Projekt, das Flüchtlingen helfen soll, schneller eine Lehrstelle zu finden.

Sind Sie zufrieden mit den Bedingungen, unter denen die Schüler lernen?

Was das 1953 bis ’55 erbaute und 1996 sanierte Haupthaus betrifft, ja. Es erfüllt im Großen und Ganzen die Anforderungen, die an modernen Unterricht gestellt werden. Allerdings haben wir so viele Schüler, dass die Räume kaum noch ausreichen. Und klar haben auch wir ein paar Wünsche. Wir könnten uns als BSZ für Elektrotechnik im Zeitalter von „Industrie 4.0“ zum Beispiel vorstellen, dass die Schüler Internetzugang bekommen. Da sind wir im Moment nicht auf der Höhe der Zeit.

Was ist mit den anderen Gebäuden?

Unser Schulgelände besteht aus einem schönen Park, auf dem ein weiteres Lehrgebäude aus dem Jahr 1959 und zwei Hallen, Baujahr 1960, stehen. Alle drei Gebäude sind für die damalige Ingenieurschule für Verkehrstechnik, unsere Vorgängerin, errichtet worden. Das Lehrgebäude besteht aus vielen kleinen Unterrichtsräumen, die damals kleine Gruppen von Studenten genutzt haben. Da sitzen heute vorwiegend unsere Fachschüler drin. Die kleinen Zimmer sind für die großen Klassen vollkommen ungeeignet. Noch schlimmer ist die Situation in den beiden Hallen. Sie sind nahezu unsaniert und nicht nur schwer zu beheizen, sondern überhaupt schwer zu nutzen.

Was steht denn in den beiden Hallen?

Dort stehen Dinge drin, die wir nicht mehr zwingend brauchen – alte Versuchsaufbauten aus den Bereichen der Bautechnik, der Kfz-Technik, der Elektro- und der Maschinentechnik, die noch aus DDR-Zeiten stammen. Zum Beispiel eine alte Hochspannungsanlage aus den 1950er Jahren, die eher musealen Charakter hat und Platz wegnimmt. Sie müsste entsorgt und durch moderne Technik ersetzt werden. Auf der anderen Seite fehlen uns Laborräume, so dass wir permanent improvisieren müssen.

Was müsste mit den beiden Hallen passieren?

Es wäre zu überlegen, sie abzureißen. Mein Traum ist, unter dem Motto „Campus 2020“ auf dem Schulgelände neue Werkstatträume, eine Aula und eine neue Sporthalle zu bauen. Wir haben nämlich keine eigene Halle, wenn man mal von dem viel zu kleinen Turnsaal im Obergeschoss des Haupthauses absieht, der für Ballspielarten ungeeignet ist. Von da oben bietet sich zwar ein toller Blick über die Stadt. Dort Sport machen zu müssen, ist aber eine Zumutung für Lehrer und Schüler. Im Winter ist es deutlich zu kalt und im Sommer zu heiß.

Wo treiben die 2200 Schüler denn jetzt Sport?

Sie verteilen sich auf mehrere Hallen in der Stadt. Sie nutzen eine kleine Halle an der Schubertstraße, außerdem die Sporthalle der 70. Grundschule an der Südhöhe und den Turnsaal.

Stoßen Ihre Pläne auf offene Ohren in der Stadt?

Seit drei Jahren versuche ich, unsere Pläne dem Schulverwaltungsamt nahezubringen. Wir sind im Augenblick dabei, eine Raumkonzeption zu erarbeiten, die wir noch in diesem Jahr dem Schulverwaltungsamt übergeben wollen. Dort drin steht, welche Räume wir in fünf Jahren benötigen. Natürlich haben Gymnasien, Grundschulen und Kitas einen Bedarf. Aber ich will einfach, dass wir etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, dass wir nicht vergessen werden. Wir können nicht warten, denn die Technik entwickelt sich so rasant weiter, dass wir mit den Räumlichkeiten und der Technik, die wir im Moment haben, im Jahr 2020 sehr wahrscheinlich nicht mehr bestehen können. Die Betriebe, die ihre Lehrlinge zu uns schicken, erwarten von uns, dass wir die Schüler mit Grundwissen ausstatten, dass sie jede Anlage, ganz gleich von welcher Firma, bedienen können.

Welcher Beruf wird am meisten nachgefragt?

Der Mechatroniker. Damit verbinden sich ja gleich zwei Berufe – der Elektrotechniker und der Mechaniker. Das war anfangs etwas, was sich keiner vorstellen konnte. Die Kombination hat sich in der Wirtschaft sehr gut etabliert, glaube ich. Die Firmen sind daran interessiert, junge Leute zu bekommen, die ein Grundverständnis für beide Berufe haben.

Wieviele Flüchtlinge lernen bei Ihnen im Moment Deutsch?

19 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, aus Somalia und aus dem Iran – mehr Jungs als Mädchen. Sie sind alle sehr wissbegierig und wollen lernen. Sie sitzen in zwei Klassen und haben 26 Stunden Deutsch pro Woche. Unterrichtet werden sie von vier Pädagogen. Sie lernen aber nicht nur unsere Sprache, sondern machen bei einem Projekt mit, das es bei uns und auch am BSZ für Technik gibt. Konkret geht es um Folgendes: Die fünf kommunalen Unternehmen der Stadt, darunter die Stadtentwässerung, machen den jungen Flüchtlingen Angebote für Praktika. Sie bekommen dort also die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Neigungen mal auszuprobieren.

Es gibt Befürchtungen, dass Flüchtlinge einheimischen Jugendlichen die Lehrstelle wegnehmen könnten. Teilen Sie diese Ängste?

Es geht nicht darum, jemanden zu bevorteilen. Wenn die Flüchtlinge einen Ausbildungsberuf gefunden haben, der zu ihnen passt, müssen sie sich mit den entsprechenden Noten und vor allem Deutschkenntnissen gleichberechtigt mit den deutschen Jugendlichen bewerben. Den kleinen Vorsprung, dass sie dann von der Firma schon mal was gesehen haben, wollen wir ihnen schon gewähren. Denn sie sind ja in gewisser Weise benachteiligt, weil sie in das System Bundesrepublik Deutschland frisch hineingekommen sind und die Spielregeln erst einmal kennenlernen müssen.

Von Katrin Richter

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