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"Dresden Elektronik" arbeitet an vernetzten Wohnungen

"Dresden Elektronik" arbeitet an vernetzten Wohnungen

Um sich unabhängiger von den Schwankungen der Elektronikbranche zu machen, baut der Reicker Auftragsfertiger "Dresden Elektronik" sein Portfolio eigener Produkte derzeit aus.

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Technikassistentin Franziska Jahn von "Dresden Elektronik" zeigt einen der neuen Fahrplanaushänge mit elektronischem Papier.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Darunter sind einige echte Innovationen: Fahrplan-Aushänge aus elektronischem Papier zum Beispiel und Technologien für das per Computertelefon steuerbare vernetzte Heim von morgen. Perspektivisch sieht Geschäftsführer Lutz Pietschmann damit erhebliches Wachstumspotenzial für das Unternehmen - das sich im Gewerbegebiet Reick bereits Flächen für einen Erweiterungsbau reserviert hat.

Stellen Sie sich vor, sie gehen nachts zu einer Bushaltestelle: Sie müssen kein Feuerzeug zücken, um den Fahrplan lesen zu können, sondern das ePapier-Terminal schaltet automatisch das Licht an, wenn Sie sich nähern. Und siehe da, die Zahlen und Buchstaben auf dem Aushang verändern sich plötzlich: Aha, der nächste Bus verlässt gerade den Hauptbahnhof und wird schon in fünf Minuten hier sein. Die Dispatcher-Zentrale der Verkehrsbetriebe hat gerade neue Infos eingespielt-

Ganz so weit ist die Technik zwar noch nicht, aber ferne Zukunftsmusik ist dies auch nicht mehr: Die ersten ePapier-Aushänge, die zumindest schon Fahrplanwechsel automatisch anzeigen, sollen schon bald in Dresden in den Pilotbetrieb gehen. Entwickelt wurde diese Technik größtenteils in Dresden: Das elastische Elektronikpapier, das nur bei Anzeige-Änderungen etwas Strom verbraucht, kommt aus dem Plastic-Logic-Werk in Rähnitz, das Komplettgerät "deZign" von "Dresden Elektronik".

"Wir mussten uns dafür zwar erst mal neue Fertigungstechniken aneignen, aber das lohnt sich", sagt Chef Pietschmann. "Das Interesse an diesen ePapier-Aushängen ist deutschlandweit groß." Denn wenn sich die neue Technik bewährt, müssen Verkehrsunternehmen künftig keine Plakatkleber mehr aussenden, wenn ein Fahrplanwechsel ansteht, denn die "deZigns" werden aus der Ferne von Computern gespeist. Zudem können so auch aktuelle Informationen für die Fahrgäste sofort verteilt werden. Und weil der Stromverbrauch von ePapier so niedrig ist, plant Dresden-Elektronik auch ePapier-Aushänge, die über Solarzellen selbst in der entlegensten "Pampa" ihren Energiebedarf autonom decken.

Bis zu solchen Aufträgen war es freilich ein weiter Weg: 1990 in Striesen von zwei ehemaligen Mitarbeitern des DDR-Computerkombinats Robotron gegründet, spezialisierte sich "Dresden Elektronik" zunächst auf die Auftragsfertigung von Leiterplatten und Elektronikgeräten in kleinen und mittleren Serien für Kunden wie SBS Bühnentechnik, KBA Planeta, Vacutec und andere. Mit ihrem Faible für Spezialanfertigungen, moderne Fertigungstechnik und Qualitätsanspruch machte sich die Firma einen guten Namen in Sachsen, wuchs auf über 80 Mitarbeiter, die im neuen Unternehmenssitz in Reick zuletzt sieben Millionen Euro Umsatz realisierten.

Allerdings steht und fällt der Auftragsbestand hier mit der Gesamtwirtschaftslage und daher setzt "Dresden Elektronik" nun verstärkt auf eigene Produkte. Dazu gehören neben den eHaltestellen auch funkvernetzte Wohnungen und Büros, deren Lichtatmosphäre per Computertelefon (Smartphone) oder Tablettcomputer fast beliebig eingestellt werden kann: kälteres Licht, wärmeres, rötliches und bläuliches...

Dafür baut "Dresden Elektronik" "Zigbee"-Router: Geräte, denen der bequeme Stadtmensch von der Couch aus per iPhone & Co. und WLAN-Funk befehlen kann, etwa die LED-Lampe hinten auf wärmeres und schummrigeres Licht umzudimmen, in der Küche hingegen schon mal Festbeleuchtung vorzubereiten.

Von solch vernetzten Heimen fabulieren Technik-Gurus zwar bereits seit Jahren, ohne dass daraus viel geworden wäre. Doch nun sei diese Technologie endlich auch marktreif, meint Pietschmann. Dabei sei die vernetzte Atmo-Beleuchtung erst der Anfang: Künftig werden sich auch immer Haushaltsgeräte mit seinen Zigbee-Befehlszentralen drahtlos vernetzen, hofft der "Dresden-Elektronik"-Chef. Und dann können wir endlich so schöne Dinge tun wie vom Büro aus kurz vor Arbeitsschluss die Wohnung daheim per iPhone-Befehl vorheizen, Vollzugsmeldungen der Waschmaschine per SMS bekommen oder dem Ofen befehlen, schon mal die Gans in der Röhre anzubraten. Schöne neue vernetzte Welt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2013

Heiko Weckbrodt

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