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Dresdens Babys im Terminstress - Förderung steht hoch im Kurs

Dresdens Babys im Terminstress - Förderung steht hoch im Kurs

Zeigt her eure Füße ..." tönt ein Kinderlied mit erstaunlich vielen Bässen aus dem Therapiebecken in der Friedrichstadt. Dort stehen Mütter - aber auch Väter - im Kreis im warmen Wasser und halten ihre Kinder in die Mitte.

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Der kleine Marek ist neun Monate alt und liebt Wasser über alles. Papa Christoph Straube planscht mit ihm beim Babyschwimmen. Das Schöne: Die Kursgebühren muss die Familie nicht allein zahlen, sondern es gibt von der Krankenkasse einen Zuschuss.

Quelle: Madeleine Arndt

Von Madeleine Arndt

Der Babyschwimmkurs hat begonnen. Einige der Säuglinge quietschen und planschen vergnügt, andere gucken still mit großen Augen, weinen, wenn die Eltern sie ins Wasser tauchen.

Pekip, Delfi, Krabbelgruppe, Babyschwimmen, -turnen, -massage oder sogar Baby-Yoga - es gibt nichts, was es nicht gibt und junge Eltern werden heutzutage mit unzähligen Angeboten überschüttet, die die Entwicklung ihrer Kleinen voranbringen sollen. Hier werde Koordination und Motorik gefördert, da das zentrale Nervensystem aktiviert. Um nicht als Rabeneltern dazustehen und seinem Kind einen guten Start ins Leben zu vermasseln - schließlich soll es mal Abi machen -, steht Frühförderung in Dresden hoch im Kurs. Nicht selten gibt es Wartelisten, etwa für einen Platz bei den äußerst gefragten Krabbelstunden des Prager Eltern-Kind-Programms (Pekip).

Sieben Pekip-Kurse bietet allein das "Kaleb"-Zentrum in der Dresdner Neustadt an. "Die Kurse sind immer gut besucht", sagt Marion Scheel vom "Kaleb". Ab der achten, manchmal schon ab der vierten Lebenswoche bis zum ersten Lebensjahr laufen die Pekip-Kurse. Die Eltern machen mit den Säuglingen unter anderem Bewegungsübungen, wobei die Kleinen komplett nackt ausgezogen sind. Laut Anbieter fördert dies Babys Vertrauen und Motorik und überhaupt dessen gesamte Entwicklung optimal. Pekip gilt damit fast schon als Muss. Die Kurse werden von vielen Hebammenpraxen, Familienzentren und Vereinen angeboten und die Nachfrage ist riesig. Anmelden sollte man sich am besten gleich nach der Geburt, sagt Scheel. Um sicher zu gehen, hätten manche Mütter auch schon während der Schwangerschaft einen Platz reserviert.

Viele Förderangebote werden von den Krankenkassen unterstützt und zum Teil komplett bezahlt, was ein Anreiz für die Eltern ist, diese wahrzunehmen. So auch das Babyschwimmen: "Es hat sich exponentiell entwickelt", beschreibt Steffen Reichelt von der Babyschwimm-Agentur, der 2009 mit zwei Veranstaltungen begonnen hatte. "Jetzt sind es 20 Kurse in der Woche, mit 200 Müttern und Vätern." Reichelts November-Kurse sind fast ausgebucht und die Anmeldungen reichen bis in den Februar.

Babykurse geben den Eltern die Möglichkeit, aus dem Windelalltag herauszukommen und sich miteinander auszutauschen. Wer beruflich gewöhnt ist, seinen Kalender mit Terminen vollzustopfen, nimmt sich jedoch häufig in der Elternzeit viel zu viel vor. "Viele versuchen, die Angebote der Krankenkassen abzugreifen, was ein ganz schöner Stressfaktor für Mutti und Kind wird", berichtet Reichelt. Am gleichen Tag Babyschwimmen und dann noch Pekip zu machen, ist seiner Meinung Blödsinn, aber auch so was gebe es.

Keine Punkte bringt es, aus Pflichtgefühl Kurse abzuhaken oder von einem zum nächsten zu jagen. Viel wichtiger sei es, auf die eigenen Signale und die des Baby zu achten, betont Grit Müller, Kinderärztin und Neonatologin im Krankenhaus Neustadt. "Wenn das Kind an einem Kurs keinen Spaß hat, laut schreit oder abschaltet und sich wegdreht, sollte man abbrechen." Eine Mutter brauche kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nichts besucht. "Ein Kind entwickelt sich auch ohne die Angebote. Wichtig ist, sich Zeit für das Baby zu nehmen", sagt Müller. Letztlich lasse sich ein Kind nur so weit fördern, wie es das selbst will - und es brauche auch mal Ruhe.

Krabbelgruppe: Kinder- und Jugendzentren, Bürgerhäuser, Kirchengemeinden und medizinische Einrichtungen bieten Krabbelgruppen an, zum Teil mit konzeptionellen Schwerpunkten (Bewegung, Singen). Sie dienen auch der Förderung sozialer Kontakte von Kindern und Eltern untereinander und geben Eltern Anregungen für ihren Umgang mit den Kindern.

(Familienzentrum "Tapetenwechsel", Rathener Str. 115; Tel.: 0351/2017934)

Pekip: Das Prager Eltern-Kind-Programm (Pekip) entstand in den 80er Jahren und ist ein Konzept für die Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr. Frühförderung der Babys und der Erfahrungsaustausch der Eltern stehen im Mittelpunkt. Typischerweise sind die Babys bei Pekip-Treffen völlig nackt.

(Kaleb-Zentrum, Bautzner Str. 52, Tel.: 0351/8014432)

Babyschwimmen: Wassergymnastik mit Kleinkindern zwischen dem vierten und dem 18. Lebensmonat. Babyschwimmen entstand in den 70er Jahren. Es soll die Muskeln stimulieren und die Koordination von Bewegungsmustern früher aktivieren. Säuglinge besitzen einen Atemschutzreflex und können in den ersten Lebensmonaten auch tauchen.

(Babyschwimmagentur, 0351/ 2748511, www.schwimmenindresden.de)

Delfi: Ein Konzept der evangelischen Familienbildung, bei dem die Eltern lernen, die wachsenden Fähigkeiten ihres Kindes auf spielerische Weise zu unterstützen. Die Bindung zwischen Eltern und Kind wird gestärkt. Im Austausch lernen sich die Eltern kennen und knüpfen soziale Netze.

(Yogazentrum Jana Irrgang, Westendstraße 3, Tel: 0171 / 6 43 27 65)

Babymassage: Die Babymassage stammt aus Indien und trägt laut ihrer Anhängerschaft zur Entspannung und zur Entwicklung des Empfindungsvermögens bei. Die Babymassage helfe aber auch gegen Blähungen. Zielgruppe sind vor allem Säuglinge im Alter zwischen vier und sechs Wochen und sechs Monaten.

(Hebammenpraxis Plauen, Dresden, Kaitzer Str. 109, Tel.: 0172/3527637)

(Auswahl)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.11.2012

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