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Dresden beim Bürgereinsatz an der Spitze

Ehrenamtliches Engagement Dresden beim Bürgereinsatz an der Spitze

In Dresden engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich. Die Bürgerstiftung sieht die Einwohner der Landeshauptstadt damit bundesweit an der Spitze, die Ehrenamtskarte des Freistaats gilt dagegen als Flop. Ein Ehrenamtler erzählt den DNN, warum er aktiv ist.

Sebastian Schurig betreut Kinder in der Kita „Haus der Kinder“ am Trachenberger Platz in Dresden.
 

Quelle: Sebastian Kahnert

Dresden. Sebastian Schurig wollte zwischen Wehrdienst und Studium etwas Sinnvolles tun. „Da bin ich bei der Bürgerstiftung bei der Ehrenamtsvermitttlung gewesen“, sagt der 24-Jährige heute. Seit fünf Jahren ist er inzwischen jeden Freitag in einer Kita ein paar Stunden aktiv. Er ist kein Einzelfall in Dresden.

„Es gibt keine Erhebungen, also auch keine verlässlichen Zahlen, aber ich schätze 40 000 bis 50 000 Dresdner sind im Monat mindestens zehn Stunden ehrenamtlich aktiv“, rechnet Winfried Ripp, der Chef der Bürgerstiftung in Dresden, Erkenntnisse aus Studien auf die sächsische Landeshauptstadt hoch.

Nach dem jüngsten DNN-Barometer geben 20 Prozent der Dresdner an, sich irgendwo im sozialen, kulturellen, sportlichen oder anderen Bereichen außerhalb ihrer beruflichen Aktivitäten zu betätigen. Unter Abzug von Kindern und Hochbetagten würde sich das etwa mit Ripps Schätzungen decken. Der Stiftungsgeschäftsführer ist sicher: „Wir liegen da in der Spitzengruppe in Ostdeutschland.“

Seit einigen Jahren versucht der Freistaat Sachsen, das Engagement der Menschen irgendwie zu würdigen. Dazu gibt es unter anderem die sogenannte Ehrenamtskarte. Ripp hält das für einen Flop. „Innerhalb von drei Jahren haben wir 450 Karten ausgegeben“, erzählt der Stiftungschef. Allerdings nicht einmal allein in Dresden, sondern für das ganze Land. Die Stiftung hat dies bislang im Auftrag des Freistaats erledigt. Doch die Ehrenamtler seien mit der Karte relativ unzufrieden. „Das ist kein besonders werthaltiger Nutzen.“ Die mit der Karte verbundenen Ermäßigungen in Museen oder anderswo, seien häufig sehr begrenzt und lockten offenbar niemanden so recht hinter dem Ofen hervor.

Sebastian Schurig geht es nicht um Vergünstigungen. Sein Lohn ist „das Lachen der Kinder, wenn sie sich über die Spiele freuen“. Bei ihm können sie sich unter anderem auf dem Trampolin austoben. Überhaupt steht vor allem Bewegung auf dem Programm, wenn er fast jeden Freitag in der Kita am Trachenberger Platz von 15 bis 18 Uhr auftaucht. Dann hat er eine Woche Studium in Freiberg hinter sich, Fahrzeugbauer will er werden. Mittlerweile ist er im Masterstudiengang. In der Kita streut Schurig auch das eine oder andere physikalische Experiment mit ein. „Die Kinder sind begeistert, die Eltern auch.“

Seine Arbeit sei eine tolle Ergänzung zum Programm der Kita, erklärt die Chefin. „Es ist schön, dass er zu uns kommt, die Kinder erhalten damit noch zusätzliche Angebote“, erzählt Gudrun Wündrich, die Leiterin der Integrationskindertageseinrichtung „Haus der Kinder“. Ihre Kindereinrichtung ist stark auf Bewegung ausgerichtet. Das ergänze Schurig wunderbar, zumal als Mann.

Die Landeshauptstadt bietet ihm und allen anderen Aktiven den sogenannten Ehrenamtspass. 109 Ermäßigungen gibt es dafür derzeit, schildert Ripp. Der Pass sei viel effizienter als die Karte. „Mit der gibt es mehr Ärger als Nutzen“, sagt der Stiftungschef. Die Leute würden sagen, das bringt mir doch gar nichts. Die Karte sei ein politische Entscheidung der Staatskanzlei im Wahlkampf gewesen und eingeführt worden, ohne den Rat von Experten, die wissen, wie so etwas gemacht werden muss. Die Kommunen hätten dafür sorgen sollen, dass etwas dahinter steht. Das Land biete nur „erbärmliche Ermäßigungen, es tut nichts dafür“. Seit diesem Jahr vergebe die Bürgerstiftung daher die Karten nicht mehr.

Für den Dresdner Pass muss ein Ehrenamtler 16 Stunden pro Monat aktiv sein. Die Anmeldung laufe alljährlich über Vereine und Organisationen.15 000 Pässen seien so insgesamt seit dem Jahr 2002 ausgegeben worden. In diesem Jahr werden es wieder 3300 sein, rechnet Ripp vor. Das Angebot an Vergünstigungen werde ständig ausgebaut, es gebe „sehr positive Reaktionen, auch bei Firmen“. Aus dem Topf „Wir für Sachsen“ können Menschen, die mindestens 20 Stunden im Monat ehrenamtlich aktiv sind, 40 Euro monatlich bekommen. Der Freistaat hat das inzwischen von zehn auf elf Monate erhöht, 440 Euro sind so maximal drin im Jahr. Die Ausgaben aus der Landeskasse steigen von 6,5 Millionen Euro auf 8,5 Millionen. „Das ist schon eine ordentliche Spritze“, lobt Ripp. Auch die Qualifizierung der Vereinsarbeit soll gefördert werden.

In Dresden werden damit über die Bürgerstiftung 450 Projekte mit 2100 aktiven Personen gefördert, 2015 flossen 662 000 Euro an Dresdner Ehrenamtler. „Das ist in der ganzen Bundesrepublik die einzige Aufwandsentschädigung, die es für Ehrenämter vom Staat gibt“, hebt Ripp hervor. In keinem anderen Bundesland gebe es das, auch aus den Kommunen sei dies nicht bekannt. Immerhin gibt es vielfach Veranstaltungen und ähnliches zur Würdigung, die auch von der Bürgerstiftung unterstützt werden.

Insgesamt sieht Ripp beim Ehrenamt noch Luft nach oben. Die Bürgerstiftung betreibt dazu eine „Freiwilligenagentur“ (Treffpunkt Hilfsbereitschaft). 320 Leute sind damit bereits an Vereine vermittelt worden. Die Bürgerstiftung will noch mehr mit Jugendlichen unternehmen, an Schulen für „Schnupperpraktika“ werben. Nach Ripps Erfahrungen macht sich ein solcher Eintrag im Lebenslauf bei Bewerbungen ganz gut. „Wenn junge Leute einmal mit dem Ehrenamt Bekanntschaft gemacht haben, bleiben sie auch dabei“, glaubt Ripp.

Auch Sebastian Schurig ist über den Treffpunkt Hilfsbereitschaft zum Ehrenamt gekommen. Er bricht eine Lanze für die jungen Menschen: „In meinem Bekanntenkreis sind eine Menge Leute aktiv, ich glaub, da wird schon viel getan.“

Ehrenamtspass

Vereine und Initiativen können für ihre ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Bürgerstiftung den Ehrenamtspass 2016 beantragen, sofern bestimmte Kriterien dafür erfüllt sind. Der Ehrenamtspass ermöglicht es den freiwillig Engagierten, als Anerkennung für ihren Einsatz ein Jahr lang verschiedene Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen, z.B. ermäßigten Eintritt in Kinos, Theater, Museen und Freizeitanlagen.

Vereine und Initiativen können Freiwillige auch für weitere Formen der Würdigung nominieren. Auf Empfehlung stellt die Bürgerstiftung Zertifikate aus, die den Einsatz von Ehrenamtlichen dokumentieren. Diese Bescheinigung ist beispielsweise bei Bewerbungen hilfreich.

Von Ingolf Pleil

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