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Dresden-Gohlis räumt auf – Anwohner wütend wegen Verzögerung beim Deichbau

Dresden-Gohlis räumt auf – Anwohner wütend wegen Verzögerung beim Deichbau

Die Elbe in Dresden hat sich über das Wochenende langsam zurückgezogen und gibt nun den Blick auf total verschlammte, zerstörte Häuser und Grundstücke frei.

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Die Anwohner versuchen nach der Flut die Schäden, die die Wassermassen verursacht haben, zu beseitigen.

Quelle: Hauke Heuer

Besonders verheerend waren die Fluten in den Ortsteilen Gohlis und Obergohlis im Dresdner Westen. Seit Sonntag kehren hier die Bewohner zu ihren Behausungen zurück und beginnen mit den Aufräumarbeiten. Schlamm liegt in den Vorgärten. Es riecht modrig und in den Kellern steht nach wie vor das Wasser. Die Gehwege ganzer Straßenzüge sind vollgestellt mit zerstörten Möbeln und herausgerissenen, total aufgeweichten Trockenbauwänden. Viele Opfer versuchen, die Zerstörung mit Galgenhumor zu nehmen. Doch meistens blickt man in leere, müde Gesichter.

„Wir werden mindestens noch zwei Monate in einer Ferienwohnung in Coswig bleiben müssen“, sagt Pierre Fritzsch, der zusammen mit seinen Eltern an der Gartenstraße wohnt. Das Wasser hat die gesamte erste Etage des Hauses geflutet und Schäden an der Bausubstanz verursacht. „Wir entfernen gerade die Tapete sowie die Dämmung und hoffen, dass wir die Fertigbauwände trocken legen können“, sagt Fritzsch. Seine Familie muss nun schon zum zweiten Mal in mühsamer Kleinarbeit alles wieder herrichten. 2001 und damit ein Jahr vor der Jahrhundertflut sind sie in das Gebäude gezogen.

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Die Aufräumarbeiten in Gohlis sind im vollen Gange

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„Wir und unsere Nachbarn sind sauer, dass die Flutschutzanlagen noch nicht wie geplant erhöht worden sind“, sagt er und hofft, dass das Wasser bei der nächsten Flut hinter einem höheren Deich in seinem Flussbett bleibt. Der Bau an dem 900 Meter langen Gohliser Deichabschnitt hatte erst im Februar begonnen. Mit 8.000 Kubikmetern Beton, 1.800 Tonnen Stahl, 4.000 Quadratmetern Spundwände sowie 50 Brunnen im Hinterland sollte Gohlis auf ein neues Jahrhunderthochwasser vorbereitet werden. Was von der Baustelle übrig geblieben ist, kann noch nicht gesagt werden.

Bürgerproteste sorgten für Verzögerung der Deicherhöhung

Der Baubeginn der Anlage hatte sich aufgrund von Bürgerprotesten immer weiter nach hinten verschoben. Als sich die Landestalsperren-Verwaltung schlussendlich mit allen Bürgern geeinigt hatte, verzögerte der Gohliser Wolfgang Schütze durch eine Klage gegen die Deicherhöhung den Baubeginn abermals. „Wir wollen eine vollmobile Schutzlinie und keine, die das Ortsbild so verschandelt“, äußerte er sich 2011 gegenüber den DNN. Nach Aussagen von Anwohnern wurde Schütze seit einer Woche nicht mehr in Gohlis gesehen. Einige munkeln, dass er aus Angst vor seinen Nachbarn fern bleibt.

Die Bürgerinitiative bestreitet allerdings eine Mitschuld: "Der Bauablauf am Deichabschnitt Gohlis wurde nicht durch Bürger unserer Ortschaft verzögert", hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag.

„Man sollte nun diejenigen zur Verantwortung ziehen, die über Jahre einen zügigen Baubeginn verhindert haben“, sagt der Obergohliser Lothar Geiger, der erst 2008 trotz Flutgefahr ein Haus an der Gartenstraße gebaut hat. Die Grundmauern von Geigers Haus bestehen aus speziellem Beton, dass das Wasser nicht aufsaugt. Trotzdem sind die Schäden immens. „Wir müssen den gesamten Fußboden erneuern und neu streichen. Die 400 Euro Fluthilfe, die wir erhalten haben, werden dafür sicher nicht ausreichen“, sagt Geiger.

Wenige hundert Meter weiter auf der Cossebauder Straße werden ebenfalls harte Töne gegen die hausgemachte Bauverzögerung angeschlagen. „Sicher kann man Wolfgang Schütze nicht die alleinige Verantwortung für die Überschwemmung anlasten, aber ich konnte die Argumente der Bürgerinitiative und die Notwendigkeit, gegen die Deicherhöhung zu klagen, nie nachvollziehen“, sagt Michael Kastner, dessen Haus ebenfalls bis zur ersten Etage in den Fluten versunken ist. Spätestens nachdem sich vor zwei Jahren auch die letzten Bürger nach Gesprächen mit der Oberbürgermeisterin und der Talsperrenverwaltung einen Kompromiss mit einer abgesenkten Flutmauer gefunden hatten, wäre der Zeitpunkt gekommen, es gut sein zu lassen und nicht wie Schütze weiter zu klagen, so Kastner.

Egal welchen Gohliser man fragt, während sie ihre Keller auspumpen oder mit dem Kärcher dem Schlamm beleibe rücken, alle wünschen sich, dass sie bei der nächsten Flut von einem höheren Deich vor einer erneuten Katastrophe bewahrt werden.

Hauke Heuer / sl

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