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Dresden-Gorbitz und Prohlis in der Schuldenfalle - Schuldner-Atlas 2014 benennt die Brennpunkte

Dresden-Gorbitz und Prohlis in der Schuldenfalle - Schuldner-Atlas 2014 benennt die Brennpunkte

Im Dresdner Ortsteil Langebrück können die Einwohner am besten mit Geld umgehen. Diese Erkenntnis legt der aktuelle Schuldneratlas Dresden des Wirtschaftsauskunftsdienstes Creditreform nahe.

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Die rote Farbe zeigt es an: In diesen Stadtteilen Dresdens leben besonders viele Menschen, die mehr ausgeben als sie einnehmen. Sie sind überschuldet.

Quelle: Stadt Dresden

Danach sind in ganz Dresden knapp 40.000 Personen überschuldet – das ist jeder elfte Einwohner. Während in Langebrück aber nur jeder 25. Einwohner überschuldet ist, haben in den Stadtteilen Prohlis und Gorbitz rund 17 Prozent der Bewohner akute Probleme mit den Finanzen.

„Wir reden hier nicht von Verschuldung. Wir reden von Überschuldung“, stellt Thomas Schulz klar, Prokurist der Creditreform Dresden Aumüller KG. Überschuldet ist eine Privatperson dann, wenn ihre Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen und keine Aussicht besteht, dieses Missverhältnis zu korrigieren. 8,95 Prozent der Dresdner waren zum Jahresende 2014 überschuldet, Ende 2009 betrug dieser Wert noch 8,05 Prozent. Immerhin haben die Dresdner ihre Finanzen wesentlich besser im Griff als die Leipziger: In der Messestadt ist jeder achte Einwohner verschuldet, die Quote liegt bei 13,04 Prozent.

Über solche Werte können die Einwohner des Erzgebirgskreises nur den Kopf schütteln: Dort ist nur jeder 13. Einwohner überschuldet. Die Erklärung für dieses Gefälle? „In Leipzig liegt die Zahl der Hartz-IV-Empfänger wesentlich höher als in Dresden“, so Creditreform-Geschäftsführer Andreas Aumüller. Außerdem werde der Umgang mit Geld auch von der Mentalität bestimmt. Die Erzgebirger würden als sparsam gelten. Schließlich seien die Lebenshaltungskosten auf dem Land nicht so hoch wie in der Großstadt. Die Einwohner im ländlichen Raum würden zudem meist über Wohnimmobilien verfügen und müssten nicht einen Großteil ihres Einkommens für Mietzahlungen verwenden.

Der Schuldneratlas ist ein Spiegelbild der sozialen Entwicklung

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Dresden-Prohlis aus der Luft.

Quelle: Simone SchulterDraffehn

Insofern verwundert es wenig, dass eher ländlich geprägte Ortsteile wie Langebrück (3,98 Prozent), Weixdorf (4,09 Prozent), Gompitz (5,62 Prozent) oder das Schönfelder Hochland (6,11 Prozent) eine geringe Dichte an überschuldeten Einwohnern aufweisen. Aber auch wohlsituierte Stadtviertel wie Plauen (5,01 Prozent), Loschwitz/Pillnitz (5,13 Prozent), Bühlau/Weißer Hirsch (5,41 Prozent) oder Klotzsche/Hellerau (5,91 Prozent) liegen deutlich unter dem Stadtdurchschnitt. Die meisten Schuldner leben in den Plattenbauvierteln Prohlis (17,02 Prozent) und Gorbitz (17 Prozent), gefolgt von Pieschen (16,61 Prozent) und Friedrichstadt/Altstadt (13,11 Prozent). Die Äußere Neustadt weist einen Wert von 11,55 Prozent auf.

„Sie können aus unserem Schuldner-Atlas ablesen, wie die soziale Entwicklung in den Stadtteilen voranschreitet“, erklärt Aumüller. Nach der Wende habe es eine Gleichverteilung der Schuldner im Stadtgebiet gegeben. „Dann sind Menschen mit hohen Einkommen in bestimmte Stadtviertel gezogen und Menschen mit niedrigen Einkommen haben sich in anderen Stadtteilen niedergelassen.“ In Prohlis etwa lag die Quote 2004 noch bei 11,57 Prozent, ehe sie immer mehr nach oben kletterte. „Der Wert ist schon sehr hoch“, so Schulz.

Der Stadtteil Pieschen zeige sehr deutlich, wie sich eine städtebauliche Entwicklung auch auf die Schuldnerquote auswirke. 2005 betrug die Quote noch 24,56 Prozent, jetzt ist sie deutlich unter 20 Prozent gesunken. „Das liegt auch daran, dass Häuser saniert werden und Neubauten entstehen. Pieschen hat den größten Sprung nach vorn gemacht“, so Aumüller. 

Auch Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur wie die Waldschlößchenbrücke würden sich indirekt auf die Schuldnerquoten auswirken. „Das Gebiet rund um die Blasewitzer Straße ist jetzt viel besser an die Autobahn angebunden und damit als Gewerbestandort attraktiv geworden. Dadurch entstehen Arbeitsplätze“, erklärt der Geschäftsführer.

Jede städtebauliche Entscheidung werde die Werte des Schuldner-Atlasses verändern. Entstehen in einem Stadtviertel noble Eigentumswohnungen, hat das ebenso Auswirkungen wie der Bau von günstigem Wohnraum in einem anderen Stadtteil, so Schulz. „Die Schuldnerquote ist gewissermaßen ein Spiegelbild der Investitionspolitik.“

Langfristig fehlen die Rücklagen für unerwartete Ausgaben

Warum geraten Menschen in die Schuldenfalle? Angesichts einer stabilen Konjunktur sind ökonomische Auslöser wie der Verlust des Arbeitsplatzes und eine gescheiterte Selbstständigkeit seltener dafür verantwortlich: 22 Prozent der Schuldner haben nach dem Verlust des Arbeitsplatzes finanzielle Probleme bekommen, acht Prozent, weil es mit dem eigenen Unternehmen schiefging. Persönliche Schicksalsschläge wie Krankheit (13 Prozent) und Scheidung/Trennung (13 Prozent) bringen Menschen auch finanziell an den Abgrund, stark zugenommen hat das Thema „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ mit zwölf Prozent. „Das sind Menschen, die über ihre Verhältnisse leben und deutlich mehr konsumieren, als sie sich leisten können“, erklärt Schulz. Der anonyme Onlinehandel im Verbund mit den niedrigen Zinsen, aber auch der bargeldlose Einkauf führten dazu, dass Menschen den Überblick über ihre finanziellen Verhältnisse verlieren und ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können. „Niedrige Zinsen haben einen geringen Sparwillen zur Folge. Sparguthaben werden aufgebraucht und Geld ausgegeben. Langfristig fehlen dann die Rücklagen für unerwartete Ausgaben“, so Schulz.

Der Prokurist glaubt, dass der richtige Umgang mit dem Geld in der Schule vermittelt werden müsste. „Die junge Generation muss lernen, dass sich nicht jeder Wunsch sofort erfüllen lässt. Auch wenn es durch die Werbung so suggeriert wird.“

Immerhin gibt es einen kleinen Lichtblick: Die Verschuldung der jüngsten Verbrauchergruppe von 18 bis 30 Jahren ist leicht zurückgegangen. Ursache könnte laut Aumüller der Preisverfall in der Telekommunikationsbranche sein. Sogenannte Flatrates würden das Überschuldungspotenzial dieser Altersgruppe hemmen. Die höchste Überschuldung weist die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen auf, aber auch die Überschuldung der älteren Menschen nimmt zu. „In Dresden sind die Lebenshaltungskosten überproportional zum Einkommen gestiegen. Mieten und Wohnnebenkosten haben sich stark erhöht. Damit wächst das Risiko, in die Schuldenfalle zu kommen“, sagt Schulz.

Thomas Baumann-Hartwig

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