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Dresden rechnet mit 250 unbegleiteten Flüchtlingskindern

Dresden rechnet mit 250 unbegleiteten Flüchtlingskindern

Der Zustrom von Asylbewerbern nach Deutschland ist ungebremst. Die Unterbringung der Menschen stellt die Städte, Gemeinden und Landkreise vor enorme Herausforderungen.

Die nächste Herausforderung wirft aber ihre Schatten schon voraus: die Unterbringung und Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF) - so werden Kinder und Jugendliche genannt, die ohne Verwandte nach Deutschland kommen. Bisher mussten die Städte die UMF aufnehmen, in denen sie einen Asylantrag gestellt hatten. Das betraf vor allem Kommunen in grenznahen Bundesländern sowie Frankfurt/Main, München und Berlin - Städte mit großen Flughäfen. Viele der jungen Menschen werden von ihren Eltern ins Flugzeug gesetzt - in der Hoffnung, dass sie in Deutschland bei Verwandten unterkommen und ein besseres Leben finden.

22 100 Kinder und Jugendliche haben in diesem Jahr bis Ende Mai einen Asylantrag gestellt. Sie müssen nicht nur untergebracht werden, sie haben auch einen Anspruch auf Betreuung und Unterricht. Das bringt für die Kommunen Aufgaben mit sich, die die meisten in dieser Form noch nicht erfüllen mussten. Es kostet auch sehr viel Geld. Für einen erwachsenen Asylbewerber werden 1300 Euro pro Monat fällig. Für die Unterbringung und Versorgung alleinreisender Kinder und Jugendlicher aber fallen 4000 Euro monatlich an.

Die am meisten betroffenen Bundesländer und Großstädte haben erreicht, dass ab 2016 die UMF nach Königsteiner Schlüssel auf die Städte und Landkreise verteilt werden. Damit muss sich auch die Landeshauptstadt Dresden auf junge Menschen einstellen, die teilweise noch nie eine Schule besucht haben, nicht lesen und schreiben können, jetzt aber vom Jugendamt betreut und pädagogisiert werden müssen.

Laut Marco Fiedler, Persönlicher Referent von Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos), geht das Jugendamt gegenwärtig von 200 bis 250 UMF aus, die im nächsten Jahr in Dresden untergebracht werden müssen. "Das Jugendamt entwickelt derzeit ein entsprechendes Unterbringungskonzept", erklärte Fiedler auf Anfrage der DNN. Ein erster Entwurf dazu befinde sich aktuell in der verwaltungsinternen Abstimmung. Dabei sei davon auszugehen, dass die Stadt zusätzliches Personal für die Betreuung der jungen ausländischen Menschen einstellen muss. "Diese Frage ist auch Gegenstand des Konzeptes. Die Zahl der neu zu schaffenden Personalstellen ist von der späteren Erledigungsstruktur abhängig", hält sich Fiedler noch bedeckt.

Weil die Stadt auch die Zusammenarbeit mit Trägern der freien Jugendhilfe suche, würden nicht nur neue Mitarbeiter in der Verwaltung eingestellt, sondern auch bei Vereinen und Netzwerken. So sollen die ausländischen Minderjährigen vorwiegend bei freien Trägern untergebracht werden. Welche zusätzlichen Kosten auf die Stadt zukommen werden, steht laut Fiedler noch nicht fest. Verbindliche Aussagen könnten erst getroffen werden, wenn das Unterbringungskonzept beschlossen ist und feststeht, in welchem Umfang sich Bund und Land an den Kosten der Unterbringung beteiligen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, hat inzwischen Bund und Länder dazu aufgefordert, den Jugendämtern die Kosten für die jungen Menschen vollständig zu erstatten.

Laut Fiedler arbeitet die Landeshauptstadt mit nahezu allen Trägern der freien Jugendhilfe zusammen, um eine Strategie für die Unterbringung der UMF zu entwickeln. "Die Liga der freien Wohlfahrtspflege wurde von Beginn an in die Thematik einbezogen und eine gemeinsame Position abgestimmt."

Die neue Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke), die im September ihr Amt antritt, hatte im DNN-Interview die Unterbringung der UMF als eine der größten Herausforderungen bezeichnet, vor der die Stadt im nächsten Jahr stehe. Sie hatte strategische Überlegungen angemahnt.

Neben der Unterbringung ist vor allem die Frage des Schulbesuchs der jungen Menschen eine enorme Herausforderung. Die meisten von ihnen sind der deutschen Sprache nicht mächtig, einige haben in ihren Herkunftsländern oder auf der Flucht traumatische Dinge erlebt und brauchen auch psychologische Betreuung. In Sachsen besteht nicht nur das Recht für die Flüchtlingskinder und -jugendlichen auf Schulbesuch, sondern sogar die Schulpflicht. Das heißt aber auch, dass an den Schulen entsprechend geschultes Personal bereitstehen muss: Dolmetscher, Lehrer für Deutsch als Zweitsprache, aber auch Psychologen, Sozialarbeiter und Vormünder.

Der Freistaat Sachsen rechnet mit Kosten von rund 40 Millionen Euro, wenn ab nächstem Jahr die UMF gleichmäßig auf alle Bundesländer verteilt werden. Auch im Freistaat laufen die Vorbereitungen auf diese Aufgabe.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.08.2015

tbh

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