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Dresden wird grüner - aber nicht überall

Dresden wird grüner - aber nicht überall

Laut kommunaler Statistik hatte Dresden Ende 2012 genau 51267 Straßenbäume - im Jahr 2002 waren es 43993 und 1992 sogar nur 32097. Damit ist allerdings der Stand der 1930er Jahre, als die Stadt rund 60000 Straßenbäume hatte, noch nicht wieder erreicht.

Hinzuzurechnen sind noch rund 50000 Bäume in städtischen Parkanlagen - dies ist indes bisher nur eine grobe Schätzung, da die Parkbäume für ein neues Kataster derzeit erst gezählt werden. Der Baumbestand auf Privatgrundstücken wie etwa in Gärten vor Eigenheimen wird gar nicht erfasst.

Nur noch 330 statt1000 neue Bäume pro Jahr

Sichtbar ist aber auch: Straßenbäume werden mittlerweile nicht mehr so schnell nachgepflanzt wie noch in den 1990er Jahren. Denn damals zahlte die Drewag fleißig etwa eine halbe Million Mark pro Jahr in den Etat ein, um alte Gasschäden am Baumbestand und Fällaktionen wegen neuer Leitungen zu kompensieren. Dadurch konnten damals jährlich über 1000 Straßenbäume gepflanzt werden. Doch in diesem und im kommenden Jahr stehen dem Amt für Stadtgrün nur noch je eine halbe Million Euro Baumpflanzgelder zur Verfügung. Bei durchschnittlich 1500 Euro pro Pflanzung sinkt das Tempo damit auf etwa 330 neue Straßenbäume pro Jahr.

Doch Statistik ist das eine, die empfundene Umweltqualität in der Innenstadt das andere. Schlendert man beispielsweise über Dresdens zentrale Einkaufsmeile, die Prager Straße, ist der Eindruck einer "Entgrünung" nachvollziehbar: Zu Gunsten des Einzelhandels hat sich dort die Bebauung im Vergleich zur Vorwendezeit stark verdichtet. Springbrunnen wie die "Pusteblumen" und Sitzgelegenheiten wurden teils an den Stadtrand nach Prohlis verlagert. Wo früher ein Rasenpark hinter dem Rundkino zum Spazieren einlud, befinden sich nun Neubauten und Parkplätze. Und die noch jungen Trompetenbäume vor der Centrum-Galerie - wo einst rund 20 ausgewachsene Bäume standen - sind noch so kläglich, dass sie das Straßenbild kaum beeinflussen. Dem stehen allerdings an andere Stelle - wie etwa entlang der Weißeritz - aufwendige neue Grünzüge gegenüber.

"Allzu oft werden als Ausgleich für Fällungen Ausgleichspflanzungen an der Peripherie, zum Beispiel in Schönfeld-Weißig angeordnet", kritisiert Elke Zimmermann, Umweltexpertin in der Grünenfraktion im Stadtrat. "Dieses Grün geht der Innenstadt dann verloren." Ein Beispiel dafür sei das Areal zwischen Zwinger und Schauspielhaus, vor allem der Herzogin Garten: "Dort wurden und werden Stadthäuser gebaut, aber dafür mussten viele Bäume gefällt werden." Große Verluste habe es aber auch wegen großen Straßenbauprojekten wie an der "Leipziger" und der "Tharandter" oder jüngst erst an der Borsbergstraße gegeben. "Da ist im dreistelligen Bereich gefällt worden."

Diese Bäume müssen laut Gesetz zwar durch neue ersetzt werden. Bis die aber zur alten Größe gewachsen sind, dauert es Jahre, teils Jahrzehnte. Vor allem durch die großen Fäll- und Anpflanzaktionen in den 1990ern ist der Anteil der Junggewächse unter 15 Jahren am gesamten Baumbestand seit 1992 von acht auf nun 39 Prozent gewachsen. "Schauen Sie sich aber mal die vor ein paar Jahren gepflanzten Bäume an der Washingtonstraße an", meint Zimmermann. "Da stehen jetzt zahlreiche Stümpfe, weil die Jungbäume die Abgasbelastung nicht vertragen haben." Sie mahnt deshalb "mehr Sensibilität" der Bauplaner im Umgang mit Altbäumen an.

Zu wenig Platzfür junge Bäume

Ein weiteres Problem: "Müssen Bäume bei Bauvorhaben gefällt werden, können diese oftmals nicht an den alten Standorten nachgepflanzt werden", räumt das Stadtgrün-Amt ein. "Sorgen machen uns zum Beispiel die vielen Leitungen, die heutzutage verlegt werden: Fernsehkabel, Internetleitungen und so weiter", berichtet Steffen Löbel, in der Behörde zuständig für die Straßenbäume. Das Stadtgrün-Amt dringe deshalb darauf, dass bei solchen Vorhaben Flure für Baumpflanzungen frei bleiben - nicht immer erfolgreich.

Hinzu kommt der Trend "zurück in die Stadt": Nachdem es in den 1990er Jahren viele Häuslebauer in die Speckgürtel rund um die Stadt zog, werden jetzt zunehmend wieder Häuser in der Stadt gebaut. Diese Siedlungsverdichtung, wie es Klima-Forscher Dr. Valeri Goldberg von der TU Dresden nennt, gilt unter Stadtentwicklern als prinzipiell positiv. Aber sie führt auch dazu, dass viele Ersatzbäume nicht in der Innenstadt, sondern in den eingemeindeten Ortschaften am Stadtrand oder in der Heide gepflanzt werden.

Ob sich freilich unter dem in Summe wachsenden Baumbestand in Dresden eine Verdrängung von urbanem Grün an den Stadtrand verbirgt, ist statistisch nicht sicher überprüfbar: Die Stadt zählt zwar ihre Straßenbäume regelmäßig, wertet dies aber nicht stadtteilweise aus. Sowohl Löbel vom Stadtgrün-Amt wie auch Klimaforscher Professor Wolfgang Wende vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) bezweifeln solche Verdrängungseffekte, während Grünen-Politikerin Zimmermann bei eigenen Auswertungen sehr wohl solch ein "Abwandern von Stadtgrün" an den Rand von Dresden festgestellt hat. Zudem schätzt auch Löbel, dass durch die in den vergangenen Jahren gelockerten Baumfäll-Bestimmungen zumindest der private Baumbestand im Zentrum ausdünnt.

Wie wichtig indes Bäume, Sträucher und Wiesen für das Mikroklima in einer Stadt sind, haben TU-Meteorologen in einer Fallstudie nachweisen können: Im Rahmen des REGKLAM-Projektes ("Regionales Klimaanpassungsprogramm Modellregion Dresden") simulierten sie, welche Auswirkungen die Begrünung oder alternativ die Bebauung der Bramsch-Industriebrache zwischen Elbe und Krankenhaus Friedrichstadt hätte. Ergebnis: Sollte der Klimawandel künftig zu heißeren Sommern führen, könnte ein Stadtpark in diesem Areal die Tagestemperaturen im Schnitt um bis zu zwei Grad absenken, eine Bebauung hingegen um bis zu 1,5 Grad erhöhen. Inzwischen hat auf der Bramschbrache übrigens der Hausbau begonnen-

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.04.2013

Weckbrodt, Heiko

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