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Dresden fehlen offiziell kaum Ärzte, trotzdem warten viele Patienten Monate auf einen Termin

Dresden fehlen offiziell kaum Ärzte, trotzdem warten viele Patienten Monate auf einen Termin

Regine hatte sich das alles ganz einfach vorgestellt, als sie der Promotion wegen nach Dresden zog. Klar, sie hatte eine OP wegen Verdachts auf Gebärmutterhalskrebs.

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Patientenschlangen gehören wohl auch in Zukunft zum gewohnten Bild in Wartezimmern.

Quelle: dpa

Doch die Ärztin in der Heimat Greifswald hatte sie beruhigt und ihr feinsäuberlich die Unterlagen eingepackt. Dann kam die Ernüchterung. Der erste Frauenarzt, den sie aufsuchte, nahm keine Patienten mehr auf. Der zweite Frauenarzt nahm keine Patienten mehr auf.

Der dritte Arzt nahm zwar noch Patienten auf, den nächsten Termin hatte er allerdings erst in vier Monaten anzubieten. Das ist knapp, wenn die Vorsorgeuntersuchungen nach einer vermeintlichen Krebserkrankung alle drei Monate gemacht werden müssen. Beim vierten Frauenarzt zeichnete sich eine leichte Erfolgsmeldung ab: den nächsten Termin gab es in zwei Monaten. Regine ist empört: "Warum ist es so schwer einen Arzt zu finden?", fragte sie die DNN.

Nach den Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) fehlen in Dresden jedoch nur 1,5 Frauenärzte. Der Bedarfsplan sieht für die 520.000-Einwohnerstadt einen Bedarf von 84 Gynäkologen. Insgesamt 82,5 Kassenärzte behandeln in der Stadt. Also kein Problem. Vermeintlich. Denn wer sich die Zahlen genauer ansieht, wird schon bald bemerken: Die 82,5 Frauenärzte müssen etwa 200.000 Frauen behandeln. Das sind pro Arzt 2400 Patientinnen im Jahr, abzüglich Praxisurlaub 53 Patienten pro Woche und 10,5 Frauen am Tag - vorausgesetzt jede Frau kommt einmal im Jahr. Nicht eingerechnet sind hier die Alten, die Kranken und die Mütter, die vor und nach der Entbindung regelmäßig untersucht werden müssen.

Ähnlich sieht es bei den Urologen aus. Laut KVS ist Dresden hier vorbildlich. Insgesamt 26 Ärzte werden gebraucht, 26 Urologen sind in der Landeshauptstadt ansässig. Von den 253.000 Männern in Dresden sind etwa 200.000 über 16 Jahre. Das macht pro Urologe 7700 Patienten im Jahr und 33 Männer täglich. Wieder vorausgesetzt, sie kommen nur einmal im Jahr.  Noch skurriler wird es bei den Hautärzten. Auch hier ist Dresden formal vorbildlich. Insgesamt 29 kassenärztliche Hautärzte versorgen Dresden, wie per Bedarfsplan festgeschrieben. Bei einer aktuellen Bevölkerung von 524.000 Menschen in Dresden, hat jeder Dermatologe täglich 78 Patienten zu behandeln - wenn jeder Einwohner nur einmal im Jahr zum Hautarzt geht.

Die Dresdnerin Karina Müller kennt dieses Problem. Als sie wegen einer Entzündung bei einem Hautarzt in der Pfotenhauer Straße vorsprach, wurde sie von der Schwester barsch nach Hause geschickt. Die Ärztin nehme keine neuen Patienten mehr. Der Andrang sei kaum zu bewältigen. Obendrein habe die Ärztin die Patienten ihres verstorbenen Kollegen übernommen.

Die Beschwerden kommen jedoch nicht nur von Dresdner Patienten, sondern auch von den Medizinern selbst. "Sie können mich gern einmal in meinem vollgestopften Wartezimmer besuchen kommen", wettert ein Dresdner Chirurg, der anonym bleiben möchte. Es sei eine Frechheit von der AOK, den Ärzten Faulheit vorzuwerfen. Er meldete sich, als Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ankündigte, per Gesetz gegen lange Wartezeiten vorzugehen.

Die Kassenärztliche Vereinigung lehnt eine gesetzliche Sanktionierung von Wartezeiten ab. Die Gründe für eine "zu lang empfundene Terminierung würden sich einer objektiven Bewertung entziehen". Laut KVZ ist der Widerspruch zwischen langen Wartezeiten und überarbeiteten Ärzten nur ein "scheinbarer Widerspruch". Durch die alternde Bevölkerung steige der medizinische Aufwand pro Patient. "Hinzu kommt, dass durch den medizinisch-technischen Fortschritt mittlerweile viele Behandlungsmethoden ambulant durchgeführt werden, die früher nur in Krankenhäusern stationär behandelbar waren", erklärt KVS-Geschäftsführer Michael Rabe. "Das bindet Praxiskapazitäten auf neue Art und Weise."

Dann löst Rabe das Geheimnis um die vorgeblich ausreichende Anzahl der Fachärzte und die langen Wartezeiten. "Die Anzahl der ambulant tätigen Ärzte hält mit diesen aktuellen Entwicklungen nicht Schritt." Die Dresdner müssten zur Kenntnis nehmen, dass dies sowohl aus personellen Zwängen als auch wegen der Grenzen der Finanzierbarkeit der gesetzlichen Krankenversicherungen "kaum zufriedenstellend zu lösen sein wird".  

Katrin Tominski

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