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Dresden will sich für den Ernstfall rüsten

Bildet Dresden künftig auch Notfallsanitäter aus? Dresden will sich für den Ernstfall rüsten

„Dresden muss für einen Massenanfall von Verletzten gerüstet sein“, sagt Andreas Rümpel, Chef des Brand- und Katastrophenschutzamtes. Er sieht die Stadt Dresden deshalb in der Pflicht, ab 2017 eine Berufsausbildung zum Notfallsanitäter anzubieten.

Fährt die Dresdner Feuerwehr weiter Rettungsdiensteinsätze?

Quelle: dpa

Dresden. Die Stadt Dresden hat in den vergangenen Jahren viel Geld in Gebäude und Ausstattung für Feuerwehr und Rettungsdienst gesteckt. Das war auch bitter nötig. Wenn man sich die Freiwilligen Wehren ansieht, ist da noch immer einiges zu tun. Schließlich sind die Ehrenamtler unverzichtbarer Bestandteil des Brand- und Katastrophenschutzes der Stadt.

Nun will der Leitende Stadtdirektor Andreas Rümpel, Chef des Brand- und Katastrophenschutzamtes, noch mehr Geld. Denn seiner Ansicht nach muss die Stadt Dresden neben Verwaltungsfachangestellten, Maßschneidern, Gärtnern, Vermessungstechnikern, Kfz-Mechatronikern und anderen Berufen künftig unbedingt auch Notfallsanitäter ausbilden. Das soll die Feuerwehr übernehmen. Und zwar schon ab 2017.

„Sonst haben wir in den nächsten Jahren ein richtiges Problem“, so Dresdens oberster Feuerwehrmann. Denn aufgrund eines neuen Gesetzes dürfen ab 2024 Rettungswagen nur dann bewegt werden, wenn ein Notfallsanitäter mit von der Partie ist. Die zweijährige Weiterbildung zum Rettungsassistenten reicht dann nicht mehr. Diese ist wegfallen und durch die höherwertige Berufsausbildung zum Notfallsanitäter ersetzt wurden. Dieser darf - im Gegensatz zum Rettungsassistenten - auch bestimmte ärztliche Handlungen vornehmen.

„Wenn wir jetzt keine Notfallsanitäter ausbilden, müssen wir uns als Feuerwehr komplett vom Rettungsdienst verabschieden“, erklärt Rümpel die Folgen. Von den täglich im Schnitt 400 erforderlichen Rettungseinsätzen in der flächenmäßig viertgrößten Stadt Deutschlands übernimmt die Dresdner Feuerwehr mit einem Notarzteinsatzfahrzeug, fünf Rettungswagen sowie zwei bei Bedarf abrufbaren Spezialfahrzeugen gegenwärtig 18 Prozent.

„Zudem müssten wir auch die zehn Rettungsfahrzeuge, die wir als Reserve für einen Massenanfall von Verletzten vorhalten, verkaufen, weil wir sie nicht besetzen können. Jetzt haben 140 Kameraden der Feuerwehr eine Ausbildung als Rettungsassistent, können dadurch flexibel eingesetzt werden. Bilden wir keine künftig keine Notfallsanitäter aus, ist mit der Flexibilität Schluss.“

Im Ergebnis dessen wäre die Dresdner Feuerwehr künftig nicht mehr in der Lage, Großveranstaltungen abzusichern, bei Bombenfunden Evakuierungen durchzuführen, wo oft bettlägerige Menschen transportiert werden müssen, erklärt Rümpel. „Und was ist mit Rettungseinsätzen bei Unfällen mit radioaktiven Materialien und Chemikalien, wo sich die Retter selbst schützen müssen? Dafür haben die Einsatzkräfte der anderen Rettungsdienste keine Qualifikation. Bei schweren Unfällen, Katastrophen oder im Fall eines Anschlages, wo es viele verletzte Menschen gibt, sind wir jetzt in der Lage, in kürzester Zeit vor Ort einen Behandlungsplatz aufzubauen. Da rechnet man auf 50 Verletzte 170 Einsatzkräfte. Wenn wir keine Notfallsanitäter ausbilden, weiß ich nicht, wie das künftig laufen soll“, so der Amtsleiter.

Und warum bedient sich dann die Stadt nicht einfach auf dem freien Markt? Es gibt doch mit DRK, ASB, Maltesern, Johannitern, GARD usw. jede Menge Anbieter? „Zum einen gibt es noch nicht so viele Notfallsanitäter auf dem Markt. Die anderen Leistungserbringer haben im September 2014 mit der Ausbildung begonnen. Die ersten werden also 2017 fertig“, argumentiert Andreas Rümpel. „Zum anderen hält der professionelle Rettungsdienst auf dem freien Markt nur so viel Personal und auch Technik vor, wie er für die Bewältigung des Alltagsgeschäftes braucht und wie durch die Krankenkassen refinanziert wird. Die Rettungsdienstler müssten also bei einem großen Unfall wie im Sommer 2014 auf der A4 mit dem polnischen Reisebus alle ihre Einsatzkräfte, die gerade frei haben, mobilisieren. Das dauert. Aber bei solchen Unglücken hat man keine Zeit, sonst sterben Menschen.“

„Es ist eine politische Entscheidung, ob und wie die Stadt künftig Verantwortung im Rettungsdienst übernimmt“, so Dresdens oberster Feuerwehrmann. Treffen muss sie der Stadtrat. Eine Beschlussvorlage dazu geht in der kommenden Woche in die Ausschüsse zur Diskussion.

Von Catrin Steinbach

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