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Dresden-Friedrichstadt: Eltern mahnen mehr Engagement für Familien an

Dresden-Friedrichstadt: Eltern mahnen mehr Engagement für Familien an

„Die Friedrichstadt kommt“, heißt es seit einigen Jahren in Dresden. Die einstige Dreckecke zwischen Elbe, Nossener Brücke, Flügelweg und Bahnhof Mitte mausert sich ganz langsam.

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Ein Plus der Friedrichstadt: die zentrumsnahe Altbausubstanz.

Quelle: Tanja Kirsten

Immer mehr Altbauten werden saniert, im ehemaligen Bramschgelände entstanden mehr als 40 Einfamilienhäuser.

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Die Dresdner Friedrichstadt im Wandel

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„Die Friedrichstadt ist Dresdens Stadtteil mit dem größten Zuwachs, vor allem junge Leute zieht es in das Viertel“, sagt Marion Kempe vom Bauforum Dresden. Die Zentrumsnähe, gute medizinische Versorgung und das Grün des Ostrageheges und vor allem die noch vergleichsweise niedrigen Mieten ziehen die Menschen an.

Problem Kita-Plätze

Trotzdem gebe es genügend Probleme. In einer Diskussionsrunde des Herbert-Wehner-Bildungswerks am Dienstagabend bemängelten zahlreiche Anwohner verschiedene Punkte. So fehlen in der Friedrichstadt Kita-Plätze. Laut SPD sind es aktuell 170, Tendenz steigend. Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) gibt zu, dass die steigenden Kinderzahlen im Viertel eine Herausforderung sind. Auch dass Kita-Plätze fehlen, gesteht er, zweifelt jedoch die Zahl von 170 an, da nicht alle Eltern einen Kita-Platz in Wohnortnähe wünschen.

Das Problem sei, dass die Kommune in der Friedrichstadt kaum über eigene Grundstücke verfügt. Und sobald die Stadt sich für private Flächen interessiere, gingen dort die Kaufpreise nach oben. Aktuell gebe es zusammen mit der Cultus gGmbH Pläne für eine Kita an der Löbtauer Straße, ansonsten müssten Eltern aber in den sauren Apfel beißen und einen weiter entfernten Betreuungsplatz wählen. Eine kurzfristige Lösung werde es nicht geben. Von Anwohnern vorgeschlagene Flächen seien meist zu klein.

Zudem bringt Seidel einen weiteren Punkt ins Gespräch: in der Friedrichstadt gibt es bislang nicht eine Tagesmutter oder einen Tagesvater. Hier wolle er gezielt um neue Tageseltern werben, die die Situation im Viertel entlasten.

Eltern wünschen sich „ambitionierte Grundschule“

Der Zuwachs an jungen Familien wirkt sich auch auf die Grundschule im Viertel aus. Hier bemängeln die Eltern fehlende Mitsprachemöglichkeiten. Die Schule sei „ein bisschen stehen geblieben“, ärgerte sich ein Friedrichstädter. Erst 2013 habe es auf Druck der Eltern eine erste Schulversammlung gegeben. Zudem fordern mehrere Eltern von der Stadt mehr Engagement. Der Migrationsanteil sowie der Anteil der Schüler aus sozial schwachen Familien seien vergleichsweise hoch. Die 48. Grundschule brauche einen Sozialarbeiter.

Sorge um „geteilte“ Friedrichstadt

Dass die Friedrichstadt bunt ist, birgt für die meisten Anwohner mehr Chancen als Risiken. Allerdings wird angemahnt, dass sich die Stadt der Friedrichstadt weiterhin besonders widmen müsse. Mit dem Riesa e.V. und der mobilen Jugendarbeit durch die Outlaw gGmbH sei die Friedrichstadt bereits gut aufgestellt, so Seidel. Die Stadt könne aber noch mehr tun, fordert Tom Umbreit vom Quartier Friedrichstadt e.V.

So machten am Dienstagabend Befürchtungen die Runde, das Viertel könnte zweigeteilt werden. Während der barocke Kern um das Krankenhaus Friedrichstadt und die Neubauten im Bramschgelände blühe, bleibe die südliche Friedrichstadt um die unsanierten Plattenbauten an der Schäferstraße abgehängt. Seidel versprach, sich noch einmal mit der Gagfah als Immobilienbesitzer zu verständigen. Zudem sei eine Aufwertung der Schäferstraße mit mehr Grün geplant.

Wie geht es im Viertel weiter?

Zumindest die Stadträte Joachim Stübner (CDU) und Axel Bergmann (SPD) sind sich einig: Die Friedrichstadt habe großes Potenzial. Allerdings wurde das Viertel mehrfach zurückgeworfen. Dass das Quartier nicht direkt nach der Wende Sanierungsgebiet wurde, habe die Entwicklung gebremst. Dass die Friedrichstadt bis zur Fertigstellung des Flutschutztores am Steyer-Stadion als Überschwemmungsgebiet galt und daher keine Baugenehmigungen erteilt werden konnte, bremste ebenso, merkte Stübner an. Für ihn gehe es jetzt darum, weiter Stadtreparatur zu betreiben. Die Friedrichstadt sei noch immer „ein Stück Barock-Juwel“.

Wie Axel Bergmann feststellt, liegt der Leerstand in der Friedrichstadt aber noch immer bei über zehn Prozent. Trotzdem würden die Mieten steigen. Er plädiert für eine Deckelung der Neumieten, hier sei Dresden aber auf bundesweite Regelungen angewiesen.

Auch der Verkehr wird moniert. Vor allem Radwege und Fußgängerüberwege müssten kinderfreundlicher werden. Wege zu Schulen, Kitas oder den Freizeitflächen im Ostragehege müssten sicherer werden.

Bei der Bebauung von Brachen sind sich dagegen vor allem die Anwohner nicht einig. So finden die seit Jahren zirkulierenden Pläne für ein Einkaufszentrum an der Ecke Friedrichstraße/Weißeritzstraße Befürworter und Gegner. Und während der eine Anwohner froh über jede beseitigte Brache ist, freuen sich andere über die Flächen, auf denen sich Kinder auch mal austoben könnten.

„Die Friedrichstadt kommt nach wie vor“, ist sich SPD-Stadtrat Bergmann sicher. Das Viertel hätte durch seine Lage und Ausgangsbedingungen gute Chancen, sich im positiven Sinne weiterzuentwickeln. Bergmann warnt aber auch: „Noch sind wir nicht da, wo wir eigentlich sein sollten.“

sl

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