Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresden: Stadt der aufbegehrenden Fremdenfeinde

Ein Jahr Pegida Dresden: Stadt der aufbegehrenden Fremdenfeinde

Der heutige Montag ist ein besonderer Tag, sozusagen ein Jahrestag. Pegida, die islamfeindliche Bewegung, wird ein Jahr alt. Es ist für die Organisatoren ein Grund zum Feiern. Die ganze Republik spricht über Pegida, keiner kann diese Gruppierung ignorieren. Wer hätte das vor zwölf Monaten gedacht?

Theaterplatz Dresden 51.053971 13.735116
Google Map of 51.053971,13.735116
Theaterplatz Dresden Mehr Infos
Nächster Artikel
Dresden: Stadt der wenig beachteten Integrationshelfer

Pegida-Teilnehmer vor einer Woche.

Quelle: DNN

Dresden. Der heutige Montag ist ein besonderer Tag, sozusagen ein Jahrestag. Pegida, die islamfeindliche Bewegung, wird ein Jahr alt. Es ist für die Organisatoren ein Grund zum Feiern. Die ganze Republik spricht über Pegida, keiner kann diese Gruppierung ignorieren. Wer hätte das vor zwölf Monaten gedacht?

Immer montags, wenn es dunkel wird, marschiert Pegida. Dann ziehen Tausende "Patriotische Europäer gegen die Islamlisierung des Abendlandes" durch Dresden. Sie rufen "Volksverräter", "Lügenpresse" und "Wir sind das Volk". Sie ziehen die Dunkelheit vor und sehen sich dennoch nicht als dunkle Masse, sondern als besorgte Bürger. Zum Schluss ihrer sogenannten "Montagsspaziergänge", mit denen die Islamfeinde ganz bewusst die Tradition der Montagsdemonstrationen von 1989 aufnehmen, halten sie ihre hell leuchtenden Handys in die Höhe. Dann steht Pegida-Gründer Lutz Bachmann auf der Bühne und jubelt ihnen zu: "Fantastisch! Dresden zeigt, wie's geht!"

Pegida am 12. Oktober 2015 in Dresden

Zur Bildergalerie

"Dresden ist das Zentrum des Widerstandes", hat Stephen Yaxley-Lennon alias Tommy Robinson, der Gründer der rechtsextremen "English Defence League", vor einer Woche in Utrecht (Holland) hervorgehoben. Dieses Lob nimmt Bachmann, der wie Robinson bereits wegen diverser Delikte im Gefängnis saß, gern an - denn Pegida ist seine Bewegung. Der 42-Jährige aus einem Dorf nahe der Hauptstadt steht für die "Patriotischen Europäer", spricht bei jeder Kundgebung und zieht die Fäden im Pegida Förderverein e.V..

Vor einem Jahr starteten die Islamfeinde mit kleinen Demonstrationen. Gerade mal 350 Pegida-Anhänger zogen am dritten Montag im Oktober durch Dresden. Doch die Bewegung wuchs schnell. Schon Anfang Dezember folgten mehr als 10000 Menschen dem Aufruf. Daran änderte auch Bachmanns Eingeständnis nichts, er habe früher "Mist gebaut". Der Fleischerssohn und gelernte Koch wurde wegen Diebstahls in 16 Fällen verurteilt, besaß Kokain und flüchtete vor den deutschen Strafverfolgern nach Südafrika.

Die "Patriotischen Europäer" waren seit Anfang Dezember 2014 nicht mehr zu übersehen. Sie trafen sich zu Demonstrationen im Stadtzentrum und zogen in der Adventszeit regelmäßig an Dresdens touristischem Aushängeschild, dem Striezelmarkt, vorbei. Bis dahin hatte es Sachsens Regierung erfolgreich vermieden, Stellung zu beziehen. Nur Innenminister Markus Ulbig (CDU) sprach Klartext und nannte die Organisatoren der Demonstrationen "Rattenfänger". Spätestens als Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache offen auf Distanz zu Pegida ging, spürten Bachmann und seine Getreuen ein deutlich ansteigendes Interesse - vor allem der nationalen und internationalen Medien. Reichlich 14 Tage später war die damalige Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel in der Sonntagabend-Talkshow von Günther Jauch zu Gast und tags darauf beendeten Bachmann und Oertel ihr bis dahin eisernes Schweigen. Sie luden zu einer Pressekonferenz in die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung. "Diese Pressekonferenz soll ein Anfang für jedweden Dialog sein", fügte Oertel hinzu.

Der Dialog endete schon eine Woche später. Inzwischen hatten die Medien Bachmanns wahres Gesicht offenbart. Bei Facebook hatte der Pegida-Anführer bereits ein knappes halbes Jahr zuvor Asylbewerber als "Viehzeug", als "Gelumpe" und "Dreckspack" gezeichnet. Außerdem tauchte ein Foto auf, auf dem er als Führer posierte. Bachmann zog die Reißleine und verabschiedete sich aus der Pegida-Spitze. "Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Bürgern, die sich von meinen Postings angegriffen fühlen", sagte er.

War das nun der Beginn einer Hinwendung von Pegida zur politischen Mitte? Das Gegenteil war der Fall. Bachmann hatte sich nur taktisch zurückgezogen und nie die Absicht gehabt, die Fäden aus der Hand zu geben. Es war die weniger radikale Oertel, die sich abwandte. Bachmann war bald wieder zurück - und an seiner Seite stand immer öfter eine andere Frau, die gebürtige Hamburgerin Tatjana Festerling, die später auch Oberbürgermeisterkandidatin von Pegida wurde. Sie ist politisch mit Bachmann auf einer Wellenlänge.

Der lange angekündigte Auftritt des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders bei Pegida im April, bei dem Bachmann mit bis zu 30000 Teilnehmern rechnete, war ein Flop: Gerade 10000 Menschen kamen. Die Pegida-Teilnehmerzahlen kletterten erst wieder, als die Flüchtlingszahlen in Deutschland stiegen. Frank Richter, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, sieht drei Phasen: Die Politisierung bis etwa Ende 2014, dann die Differenzierung mit dem Abschied von Kathrin Oertel und schließlich die Phase der Stabilisierung und Radikalisierung seit dem späten Frühjahr.

Christoph Springer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Anzeige
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.