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Dresden hat nicht nur ein Alkoholproblem

Illegale Drogen auf dem Vormarsch Dresden hat nicht nur ein Alkoholproblem

Alkohol bleibt in Dresden die Problemdroge Nummer eins. Aber illegale Drogen sind auf dem Vormarsch. Besonders der Crystal-Missbrauch nimmt besorgniserregende Ausmaße an, steht im aktuellen Suchtbericht der Landeshauptstadt Dresden.

Teufelszeug: Längerer Crystalkonsum zieht psychotische Symptome nach sich.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.  Im Jahr 2015 wurden zehn Drogentote in Dresden gezählt. Bei den Toten handelt es sich um neun Männer und eine Frau. Acht der zehn Personen hatten Crystal konsumiert. In vier Fällen waren Suizide die Todesursache. In einem weiteren Fall lief der 30-jährige Betroffene auf die Autobahn und wurde dort überfahren. Das steht im aktuellen Suchtbericht der Landeshauptstadt Dresden. „Alkohol ist nach wie vor die Problemdroge Nummer eins“, konstatierte die Dresdner Suchtbeauftragte Kristin Ferse, „Der Konsum von Crystal nahm jedoch weiter zu.“

3650 Personen wurden im vergangenen Jahr in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen (SBB) beraten. 3140 Klienten suchten aufgrund persönlicher Betroffenheit das Gespräch, 510 Personen kamen als Angehörige in die SBB. Alarmierend: Von den Suchtberatern wurden 796 Klientinnen und Klienten betreut, in deren Haushalt mindestens ein Kind lebt. 2014 traf das noch auf 693 Personen zu. „Im Bereich Elternschaft und Sucht ist eine Zunahme konsumierender und substituierter schwangerer Frauen und Eltern zu verzeichnen“, heißt es in dem Bericht. Die Betreuungsprozesse dieser Klientel seien langwierig sowie hochkomplex.

Beratungsabbrüche und Psychosen

1190 Personen sprachen vor, weil sie illegale Drogen konsumierten. „Der Anteil von Klientinnen und Klienten mit Suchtproblemen im Bereich illegale Drogen hat sich in den vergangenen Jahren drastisch erhöht“, heißt es im Suchtbericht. So stieg der Anteil der Crystal-Konsumenten von 372 Fällen im Jahr 2011 auf 663 Fälle im vergangenen Jahr. Die Suchtberater würden gerade im Kontext Crystal viele Beratungsabbrüche erleben sowie die Unfähigkeit, vereinbarte Termine auch einzuhalten. Fast zwangsläufig würden nach einer längeren Konsumzeit psychotische Symptome auftreten.

Im Jahr 2014 wurden 3056 Dresdner Kinder, Jugendliche und Erwachsene wegen der Folgen von Drogenmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert. 2013 waren es 3047 Personen. 2223 Einwohnerinnen und Einwohner wurden wegen der Auswirkungen ihres Alkoholkonsums stationär behandelt. Das sind fünf Prozent weniger als 2013. 895 Frauen und 2161 Männer mussten wegen Drogenmissbrauch behandelt werden.

318 Patienten wurden wegen der Folgen des Crystalkonsums eingewiesen, die Zahl der Fälle hat sich gegenüber 2013 (125 Fälle) mehr als verdoppelt. Dritter Schwerpunkt bei Krankenhauseinweisungen ist laut Suchtbericht der gleichzeitige Gebrauch verschiedener Substanzen mit einem Anteil von neun Prozent.

Die Altersgruppe der 50- bis 55-jährigen Dresdnerinnen und Dresdner musste mit 342 Fällen am häufigsten aufgrund von Alkoholmissbrauch stationär behandelt werden. 282 Fälle betreffen die Altersgruppe der 55- bis 60-Jährigen, deutlich angestiegen ist der Anteil der 35- bis 40-Jährigen von 197 Fällen im Jahr 2013 auf 225 Fälle. Bei den Crystalkonsumenten sind mit 136 Fällen die 25- bis 30-Jährigen am Häufigsten vertreten. Die zweithäufigste Altersgruppe waren die 18- bis 25-Jährigen mit 74 Fällen, gefolgt von den 30- bis 35-Jährigen mit 70 Fällen.

Die Suchtberater vermittelten im vergangenen Jahr 318 stationäre Entgiftungsbehandlungen und 352 Entwöhnungsbehandlungen, von denen 295 von den Betroffenen auch angetreten wurden. Gruppenangebote der Suchtberatungsstellen fanden 8840 Teilnehmer.

Erhöhter Prozentsatz Asylbewerber

 Im Suchtbericht wird auch die Lebenssituation der Klientinnen und Klienten analysiert. Danach sind 1419 Personen, das entspricht 39 Prozent, arbeitslos gemeldet. 33 Prozent gehen einer geregelten beruflichen Tätigkeit nach. 213 Personen beziehen Rente oder befinden sich im Ruhestand. Zehn Beamtinnen und Beamten suchten das Gespräch mit Suchtberatern.

Im vergangenen Jahr hätten auch immer mehr Asylbewerber mit suchtbezogenen Störungen Hilfe gesucht. „So wird von Mitarbeitern in den Erstaufnahmeeinrichtungen eingeschätzt, dass es besonders unter den geflohenen Menschen einen erhöhten Prozentsatz von behandlungsbedürftigen Abhängigkeitskranken gibt“ heißt es im Suchtbericht. Die Integration dieser Klienten in das Suchthilfesystem der Stadt sei eine große Herausforderung der kommenden Jahre.

Zugenommen hat auch das pathologische Glücksspiel sowie der problematische Mediengebrauch. Die Anzahl der Beratungen stieg von 230 im Jahr 2014 auf 288 im vergangenen Jahr an.

„Sucht ist keine Schande, sondern eine Krankheit“, erklärte Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke). Die Vision der Dresdner Suchtprävention sei nicht ein Kampf gegen Süchtige und ihr Verhalten. „Sie ist ein Plädoyer für das Schaffen gesunder Verhältnisse, die es überflüssig machen, süchtig zu werden.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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