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Dresden: Stadt der wenig beachteten Integrationshelfer

Ein Jahr Pegida Dresden: Stadt der wenig beachteten Integrationshelfer

Margareta Noeske ist Dresdnerin. Und sie engagiert sich für Ausländer. Ganz privat. In den überregionalen Medien wurde über diese Frau bislang nicht berichtet. Die 64-jährige Galeristin steht für das andere Gesicht von Dresden - eine freundliche, weltoffene Metropole.

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Quelle: dpa

Dresden. Margareta Noeske ist Dresdnerin. Und sie engagiert sich für Ausländer. Ganz privat. In den überregionalen Medien wurde über diese Frau bislang nicht berichtet. Die 64-jährige Galeristin steht für das andere Gesicht von Dresden - eine freundliche, weltoffene Metropole. Außerhalb der Grenzen der sächsischen Landeshauptstadt wird das derzeit wenig beachtet. Wenn heute von Dresden die Rede ist, geht es zumeist um die selbsternannten "Patriotischen Europäer" von Pegida. In keiner anderen Stadt lockt diese Bewegung mit ihren dumpfen Parolen so viele Menschen auf die Straße.

Leute wie Noeske haben Mühe, dem in der medialen Aufmerksamkeit etwas entgegenzusetzen. Dabei zeigt doch ein simpler Zahlenvergleich, dass man Pegida mit der sächsischen Hauptstadt nicht gleichsetzen kann. Der bisherige Teilnehmerrekord von Pegida liegt bei rund 25000 Menschen. In Dresden leben aber mehr als 536000 Einwohner, weitere 200000 in den Umlandgemeinden. Sehr viele von ihnen haben kein Problem mit Flüchtlingen, viele kümmern sich sogar gern um sie.

Die Demo gegen Pegida am 12. Oktober 2015

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Viele kleine Episoden erzählen die Geschichte vom anderen, freundlichen Dresden. An der Technischen Universität waren innerhalb von 24 Stunden mehr als 300 Freiwillige rekrutiert, Studenten wie Wissenschaftler, die Turnhallen auf dem Campus für Flüchtlinge herrichten sollten. Sie packten an, besorgen und verteilen Essen, organisieren Kleiderspenden. "Die Hilfsbereitschaft ist so enorm, dass wir eine hundertprozentige Personalstelle eingerichtet haben, die sich um die zahlreichen Hilfsangebote und Projekte aus der Universität kümmert, sie prüft, koordiniert und kanalisiert", berichtet stolz der Rektor der TU Dresden, Prof. Hans Müller-Steinhagen.

Auch Margareta Noeske opfert einen großen Teil ihrer Freizeit für die in Dresden ansässigen Ausländer, übt mit ihnen die deutsche Sprache. Einer ihrer Schützlinge lebt in einem der Flüchtlingszelte, ein junger Afghane. Dank ihrer Hilfe kann er nun schon deutsch lesen und schreiben. Noeske bemüht sich zudem um ausländische Wissenschaftler, Studenten und deren Angehörige. "Als Austauschschülerin in den USA habe ich selbst erlebt, wie wichtig es ist, Menschen zu haben, die sich in einer fremden Umgebung um einen kümmern", erklärt sie.

Der Aufbau einer Dresdner Willkommenskultur liegt der Galeristin sehr am Herzen. Deshalb ist sie auch eine von 30 Paten des Vereins "Dresden - Place to be!", den Wissenschaftler ins Leben gerufen haben, und zwar noch einige Monate vor der Pegida-Gründung im Oktober 2014. Beim Kongress der deutschen Zeitungsverleger wurde der Verein kürzlich mit dem Bürgerpreis bedacht. "Dresden will die klügsten Köpfe der Welt in die Stadt holen. Das gelingt nur, wenn sich die Forscher hier auch wohlfühlen. Dazu wollen unsere Paten beitragen", sagt die Vereinsvorsitzende Elisabeth Ehninger.

Die Grundidee klingt einfach: Wer am Wochenende einen Ausflug mit der Familie unternimmt, ruft als Pate seinen ausländischen Schützling an und nimmt ihn einfach mit, führt ihn damit ein in die deutsche Gesellschaft. "Wir haben auch zwei junge Männer zusammengebracht, die regelmäßig bei sich kochen, Konzerte besuchen und in Kneipen gehen", erläutert Ehninger. Margareta Noeske kümmert sich als Patin unter anderem um Tanya Chehlarova. Die 30-Jährige stammt aus Bulgarien, wanderte als Jugendliche mit ihren Eltern nach Kanada aus und folgte ihrem Mann vor knapp zwei Jahren von Toronto nach Dresden. Der Wechsel war für die junge Frau, Mutter eines fünfjährigen Sohnes, alles andere als einfach. Sie wurde aus ihrem Beruf als Bankkauffrau herausgerissen, spürte rasch, wie wenig sie mit den geringen Deutschkenntnissen vorankam.

Über "Dresden - Place to be!" lernte Tanya Chehlarova ihre heutige Patin Margareta kennen. Die beiden trafen sich zum Kaffee, plauderten viel über Kunst. Dieser unverkrampfte Umgang mit der deutschen Sprache war es, der ihr den Einstieg erleichterte. Und wie denkt die 30-jährige Bulgarin über das Auftreten der Islamistenfeinde? "Natürlich fühle ich mich als Migrantin durch Pegida nicht mehr so willkommen wie früher. Aber ich weiß, dass hier ganz viele liebe Menschen leben, die anders sind. Pegida ist nur ein kleiner Teil von dem, was in Dresden derzeit passiert."

Den Mitgliedern von "Dresden - Place to be!" ist es auch zu verdanken, dass Dresden im Januar ein weltweit beachtetes Signal für Toleranz setzte. 25000 Menschen feierten vor der Frauenkirche ein fröhliches Volksfest. "Wir hatten das dringende Bedürfnis, der gespenstischen Atmosphäre von Pegida etwas Buntes entgegenzusetzen", sagt Ehninger.

Christoph Stephan

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