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Dresden fällt bei Steuereinnahmen und Wirtschaftskraft zurück

Dresden fällt bei Steuereinnahmen und Wirtschaftskraft zurück

Die Dresdner Wirtschaft hat in den letzten Jahren ihren Glanz verloren: Bei wichtigen Kennziffern wie Steuereinnahmen und Wirtschaftskraft ist die Stadt inzwischen hinter Leipzig und Chemnitz zurückgefallen.

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Quelle: dpa

Das geht aus den jüngsten Zahlen der Landesstatistiker hervor. Bei Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert wird darin kein Grund zur Panik gesehen. Die Stadt verweist auf positive Entwicklungen bei den Arbeitslosenzahlen beispielsweise und statistische Effekte durch steigende Bevölkerungszahlen. Bei den Einnahmen aus der Einkommenssteuer (pro Kopf) liegt Dresden vor den anderen sächsischen Großstädten.

Gewerbesteuer

Nach den Zahlen aus dem Statistischen Landesamt lag die Landeshauptstadt im vergangenen Jahr bei den Gewerbesteuereinnahmen pro Einwohner (netto) mit 364,51 Euro hinter Chemnitz (395,69 Euro pro Einwohner) und hinter Leipzig (463,86 Euro). Das Gewerbesteueraufkommen kann als Indiz für die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft betrachtet werden. 2012 und 2013 war Chemnitz schon an Dresden vorbeigezogen. 2011 lag die Elbmetropole noch vor den anderen beiden Kreisfreien Städten. Von 2009 abgesehen, war das seit dem Jahr 2000 so. Bis dahin wechselte der Spitzenplatz seit 1994 regelmäßig. Vor 20 Jahren führte Chemnitz mit 140 Euro pro Einwohner, vor Leipzig (133) und Dresden (130 Euro).

Einkommensteuer

Bei der Einkommensteuer kompensiert die Stadt den Einnahme-Rückstand etwas. In der Stadt werden hohe Löhne gezahlt. Zahlen für die eventuelle Abwanderung von Einkommensteuerzahlern in den Speckgürtel, wie das bei großen Städten häufig der Fall ist, haben die Statistiker allerdings nicht. Die Zahlen des Landesamtes in Kamenz sehen Dresden beim Einkommensteueranteil seit dem Jahr 2000 ununterbrochen vor Leipzig und Chemnitz. 2014 bekam die Landeshauptstadt pro Einwohner 269,32 Euro ab. Die Einkommenssteuer fließt nur teilweise an die Städte, in denen die Steuerzahler wohnen. Leipzig, dass bei der Einwohnerzahl mit 531 562 Menschen auf ähnlichem Niveau liegt wie Dresden (530 754 am 31. Dezember 2013), brachte es 2014 auf einen Einkommensteueranteil von 225,64 Euro pro Kopf und Chemnitz (242 022 Einwohner) flossen 236,79 Euro pro Einwohner zu. Im Jahr 2000 lagen diese Zahlen noch bei 119,26 Euro für Dresden sowie 111,25 und 107,51 für Chemnitz und Leipzig. Vor dem Jahr 2000 wechselte die Spitzenposition immer wieder zwischen den drei Großstädten.

Steuerkraft

Doch selbst die hohen Einkommensteuerwerte konnten nicht verhindern, dass Dresden beim gesamten Steueraufkommen – der Steuerkraft – nach jahrelanger Führung unter den Kreisfreien Städten vor zwei Jahren von Chemnitz und im vergangenen Jahr auch noch von Leipzig überholt worden ist. Pro Einwohner erzielte Leipzig 2014 insgesamt Steuereinnahmen von 929,01 Euro und Chemnitz von 852,98 Euro. In Dresden flossen auf jeden Einwohner gerechnet 842,57 Euro in die Stadtkasse. Damit rangieren die drei Großstädte deutlich vor allen Kreisgebieten.

Bruttoinlandsprodukt

Zurückgefallen ist Dresden auch beim Bruttoinlandsprodukt BIP, dieser Wert gilt als eine der wesentlichsten Kennziffern für die Stärke der Wirtschaft. Vor 20 Jahren lag Dresden mit 33 323 Euro pro Erwerbstätigem hinter Leipzig (36 359). Zahlen pro Einwohner gibt es nicht. Bis 1998 arbeitete sich die Landeshauptstadt an der Messestadt vorbei, behauptete diese Führungsposition unter den Kreisfreien Städten bis 2010 und musste sich 2011 und 2012 hinter Leipzig geschlagen geben. An der Pleiße wurden 50 155 Euro von jedem Erwerbstätigen erwirtschaftet, in Dresden waren es 48 919 Euro. Mit 48 018 Euro liegt Chemnitz nur noch knapp dahinter. Zahlen für 2013 sollen erst im Lauf des Jahres vorliegen, erklärten die Statistiker in Kamenz auf DNN-Anfrage. Stärkere Zahlen wurden 2012 in den Landkreisen Leipzig (55 250), Görlitz (52 080) und Meißen (51 287 Euro pro Erwerbstätigem) erzielt. 2007 lag Dresden sachsenweit an der Spitze und 2008 wenigstens noch an dritter Stelle.

Arbeitsmarkt

Doch dann kamen Finanzkrise und Qimonda-Pleite. 2009 erlitt Dresden einen massiven Rückgang in der Beschäftigung (minus 2000 bis 3000 Beschäftigte) und den Umsätzen allein durch die Qimonda-Insolvenz und deren Folgen.

Torsten Rex, persönlicher Referent des auch für Wirtschaft zuständigen Ersten Bürgermeisters, Dirk Hilbert (FDP), sieht Dresden trotzdem nicht im Mittelmaß versinken. Dresden und Leipzig würden sich in der Wirtschaftsstruktur sehr stark unterscheiden. Während Leipzig auf Automobilbau und Logistik setze, sei die Landeshauptstadt stark im Halbleiterbereich, der Software, im Handel und im Tourismus. „Die schwarz-rote Landesregierung hat 2009 Qimonda nicht unterstützt: Das hat uns mehr als 3000 direkte Arbeitsplätze gekostet“, konstatiert Rex. Zurückhaltung hatte damals jedoch auch die Landtags-FDP an den Tag gelegt. Bei der Gewerbesteuer hat laut Rex der Halbleiterbereich 2002 fast 25 Prozent gebracht, heute seien es nur noch knapp 10 Prozent.

Sicht der Stadt

Die Ursachen für das hohe Einkommensteueraufkommen sieht Rex nicht in den freistaatlichen Behörden in Dresden. Leipzig habe sehr viele und große „Staatsbetriebe“, wie beispielsweise VNG, mdr, Sachsenbank/LBBW, Messe, Mitteldeutsche Flughafen AG, also viele Mitarbeiter in Betrieben. Dresden habe mehr Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe und mehr im Bereich Software, die alle gut und besser als der Durchschnitt bezahlt würden.

Rex verweist auch auf andere Daten: „Leipzig war Ende 2014 mit mehr als 650 Millionen Euro verschuldet, hat damit weniger Steuereinnahmen als Schulden.“ Dresden könne jedes Jahr mehr als 250 Millionen investieren, im letzten Jahr seien es sogar 500 Millionen Euro gewesen. Dresden könne jedem Kind einen Kita-Platz gewährleisten, Leipzig nicht. Dresden leiste sich mit dem Kulturpalast und dem Kulturkraftwerk zwei Großprojekte mit mehr als 200 Millionen Euro, Leipzig könne das nicht.

Auch den Verlust des Spitzenplatzes bei der Wirtschaftskraft (Buttoinlandsprodukt) relativiert Hilbert-Referent Rex. Das BIP bemesse sich nach Umsätzen. Die Preise für Leipziger Autos seien hoch, der Leipziger Handel und die Logistik sorgten nun einmal für hohe Umsätze und für „unsere Dresdner Chips“ seien die Preise gefallen und vergleichsweise gering. Dresden habe auch noch weitere positive Zahlen vorzuweisen. „Dresden hat mehr Beschäftigte als Leipzig, trotz geringerer Einwohnerzahl.“ Die Gewerbesteuer verteile sich in Dresden auf sehr viele Schultern im wachsenden Mittelstand, in Leipzig seien es wenige große. Brachten die Top10-Gewerbesteuer-Zahler 2002 in Dresden noch etwa 60 Prozent, seien es heute nur noch etwas mehr als 20 Prozent. „Das Dresdner Wachstum ist nachhaltiger“, behauptet Rex. Dresdens stärkste Wachstumsbranche sei der Software-Bereich. Die Arbeitslosen-Quote in Dresden sei geringer als in Leipzig. „Sowohl gesellschaftlich als auch fiskalisch sind wir da etwas besser dran“, meint Rex.

Ingolf Pleil

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