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Dresden beseitigt radioaktive Altlast - Zeit der Schutzanzüge in Gittersee und Coschütz vorbei

Dresden beseitigt radioaktive Altlast - Zeit der Schutzanzüge in Gittersee und Coschütz vorbei

Als Dresdens einstiger Wirtschaftsbürgermeister Rolf Wolgast Anfang der 1990er-Jahre zum ersten Mal in den Stadtteil Gittersee kam, trug er einen Schutzanzug. Zu groß waren die Bedenken, die frühere Uranfabrik könnte auch 30 Jahre nach ihrem Ende noch in gefährlichem Maße strahlen.

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Mit der Sanierung der Uranfabrik 95 hat Dresden ein ökologisches Großprojekt im Umfang von rund 46 Millionen Euro beendet.

Quelle: Stadt Dresden

Nach Schließung der Fabrik war dort ein Reifenwerk angesiedelt worden. Den atomar verseuchten Untergrund ließ man damals lieber in Ruhe. Prüfungen ergaben, dass der Boden bis in zwölf Meter Tiefe belastet war. Dresden begann deshalb 1993 mit einem Projekt, das die heutige Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) als weltweit einmalig beschreibt. Nun ist es vollendet. Als Wolgast am Montag zum Finale erschien, trug er einen fein gebügelten Anzug.

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Der 780 Meter lange Kaitzbachstollen wurde für 1,5 Millionen Euro grundhaft saniert.

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Mit der Sanierung der Uranfabrik 95 hat Dresden ein ökologisches Großprojekt im Umfang von rund 46 Millionen Euro beendet. Es gehört zu jenen 20 Großprojekten in den neuen Bundesländern, die das ganze Ausmaß des Sanierungsbedarfes im Osten deutlich machten. Dresden zahlte 14 Millionen Euro, der Bund und Sachsen übernahmen rund 31,5 Millionen Euro. Auch in Zukunft kostet die ökologische Überwachung des Terrains Geld - etwa 3,5 Millionen Euro in den kommenden 25 Jahren. Aus der Altlast ist nun ein Gewerbegebiet entstanden. 56 Firmen mit insgesamt etwa 2500 Mitarbeitern haben sich angesiedelt und ungefähr 106 Millionen Euro investiert. Zur Bilanz gehören auch 70 000 gepflanzte Bäume, die das Gelände heute zieren.

„Es ist bemerkenswert, wie aus der Hinterlassenschaft eines ungezügelten Raubbaus neuer Lebensraum geschaffen wurde“, sagte Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) und blickte zugleich in die Zukunft. Tillich warb für ein Wirtschaften, das Ressourcen schont und effizient nutzt. Das Prinzip der Nachhaltigkeit sei einst vom sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) ausgegangen. Die DDR habe mit dieser Traditionslinie gebrochen. Doch seit der Wende investiere Sachsen nicht nur in die Beseitigung der Umweltschäden, sondern gebe auch Geld für die Forschung auf diesem Sektor aus.

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Luftbild von 1992. Die Uranfabrik 95 gehörte seinerzeit zum Reich der sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft Wismut.

Quelle: Stadt Dresden

Nach Worten von Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) heilt die Zeit zwar alle Wunden - aber nur, wenn sie auch richtig genutzt wird. Als die DDR 1989 zusammenbrach, sei deutlich geworden, wie fahrlässig ihr Umgang mit der Natur war. Nun habe der Steuerzahler knapp 46 Millionen Euro für die Sanierung aufbringen müssen. „Das ist der Preis dafür, dass der Umweltschutz in der DDR keine Rolle spielte oder wirtschaftlichen Interessen ungeordnet wurde.“ Nach Angaben der Stadt mussten bei der Sanierung in Gittersee 1,7 Millionen Kubikmeter Abfälle und Erde umgeschichtet werden. Auf zwei Halden sind die kontaminierten Stoffe nun sicher abgedichtet.

Die Bilanz scheint im Rückblick nicht selbstverständlich. Der Chef des Dresdner Umweltamtes, Christian Korndörfer, bekam nach eigenen Aussagen im Bundesumweltministerium damals von einem Abteilungsleiter den Ratschlag, das Gelände einfach mit Stacheldraht einzuzäunen. Dresden habe allerdings eine sichere Lösung gewollt, die „bis zur nächsten Eiszeit reicht“.

Die Uranfabrik 95 gehörte seinerzeit zum Reich der sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft Wismut. Im Kern ging es darum, den Bedarf der Sowjets an Nuklearmaterial zu sichern. In Gittersee lagerte das Uran in einem Kohlebergwerk. Die Kohle wurde verbrannt und aus der Asche das Uran extrahiert. Später wurden Erze aus Schlema und Aue verarbeitet. Bis zur Schließung der Fabrik produzierte Gittersee etwa 7000 Tonnen Uran. Danach entstand auf dem Gelände eine Reifenfabrik, die Pneus für Nutzfahrzeuge herstellte. 2012 dominiert nun unternehmerische Vielfalt den Standort.

dpa

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