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Dresden kämpft mit Altlasten - 300 Flächen gelten immer noch als kontaminiert

Dresden kämpft mit Altlasten - 300 Flächen gelten immer noch als kontaminiert

Auch 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR kämpft Dresden mit seinen Altlasten. Zwar sind ein Großteil der 1991 als "umweltrelevant" eingestuften 3000 Flächen mittlerweile saniert.

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Das Gelände des ehemaligen VEB Chemiehandel in Dresden ist verseucht. Für 1,9 Millionen Euro sollen die Altlasten nun beseitigt werden.

Quelle: Dietrich Flechtner

Doch etwa 300 Flächen gelten weiterhin als kontaminiert.

Dominante Schadstoffe in Dresden sind chlorierte Kohlenwasserstoffe, informierte das Umweltamt auf DNN-Anfrage. Chlorkohlenwasserstoffe seien insbesondere für das Grundwasser gefährlich. In der Vergangenheit sind die Gifte als Reinigungsmittel in der metallverarbeitenden Industrie und in chemischen Reinigungen verwendet worden. Sie haben dem Umweltatlas der Stadt zufolge zu "erheblichen Gefährdungen" geführt, in dessen Folge umfangreich saniert werden musste.

Die Gefahr ist nicht gebannt: An ungefähr 300 Standorten im Dresdner Stadtgebiet werden weiter verseuchte Flächen vermutet, an 30 Standorten besteht ein akuter Verdacht der Verseuchung durch Chlorkohlenwasserstoff. "Auf sieben Flächen sind Sanierungsmaßnahmen eingeleitet worden", erklärte Jürgen Altmeyer, Abteilungsleiter des Umweltamtes. Dabei handelt es sich u.a. um den ehemaligen VEB Chemiehandel in der Rosenstraße, die chemische Reinigung der Sächsischen Staatsoper in der Dohnaer Straße sowie das ehemalige Robotrongelände in der Hamburger Straße. Nach den Kriterien des Freistaates Sachsen gilt Dresden sogar als Schwerpunkt "altlastenbedingter Grundwasservergiftungen durch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe". Die Elbe ist laut Umweltamt nicht betroffen.

Die Altlasten konzentrieren sich dem Umweltamtsleiter zufolge "wie in allen vergleichbaren Großstädten auf die industriell und militärisch genutzten Stadtgebiete". Dies treffe vor allem auf Dresden-Friedrichstadt einschließlich des Ostra-Geheges zu, aber auch auf Dresden-Neustadt und den Pieschener Hafen sowie den ehemaligen Kasernenkomplex an der Stauffenbergallee. "Hier und in weiteren Stadtteilen (Reick, Leuben, Niedersedlitz) waren über viele Jahre Betriebe der Metallverarbeitung, Verkehrs- und Tankanlagen, chemische Reinigungen und Militär ansässig, die oftmals schwerwiegende Boden- und Grundwasserverunreinigungen verursachten", erklärte Altmeyer. Die Altlasten seien eine "negative Begleiterscheinung der historischen urbanen Entwicklung".

Nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) müssen die giftigen Schadstoffe im Grund- und Oberflächenwasser bis 2027 entfernt sein. Das soll über die sogenannte aktive Grundwassersanierung erfolgen, bei der das Grundwasser über Unterwassertauchpumpen gefördert und anschließend gereinigt wird. Altmeyer sieht in den europäischen Vorgaben jedoch ein großes Problem: "Aus finanziellen und zeitlichen Gründen sind dem Erfolg dieser Vorgehensweise bei der immer noch großen Zahl der grundwassergefährdenden Altlasten in der Landeshauptstadt enge Grenzen gesetzt." Bislang fehle noch immer einer "personaltechnische Überleitung" der sächsischen Verwaltungs- und Funktionalreform aus dem Jahr 2008. Kurzum: Die Stadt Dresden soll sich um die Altlasten kümmern, bekommt jedoch kein Personal dafür. "Das postulierte Motto ,Das Personal folgt den Aufgaben' harrt seiner vollumfänglichen Umsetzung", kritisiert Altmeyer.

Hinzu kommt eine weitere Schwierigkeit: Eigentlich ist der Verursacher oder der Eigentümer der verseuchten Fläche dafür verantwortlich, die Altlasten zu beseitigen. Er trägt auch die Kosten. Allerdings seien die Verpflichteten mit der Sanierung der verseuchten Flächen oft finanziell überfordert. Altmeyer: "Dann kann unter bestimmten Umständen die Behörde in die Rolle des Sanierungspflichtigen geraten."

Die Gesamtkosten der seit 1991 durchgeführten Altlastensanierungen können laut Umweltamt durch die Mischfinanzierung mit dem Freistaat und den privaten Investitionen nicht genannt werden. Eine einzelne Maßnahme koste jedoch zwischen zwei bis drei Millionen Euro.

Dass Dresden von seinen Altlasten einmal völlig befreit sein könnte, bezweifelt der Umweltamtsleiter: "Die vollständige Dekontamination von Altlastenstandorten ist aus hydrogeologischen und finanziellen Gründen kaum möglich." Sogenannte "Rebound-Effekte" (Rückpralleffekte) würden zudem immer wieder Schadstoffe nachliefern. "Infolge der großen Anzahl altlastenverdächtiger Flächen kollidiert der erreichte Arbeitsstand bei der schrittweisen Altlastenerkundung noch zu oft mit den Erwartungen an eine absolute 'Verdachtsfreiheit'", erklärte Altmeyer.

Katrin Tominski

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