Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Dresden: Stricken verbindet - auch ehemalige Feinde

Dresden: Stricken verbindet - auch ehemalige Feinde

Es war eine ungewöhnliche Idee. Einen Panzer, ein Ding, das im Kriegseinsatz ebenso Leben rettet wie Tod bringt, in ein kunterbuntes Strickkleid hüllen und damit ein Zeichen setzen gegen den Krieg, gegen das Töten.

Voriger Artikel
Erneute Proteste der Dresdner Bürgerinitiative „Schlosspark Pillnitz-Freier Parkzutritt" geplant
Nächster Artikel
Dresden streicht Zuschuss zum Essensgeld im Hort – Grüne und Linke kritisieren Seidel

Hannelore Danders und Viktor Maximow von der Kriegsveteranenhilfe mit einem Friedensboten aus dem Ural vor dem eingestrickten Panzer.

Quelle: Jane Jannke

Monatelang wurde für das Projekt im Dresdner LouisenKombinaht gestrickt und gehäkelt - und natürlich war immer auch der Krieg Thema dabei. Etwa zur gleichen Zeit sitzen im russischen St. Petersburg und in Jekaterinburg am Fuße des Uralgebirges zwei Frauen, stricken, schreiben Briefe und erinnern sich an ihre eigene Kindheit im Krieg. Sofia Beilina erlebt die mehr als 900 Tage andauernde Blockade Leningrads als Kleinkind. Obgleich sie erst drei Jahre alt ist, als die Blockade schließlich fällt, verfolgen die Erinnerungen die 71-Jährige bis heute. "Unsere bescheidene jüdische Familie musste schwere Prüfungen und unsägliches Leid erdulden", schreibt Beilina in einem Brief an die Dresdner Gesellschaft zur Hilfe für Kriegsveteranen und Kriegsopfer in Russland e. V., die das Panzer-Strickprojekt stets mit Begeisterung unterstützte. "Mein Vater Maimin Moisej fiel im Februar 1943 an der Front, als er Leningrad verteidigte. Meine Mutter, meine Tante, meine älteren Schwestern und ich als Jüngste hungerten, waren ständig krank", berichtet Beilina. Im Haus Nr. 37 in der Uferstraße, direkt am Schlossplatz mit der Ermitage gelegen, überlebt das Kind all die Grauen wie durch ein Wunder. Mehr als eine Million Menschen in der Stadt Zar Peters I. haben weniger Glück. Heute verstehe sie klarer denn je, sagt Sofia Beilina, dass Krieg das größte Unglück für alle Menschen sei. "Kluge Menschen haben in Dresden für eine furchteinflößende Waffe einen Umhang aus Wolle gestrickt, ihn damit dicht umhüllt." Sofia Beilina ist begeistert und schickt Stoff nach Dresden, den russische Kinder mit Blumen bestickt haben. Auch im mehr als 4000 Kilometer entfernten Ural stößt das Strickprojekt gegen Krieg auf rege Anteilnahme. Erst nach vielen Jahrzehnten steht Anna Obwinzewa dank der Unterstützung der Dresdner Kriegsopferhilfe, die seit über 20 Jahren von Hannelore Danders (80) und dem Weltkriegsveteran Viktor Maximow (87) geleitet wird, zum ersten Mal am Grab ihres Vaters Anton auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof von Zeithain. Als Kriegsgefangener kam er im Lager Jakobsthal ums Leben. Anton Pewzows Frau und Kinder müssen als Familie eines als vermisst geltenden Rotarmisten in Stalins Sowjetunion schwere Zeiten durchleben. Gewissheit über seinen Tod erhalten sie erst spät. Vom freundlichen Empfang in Deutschland ist die heute 85-Jährige begeistert. Als sie von dem Strickprojekt erfährt, greift die Russin spontan zu Wolle und Stricknadel und strickte ein paar graue Socken, die sie nach Dresden schickt. Das warme Beinkleid ging schließlich im Friedensgewand für den Leopard-I-Panzer auf. "Man sollte nicht mehr aufeinander schießen", so Obwinzewas Standpunkt. Viele Menschen in Russland hätten noch das alte Bild im Kopf von den Deutschen als Faschisten - "weil sie hier nie rausgekommen sind". Anna Obwinzewa und Sofia Beilina - zwei Frauen, die Schlimmes durchmachten, nur zwei Beispiele für die durchweg positive Resonanz für das Dresdner Projekt aus Russland. So schickte eine pensionierte Lehrerin ebenfalls aus Jekaterinburg eine Stickarbeit, die sie gemeinsam mit ihren Schülern anfertigte. Sie zeigt eine weiße Friedenstaube auf grünem Grund. Andere schickten Briefe und Wollarbeiten nach Dresden. Danders und Maximow nehmen viele der Sachen mit zur Einweihung des Panzer-Kunstwerkes am 11. Februar. Was nicht direkt in das Strickkleid einfloss, übergeben sie dem Militärhistorischen Museum. "Die Aktion hat bei vielen Menschen in Russland große Emotionen ausgelöst", weiß Hannelore Danders. Statt der ursprünglich vorgesehenen zwei Wochen steht das Resultat nun schon seit einem Monat auf dem Museumsvorplatz - "Ein unglaublicher Publikumsmagnet", wie Museumssprecher Sebastian Bangert bestätigt. Man werde den Panzer daher so lange stehen lassen, "bis er nicht mehr schön aussieht". Für Anna Obwinzewa, Sofia Beilina und viele andere Strickpanzer-Freunde steht das Projekt vor allem für eines: "Für die Annäherung unserer Völker, für das Streben nach Frieden und Versöhnung."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2013

Jane Jannke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
27.07.2017 - 08:11 Uhr

Bischofswerdaer Kicker besiegen die SGD-Junioren 4:1. (mit Fotos)

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.