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Dresden lockt mit kooperativem Geist Forscher aus aller Welt an

Dresden lockt mit kooperativem Geist Forscher aus aller Welt an

In Dresden arbeiten Wissenschaftler aus der Universität und den außeruniversitären Forschungsinstituten enger und besser zusammen als in vielen anderen deutschen Städten.

Von Heiko Weckbrodt

Diese Einschätzung teilen nicht nur "Ur-Dresdner" Forscher, sondern auch viele zugezogene Akademiker. "Dresden ist einer der Orte weltweit, wo über Kooperation nicht nur gesprochen wird", lobte beispielsweise Bioinformatik-Guru Eugene Myers. Der Amerikaner war erst kürzlich nach Sachsen gekommen, um hier ein neues Zentrum für Systembiologie zu leiten.

Auch Prof. Liu Hao Tjeng, einer der neuen Direktoren am "Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe", zeigte sich "sehr beeindruckt" vom kooperativen und internationalen Forschungsklima in Dresden. Insbesondere lobte der gebürtige Indonesier auch die Internationale Schule in Dresden, die Forschern mit Kindern den Wechsel nach Dresden erleichtere. Ähnlich äußerte sich Prof. Elisabeth Knust, die aus Westdeutschland an die Elbe kam, um hier am "Max-Planck-Institut für Zellbiologie und Genetik" zu forschen.

"Dresden vibriert", brachte sie es auf den Punkt. Das liege wohl auch am fruchtbaren Boden einer wissenschaftsaffinen Bürgerschaft: "Wenn wir hier populärwissenschaftliche Veranstaltungen organisieren, ist die Resonanz der Bevölkerung immer enorm." Auch das - im Bundesvergleich - recht dichte Kita-Netz in Dresden lobten die Forscher als Standortvorteil. Sie kritisierten allerdings die schlechten internationalen Flugverbindungen von der und in die sächsische Landeshauptstadt.

Mittlerweile ist Dresden nicht nur eines der wichtigsten Mikroelektronik-Zentren Europas, sondern hat sich national und international einen guten Ruf als wichtigster Standort für Material-, Nano- und Organikelektronik- sowie Medizinforschung erarbeitet. Und das hat nicht nur mit langer Wissenschaftstradition und Weichenstellungen zu DDR-Zeiten zu tun, sondern auch mit wirtschafts- und wissenschaftspolitischen Entscheidungen von Land und Bund in der Nachwendezeit.

Denn zunächst wurde der Internationalisierungskurs des Forschungsstandortes nach der politischen Wende vor allem durch die bundesweit nahezu einzigartige Dichte von Instituten außeruniversitärer Forschungsgesellschaft von Helmholtz über Fraunhofer und Max Planck bis hin zu Leibniz-Gemeinschaft gestützt.

"Das ist auch auf klare Bekenntnisse des Freistaates zurückzuführen", glaubt Prof. Andreas Leson, Vizechef des "Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik" (IWS) in Dresden-Gruna. "Denn um zum Beispiel Fraunhofer-Institute wie unseres anzusiedeln, ist eine Startausstattung durch das jeweilige Land notwendig - und Sachsen war da agiler als andere ostdeutsche Länder."

Der Zufluss fähiger Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in solche Institute trieb wiederum die Internationalisierung der TU Dresden voran. Die Berufung außeruniversitärer Forscher an die Uni, der Austausch von Studenten und Doktoranden und gemeinsame Lehrveranstaltungen waren freilich nicht von Anfang an eine Selbstverständlichkeit: "Uni-Professoren sind ja nicht alle solche Fettweis-Typen, die vernetzt sind und auch mit der Wirtschaft eng zusammenarbeiten", meint Wieland Huttner, einer der Direktoren des Planck-Instituts für Genetik. Er spielt damit auf TU-Professor Gerhard Fettweis an, der die Exzellenz-Bewerbung der Dresdner Uni wesentlich mit vorantrieb. "Da gab es schon manche Kollegen, die Angst vor der Zusammenarbeit hatten und Bedenken, dass wir der TU die besten Doktoranden und Studenten wegnehmen." Diese Startschwierigkeiten hätten sich aber längst gegeben.

Inzwischen sei man sogar so weit, dass sich Uni und Planck-Institute gemeinsam Geräte anschaffen, um sie besser auszulasten. Auch gemeinsame Neubauten sind längst kein Tabu mehr. Dazu gehört das Bio-Innovationszentrum in der Johannstadt, in der TU-Genetiker, Planck-Forscher und deren Ausgründungen sowie weitere Bio-Firmen sitzen, aber auch das Max-Bergmann-Zentrum für Biomaterialien, in dem TU-Forscher und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Polymerforschung (IPF) zusammenarbeiten. Von dieser Kooperation profitieren ebenso die Studenten. "Wir bringen zum Beispiel mit unseren Lehrkräften rund 100 Semesterwochenstunden an der TU ein", so IPF-Direktorin Prof. Bri-gitte Voit.

Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine Schorlemer (parteilos) zeigte sich erfreut über die enge Kooperation über Uni-Schranken hinweg. "Dass die TU Dresden kürzlich den Zuschlag als Exzellenz-Uni bekommen hat, ist wesentlich auf diese Verschränkung zwischen TU und außeruniversitären Instituten zurückzuführen", ist sie überzeugt.

m In Ostdeutschland hat Dresden die höchste Akademikerquote: 17,4 Pro-zent der Dresdner haben einen Hoch- oder Fachhochschulabschluss. Im deutschlandweiten Vergleich entspricht dies Platz 5. Einige Vergleichsstudien gehen sogar von einer Akademiker-Quote von rund 20 Prozent aus, was Dresden bundesweit an die Spitze setzen würde.

m Hier sind zwölf Fraunhofer-Institute und -einrichtungen angesiedelt - bundesweit ein Spitzenwert. Außerdem gibt es hier drei Max-Planck-Institute, fünf Leibniz-Institute und ein Helmholtz-Zentrum.

m Neben der TU Dresden gibt es neun weitere Hochschulen

m In Dresden sind rund 42 000 Studenten immatrikuliert, davon etwa 36 500 an der TU

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2012

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