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Dresden wartet auf russische Bescherung - Händler umwerben konsumfreudige Russen

Dresden wartet auf russische Bescherung - Händler umwerben konsumfreudige Russen

Thorsten Kemp ist Centermanager der Dresdner Altmarktgalerie und hat dieser Tage alle Hände voll zu tun. Weil er die vielen Medien nicht mehr allein koordinieren konnte, hat er sich sogar eine Agentur gebucht.

Von Katrin Tominski

Der Andrang ist groß: Fernsehsender aus der ganzen Republik, darunter ZDF, MDR, RTL und Pro7 wollen dabei sein, wenn die russischen Kunden ihre Weihnachtseinkäufe in Dresden starten. Denn sie sind zahlungskräftig und suchen nicht nur nach Schnäppchen.

Etwa 3000 russische Kunden erwartet Kemp in dieser Woche. Sie kommen mit über 20 Maschinen aus Moskau-Scheremetjewo, Moskau-Vnukovo und St. Petersburg. Neben den Linienflügen, die drei Mal wöchentlich angeboten werden, starten und landen Charterflieger und Privatflugzeuge. "Hauptgrund ist das russische Weihnachtsfest", bestätigte ein Flughafensprecher. Vorher planen viele einen Einkaufsbummel in der sächsischen Landeshauptstadt. Bei einigen Flugzeugen, die Dresden ansteuern, handelt es sich um Ausweichflüge. Weil russische Airlines nur eingeschränkte Flugrechte in Tschechien haben, landen sie in Dresden und bugsieren ihre Passagiere per Bus weiter nach Nordböhmen in Tschechien.

Thorsten Kemp will sich dieses Geschäft nicht entgehen lassen. Russische Kunden gelten als konsumfreudig und einkommensstark. Deswegen postiert er seine eigens engagierten Hostessen bereits am Flughafen. Dort begrüßen sie die russischen Gäste in ihrer Landessprache, verteilen Flyer und kleine Geschenke. Über 51 Prozent mehr Umsätze, insgesamt 3,2 Millionen Euro, hat der internationale Transaktionsdienstleister Global Blue für Dresden prognostiziert. Bei diesem Dienstleiter rechnen die Russen die in Deutschland bezahlte Mehrwertsteuer ab. So bekommen sie die Produkte noch günstiger. "Die russischen Kunden kommen wegen des Wettbewerbsvorteils", weiß Centermanager Kemp. "Sie sind vor allem an Markenprodukten interessiert." Diese fänden sie in Dresden bis zu 20 Prozent günstiger als zu Hause. Beispielsweise sei die beliebte Marke Hugo Boss in Sachsens Landeshauptstadt viel günstiger.

"Russische Kunden interessieren sich vor allem für Uhren, Schmuck, Bekleidung, Elektrogeräte und Spielwaren", weiß auch Karstadt-Filialleiter Wolfgang Wirz. Er hat sich ebenfalls bestens vorbereitet und erhofft sich Zuwachsraten im zweistelligen Bereich. "Wir sind für den Ansturm der Russen gut gerüstet" sagte Wirz. Neben Wegweisern in deutsch und englisch führen jetzt auch Tafeln in russisch und tschechisch durch sein Warenhaus. Einige Mitarbeiter sprechen laut Wirz zudem russisch und hätten ihre Sprachkenntnisse aufgefrischt.

Das hat Thorsten Kemp nicht dem Zufall überlassen. Insgesamt 100 Mitarbeiter der Altmarktgalerie ließ er sechs Sprachkurse à vier Lektionen absolvieren. Seine Mitarbeiter können sich jetzt wieder an mehr als an das russische Wort für Sehenswürdigkeit erinnern. Jeans, Rock, Bluse - was wünschen Sie? Noch Fragen? Doch nicht genug. Kemp postiert auch Väterchen Frost (der russische Weihnachtsmann) mit Enkelin Snegurotschka in die Altmarktgalerie, blaue Teppiche werden ausgerollt und eine russische Informationstheke aufgestellt. Hostessen stehen an den Eingängen und begrüßen die Gäste. Die russische Einkaufsweihnacht kann beginnen.

Eberhard Lucas, Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen verwundert der Ansturm nicht: "Dresden ist prädestiniert für große Umsätze und steht an der Spitze im sachsenweiten Vergleich." Durch große Touristenströme gewinne die Landeshauptstadt weiter an Kaufkraft.

Keine Gruppe an ausländischen Touristen wuchs im vergangenen Jahr so stark wie die Gruppe der russischen Gäste. Insgesamt 32 578 Touristen aus Russland übernachteten von Januar bis Oktober in Dresden. Das sind etwa zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Auch die Semperoper bietet jetzt russische Führungen an. Die hohen Zuwachsraten sind auch der expansiven Werbestrategie der Dresdner Marketing Gesellschaft (DMG) zu verdanken. "Wir haben Russland als Zukunftsmarkt definiert und die Vermarktungsaktivitäten entsprechend intensiviert", sagte Bettina Bunge, Leiterin der DMG. "Im kommenden Jahr werden wir in Russland besonders präsent sein." Das 500-jährige Jubiläum der in Russland besonders bekannten Sixtinischen Madonna berge großes Potenzial.

Bettina Bunge weiß, warum die russischen Kunden die Landeshauptstadt so lieben: "Die Gäste aus Russland schätzen die tollen Einkaufsangebote und den Service. Zudem geht der Einzelhandel mehr und mehr auf die russischen Gäste ein."

Christian Danne, Centermanager des Elbeparks lässt sich von dem Trubel nicht anstecken. "Die russischen Gäste steuern die Innenstadt an, wir hingegen liegen an der Autobahn", sagte Danne. Er überlässt das Feld der Altmarktgalerie und konzentriert sich lieber auf die tschechischen Kunden. "Sie kommen mit Bussen über die Autobahn direkt zum Elbepark", erklärt Danne. An Spitzentagen seien 30 Prozent aller Besucher aus Tschechien. Sie interessieren sich weniger für Schmuck, jedoch umso mehr für Unterhaltungselektronik. Denn auch diese ist in Dresden viel günstiger als beim osteuropäischen Nachbarn Tschechien.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2012

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