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Dresden deutschlandweit Spitze bei Ampelsteuerung

Moderne Ampelsteuerung für den Öffentlichen Nahverkehr Dresden deutschlandweit Spitze bei Ampelsteuerung

Verkehrstechnische Systeme aus Dresden kommen in Berlin, Schweinfurt und Münster zum Einsatz. Das ist ein Verdienst der Dresden IT GmbH, die aus den Rechenzentren der Verkehrsbetriebe und der Stadtreinigung hervorging. Das Unternehmen feiert jetzt sein 15-jähriges Jubiläum.

Schwerstarbeit für die Ampelanlage am Wiener Platz.
 

Quelle: DVB

Dresden..  In den Tunneln der Berliner U-Bahn gibt es keine Ampeln, die für Stau sorgen könnten. Wieso brauchen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dann ein ausgefeiltes Dresdner Computersystem, mit denen sich Ampelanlagen überwachen lassen? „Was in Dresden die Ampeln sind, sind in der Berliner U-Bahn die Rollstuhlfahrer“, erklärt Frank Kirmse, Mitarbeiter für Verkehrstechnik bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB).

Dank vieler kürzlich installierter Aufzüge haben Rollstuhlfahrer die Möglichkeit, die Bahnsteige der U-Bahn ohne fremde Hilfe zu erreichen. Die Fahrzeuge jedoch nicht, weil diese überwiegend nicht barrierefrei sind. Der-U-Bahn-Fahrer muss mit Rampen helfen. Das kostet Zeit und führt zu Verspätungen. Die BVG wollen deshalb Mitarbeiter einsetzen, die den Rollstuhlfahrern in die Züge helfen. Dafür müssen sie aber wissen, wann wo Bedarf ist. Hier kommt das System „urbic“ ins Spiel. Es erfasst mit wenig Aufwand, wann an welcher Haltestelle Rollstuhlfahrer in den Zug ein- oder ausgestiegen sind. „So können die Kollegen effektiv Personaleinsätze planen“, erklärt Kirmse. Etwa, wenn die Oper ihre Vorstellung beendet hat und bis zu zehn Rollstuhlfahrer auf die U-Bahn warten.

„Urbic“ hat sich zum Dresdner Exportschlager entwickelt. Auch in Münster und Schweinfurt kommt das System zum Einsatz. „Wir stellen unsere Technik auf Messen vor und stoßen auf großes Interesse“, erklärt Henry Sachse, IT-Koordinator bei den DVB. Dass die Dresdner deutschlandweit Maßstäbe setzen bei Computeranwendungen, sei einer strategischen Entscheidung Ende der 1990er Jahre zu verdanken: „Damals wurde überlegt, wie die Kosten gesenkt werden können.“

Aus den Rechenzentren der DVB und der Stadtreinigung ging das Unternehmen Dresden IT GmbH hervor, das jetzt sein 15. Jubiläum feierte. Gesellschafter sind zu 40 Prozent die DVB und zu 60 der städtische TWD-Konzern. Das neue Unternehmen sollte Anwendungen für die Unternehmen des TWD-Konzerns liefern, sich aber durchaus auch auf dem Markt bewegen. „Wir haben den großen Vorteil, dass wir nicht mit anonymen Entwicklern arbeiten müssen, sondern mit Kollegen, mit denen wir duzen und die sich bestens auskennen“, erklärt Sachse. In der Anfangszeit sei es durchaus gar nicht so einfach gewesen, einen professionellen Umgang zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu etablieren. „Aber das hat sich längst eingespielt.“

Hatten die DVB in den 1990er Jahren Systeme aus den alten Bundesländern importiert, ist es nun umgekehrt. „Jetzt können wir unser Know-how und unsere Lösungen exportieren“, sagt Sachse stolz. Und nennt den Grund dafür: Vor 20 Jahren sei in den westlichen Bundesländern viel in die ÖPNV-Beschleunigung investiert worden. „Da war das hier kein Thema, weil sich alle ein neues Auto gekauft hatten.“ Schritt für Schritt und „subtil“ sei in Dresden an der Thematik gearbeitet worden, meint der IT-Koordinator, und dabei eben auch nachhaltig. „In keiner anderen Stadt wird unser Niveau einer intelligenten ÖPNV-Steuerung erreicht.“

455 Ampelanlagen haben die DVB in ihrem Gebiet registriert, 447 können sie dank ihrer Steuerungstechnik beeinflussen. Jedes Fahrzeug – ob Bus oder Bahn – besitzt einen Sender, jede beeinflussbare Ampelanlage einen Empfänger. Beide können miteinander kommunizieren. Das Fahrzeug kann so die Ampel im Sinn des ÖPNV beeinflussen.

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, weil Verkehr ein komplexes System ist und kleine Eingriffe große Wirkung haben können. Außerdem geht es nicht nur darum, die Standzeiten von Bussen und Bahnen zu verringern, sondern auch um die Bedürfnisse der Fahrgäste. Die relativ wenig Freude daran haben, wenn sie ihren Anschluss immer schon davonrauschen sehen, weil er mit grüner Welle unterwegs ist. Manchmal muss eine Ampel im Sinne der Kunden eine Straßenbahn ausbremsen, wie zum Beispiel die „4“ in Altpieschen, damit die Fahrgäste der nachfolgenden „13“ noch umsteigen können.

Solche Prozesse auszutarieren, ist die hohe Kunst der Steuerung. Dazu müssen tausende Daten ausgewertet werden. Und es geht auch darum, die technischen Systeme permanent zu überwachen, erklärt Kirmse. Der Sender in einem Bus etwa werde auf Kopfsteinpflaster permanent durchgerüttelt. Da könnten die Ausfallquoten hoch sein, wenn es nicht „urbic“ gäbe, das die „Tiefflieger“ erfasse und aus dem Verkehr ziehe. Denn ein Fahrzeug, das die Ampeln nicht beeinflusst, werde zum Hindernis für die nachfolgenden Busse oder Bahnen.

249 der 447 steuerbaren Ampeln sind IT-überwacht und melden jeden Fehler in die DVB-Zentrale. Da kann es schon mal passieren, dass ein Bus in einer ganz bestimmten Konstellation am frühen Morgen fünf Minuten an einer Ampel warten muss. Mit „urbic“ lassen sich solche Probleme sofort identifizieren. Da auch die Stadt Zugriff auf das System habe, sei eine Fehlerbehebung innerhalb von 24 Stunden möglich, lobt Kirmse.

„Urbic“ ist natürlich auch im Spiel, wenn die DVB die 15 Ampeln an der Bodenbacher Straße optimieren. Diese werden jetzt für 1,24 Millionen Euro ans Datennetz angeschlossen und erhalten eine zeitgemäße Steuerungstechnik, die es auch ermöglicht, die Fußgängerzuläufe zu den Haltestellen zu steuern. Damit kommen die Fahrgäste sicherer zur Haltestelle, so der Verkehrsingenieur. 76 Ampelanlagen in Dresden lassen sich so beeinflussen, dass sie bei Bedarf Grün anzeigen, wenn Busse oder Straßenbahnen in die Haltestellen einfahren.

„Berlin ist für uns eine großartige Referenz“, sagt Sachse. „Wenn sich unsere Technik dort bewährt, dann dürften wir in naher Zukunft noch mit einigen anderen Städten zusammenarbeiten.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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