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Dresden ist Vorreiter in der Kinderbetreuung

Dresden ist Vorreiter in der Kinderbetreuung

Trotz aller Meckerei: In Sachen Kinderbetreuung ist Dresden bundesweit Spitzenreiter. In keiner anderen Großstadt lässt sich Arbeit und Familie so gut vereinbaren, sind Kinder aus armen Familien so gut in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen aufgehoben.

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Dresden ist in Sachen Kinderbetreuung bundesweit Spitzenreiter. Hier eine Aufnahme aus der Kita Spatzennest, Altnossener Straße, während eines Kneipp-Tages.

Quelle: Christian Juppe

Das hat jetzt eine großangelegte Studie der Universität Bremen bestätigt. "Dresden hat die höchste Betreuungsquote unter den Großstädten und liegt bei der Ganztagsbetreuung sogar bundesweit unter den Top Ten der Kreise und kreisfreien Städte", sagt René Böhme, Sozialwissenschaftler am Institut für Arbeit und Wirtschaft an der Uni Bremen und einer der Projektleiter. Das Institut betreibt seit über 20 Jahren Arbeitsmarkt- und Großstadtforschung. Für die jüngste Studie, die vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2013 lief, wählte man die Vergleichsstädte Dresden, Bremen und Nürnberg aus. Sie bewegen sich im Mittelfeld zwischen den prosperierenden Städten wie München, Stuttgart oder Düsseldorf und den Städten mit prekärer Entwicklung wie Dortmund, Essen oder auch Leipzig.

Dresden ist Geburtenhauptstadt mit statistisch gesehen 1,5 Kindern pro Frau, nur 18,8 Prozent der Kinder leben in armen Verhältnissen, die Stadt hat die geringste Verschuldung und die höchste Frauenerwerbsquote (77 Prozent). Ein weiterer Spitzenwert: Über 40 Prozent der Väter nehmen Elterngeldmonate in Anspruch. Das erfordere eine spezifische Aufstellung der Kinderbetreuung, so Böhme. Bremen und Nürnberg dagegen haben zwar als westdeutsche Städte eine bessere Wirtschaftskraft und höhere Steuereinnahmen. Jedoch kämpft Bremen mit der bundesweit höchsten Pro-Kopf-Verschuldung, 30 Prozent aller Kinder leben in Armut, die Frauenerwerbsquote liegt bei 70 Prozent und eine Frau bekommt im statistischen Schnitt 1,3 Kinder. Auch in Nürnberg ist die Erwerbsquote mit 73 Prozent niedriger, 1,3 Kinder werden pro Frau gezählt. Einen großen Unterschied macht der Migrationsanteil der Unter-Sechsjährigen in den drei Orten aus. In Dresden liegt er bei 12,5 Prozent, in Bremen bei 54 Prozent und in Nürnberg über 60 Prozent.

Professionelle Anbieter

Schon bevor der Rechtsanspruch auf Kita-Plätze beschlossen wurde, verfügte die sächsische Landeshauptstadt über ein hohes Niveau in der Kinderbetreuung, stellt der Sozialwissenschaftler fest. Als überall der Ausbau der Kitaplätze startete, konnte Dresden diesen Vorsprung halten. "Fast alle Träger bieten in ihren Einrichtungen Krippen- und Kindergartenplätze an", so Böhme weiter. In Bremen dagegen wurden viele Krippenplätze über Elterninitiativen organisiert, hier steht für die Kinder ein zusätzlicher Übergang von der Krippe der Elterninitiative in den meist kirchlichen oder kommunalen Kindergarten an. "Und Übergänge sind immer mit Risiken verbunden", weiß René Böhme. Hinzu kommt, dass Elterninitiativen weniger professionell agieren als Träger, die sich als gGmbH formiert haben und mehr als eine Einrichtung verwalten.

Gut für die Prävention von Kinderarmut ist das in allen Dresdner Stadtteilen ähnlich hohe Versorgungsniveau. In Bremen verfügen dagegen die privilegierten Stadtteile über bessere Betreuungsquoten. "Ein gesellschaftlicher Skandal", findet René Böhme. Gerade arme Familien, die nicht mobil sind, bräuchten Einrichtungen vor Ort. In Bremen wurden aber dort mehr Plätze geschaffen, wo sich die Bürger am lautesten einsetzten. Hier werde das Gefälle zwischen Arm und Reich zementiert. Hinzu kommen restriktive Zulassungsverfahren der Kommunalverwaltung. "Unter-Dreijährige werden nur vier Stunden lang betreut, wenn die Mutter nicht erwerbstätig ist", so Böhme. Das heißt, das Kind kann nicht einmal vom in Bremen kostenlosen Mittagessen profitieren, weil es vorher abgeholt werden muss.

Im Laufe seiner Analyse musste der Sozialwissenschaftler viele städtische Vorlagen wälzen. "Der Dresdner Fachplan der Kindertagesbetreuung ist extrem transparent und zielorientiert", lobt René Böhme. "Er hat keine Fragen offen gelassen - das ist bemerkenswert." Während Dresden auch die Tradition der Elternbefragung zur Bedarfsermittlung seit den 90er Jahren pflegt, hat Bremen erst 2013 die erste Elternbefragung vorgenommen. In Nürnberg wurden die angenommene Betreuungsquote von 35 Prozent für Unter-Dreijährige nach einer Befragung der Eltern 2012 erstmals auf 44 Prozent korrigiert. Aktuell nehmen 30 Prozent der Eltern in Bremen einen 8-Stunden-Betreuungsplatz in Krippe oder Kindergarten in Anspruch, in Nürnberg sind es 60, in Dresden 90 Prozent. Tagespflege hingegen werde in allen drei Städten deutlich weniger nachgefragt. Seit 2013 können laut Böhme in Nürnberg und Bremen nicht mehr alle Tagespflegeplätze besetzt werden. Die Betreuungsform werde in erster Linie für Kinder unter einem Jahr bevorzugt, ab anderthalb Jahren soll der Nachwuchs lieber in die Krippe gehen. Hier müssen sich die Tageseltern auf eine gewandelte Nachfrage umstellen.

Wermutstropfen Qualität

So vorbildlich Dresden ist, ein Kritikpunkt bleibt der Betreuungsschlüssel. Eine Erzieherin muss sich um zu viele Kinder kümmern. Im Krippenbereich sorgt in Bremen eine Erzieherin für drei, in Nürnberg für vier Kinder. In Sachsen muss eine Fachkraft gleich sechs Kinder betreuen. "Da muss dringend nachgebessert werden", mahnt René Böhme, dessen Kritik hier an den Freistaat geht. Alles in allem bleibt Dresden eine Vorzeigestadt in Sachen Kinderbetreuung. Mit 35 000 Euro hat die Arbeitnehmerkammer Bremen und Saarland das Forschungsprojekt finanziert. Die Publikation zur Studie mit dem Titel "Kindertagesbetreuung in Dresden, Bremen und Nürnberg" soll im Oktober erscheinen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2014

Madeleine Arndt

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