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Dresden: Podemus rettet Klotzscher Bahnhof

Dresden: Podemus rettet Klotzscher Bahnhof

"Ich gehöre durchaus zu der Fraktion, die im Urlaub gerne Bahn fährt. Man könnte sagen, ich bin bahnaffin, aber kein Pufferküsser", sagt Bernhard Probst und schmunzelt.

Der Geschäftsführer des Vorwerks Podemus hat den seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegebenen Klotzscher Bahnhof gekauft und will dort einen Biomarkt einrichten. "Vor fast genau einem Jahr habe ich Herrn Probst eine E-Mail geschickt und versucht, ihn für das Projekt zu gewinnen. Eine halbe Stunde später rief er an", freut sich Alexander Beck vom Architekturbüro Cooperation_4 Architekten. Er begleitet schon seit mehreren Jahren sehr engagiert die Entwicklung des historischen Viertels in Klotzsche-Königswald um das einstige Bahnhofshotel und den Klotzscher Bahnhof (DNN berichtete). Nachdem sich ein Ärztehaus im Bahnhof aus Platzgründen nicht verwirklichen ließ, glaubte Beck, dass ein Biomarkt die Lösung sein könnte, um dem Bahnhof wieder Leben einzuhauchen.

"Vor zwei Jahren hätte ich gesagt: Nö, keinen Bock. Aber vor einem Jahr war es die richtige Mail zur richtigen Zeit. Ich bin kein großer Stratege, handele mehr nach dem Bauchgefühl. Und hier hat mein Bauch sofort ja gesagt", erzählt Bernhard Probst, der sich sehr wohl überlegt, welchen Schritt er geht und welchen nicht. "Ich wollte nach Klotzsche, hatte schon zwei andere Standorte im Blick. Denn hier wohnt Biomarktkundschaft", ist sich der Chef des Vorwerks Podemus nach seiner ganz persönlichen Bevölkerungsanalyse sicher.

Er will (einschließlich Kaufpreis) rund 1,5 Millionen Euro in die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudekomplexes investieren und in die alte Bahnhofshalle Markthallenflair bringen. "Gepäck- und Schalterraum werden die Theken beherbergen. Im Frauenwarteraum wird das Gemüse zu finden sein. Und im Schankraum, in dem sich früher nur die Herren aus der 1. und 2. Klasse aufhalten durften, gibt's dann Molkereiprodukte und alles, was gekühlt werden muss", blickt der Chef des ökologischen Landbaubetriebes schon mal in die Zukunft.

Dort, wo sich einst der Haupteingang zur Bahnhofshalle befand, entsteht ein Weinkontor. "Wir öffnen den Durchgang zum Bahnsteig wieder, gestalten den gesamten Bereich, der auch als Eingang in den Markt dient, ansprechend. Zudem können Fahrräder hier überdacht untergestellt werden", ergänzt Alexander Beck. Parkplätze für Pkw werden auf einem angrenzenden Grundstück geschaffen. Auch der älteste Teil des Bahnhofes an der Bushaltestelle wird saniert. Die Nutzung steht noch nicht fest. Interessenten gibt es laut Probst "ohne Ende".

Die Baugenehmigung für den Klotzscher Bahnhof liegt laut Investor vor. "Dieses Jahr machen wir das Dach. Nächstes Jahr den Rest. Ich rechne mit der Eröffnung im zweiten Halbjahr 2014. Aber unter Druck stehen wir nicht", winkt Probst ab. Aktuell sind für ihn jetzt erst einmal zwei andere Filialen des Vorwerks Podemus, die kurz vor ihrer Eröffnung stehen: im Dresdner Hauptbahnhof am 1. August und in der Bergstadt Freiberg. Klotzsche wird dann schon Filiale Nummer 10. Weiter expandieren will der Dresdner "Biomarkt-Platzhirsch", wie Probst sich selbst bezeichnete, nicht. Vorerst. iÜber das im Bau befindliche Wohnquartier in Klotzsche-Königswald (Straße: Zur Neuen Brücke) mit dem einstigen Bahnhofshotel und das Projekt "Bio-Bahnhof" kann man sich am 29. Juni im Rahmen des Tages der Architektur informieren. "Wir grillen ab 14 Uhr", kündigt Bernhard Probst an. Auch Alexander Beck von Cooperation_4 Architekten ist vor Ort.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.06.2013

Catrin Steinbach

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