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Diskussion über Polizeigewalt: Verletzte Demonstrantin vom 15. Februar in Dresden berichtet

Diskussion über Polizeigewalt: Verletzte Demonstrantin vom 15. Februar in Dresden berichtet

Der Fall eines zuschlagenden Beamten am Rande einer Chemnitzer Demonstration am Montag ist offenbar kein Einzelfall. In Dresden meldete das Bündnis Nazifrei nach einer Neonazi-Demo am 15. Februar mehrere Verletzte.

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Quelle: Stephan Lohse

DNN-Online sprach mit einer jungen Frau, die nach eigener Aussage von einem Polizisten umgeschubst und so ins Krankenhaus befördert wurde.

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Dresden am 15. Februar: Neonazi-Demo und lautstarke Gegenproteste

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Die 26 Jahre alte Studentin Julia hatte sich am 15. Februar an der Demo gegen einen Neonazi-Aufmarsch an diesem Tag beteiligt. Seit sie 17 ist, engagiert sie sich gegen Rechtsextreme, und „immer friedlich“, wie die junge Frau betont. „Ich möchte nicht, dass Verbrecher laufen können“, sagt sie. Sie wolle nicht, dass Neonazis ihren Hass öffentlich verbreiten können.

Am 15. Februar hatte sie sich zunächst an der Blockade auf der Sophienstraße beteiligt. Nachdem diese sich langsam auflöste, wollte sie zur großen Gegendemo auf dem Theaterplatz. Da der direkte Weg durch die Polizei versperrt war, lief Julia zusammen mit anderen Menschen um den Zwinger herum, um über die Rückseite der Semperoper zu den anderen Demonstranten zu gelangen, berichtet sie.

Am Zwingerteich war Schluss

In Höhe „Am Zwingerteich“, auf der Rückseite des Wallpavillons war jedoch Schluss. Wie die junge Frau berichtet, versperrte eine Polizeikette den Weg über die Grünfläche. Warum die Beamten dort standen, ist unklar. Ohne Sperre wäre an der nächsten Polizeikette zwischen Semperoper und Zwinger Schluss gewesen.

Julia und die anderen hätten dort in Sicht- und Hörweite gegen den Neonazi-Aufmarsch protestieren können. Auf der anderen Seite der Semperoper wären die Betroffenen ebenfalls nicht direkt auf die Neonazi-Kundgebung sondern auf die Gegendemo rund um Dresden Nazifrei gestoßen. Als sie vor der Polizeikette stand, sei plötzlich Bewegung in die Angelegenheit gekommen, erinnert sich die Studentin. Auf der Straße sei eine Gruppe an den Polizisten vorbei gerannt, berichtet sie. Die Polizisten hätten die Sperre aufgegeben, um der Gruppe zu folgen, der Weg war frei. „Dann jetzt durch“, dachte sich auch Julia und lief los. Doch die Polizisten kamen zurück. „Ich habe dann für mich gemerkt, ich komme da nicht mehr durch“, erinnert sich Julia. „Ich bleib mal lieber stehen.“

Auf einmal habe dann ein Polizist neben ihr gestanden. „Ich weiß nicht, ob er noch was zu mir gesagt hat. Plötzlich lag ich auf dem Boden“. Der Polizist habe sie mit Kraft zu Boden gestoßen. Julia fiel hin und prallte mit dem Hinterkopf gegen die steinerne Umfassung des Weges.

Polizisten griffen nicht ein

Was dann genau passierte, ist unklar. „Ich war total weg“, gibt Julia zu. Zum Glück seien schnell Helfer da gewesen, hätten ihren Puls gefühlt, riefen Sanitäter und sorgten dafür, dass die am Boden liegende Frau nicht auskühlte. Polizisten halfen jedoch offenbar nicht. Julia selbst glaubt, dass noch ein Beamter in ihre Richtung etwas rief. Ihre Helfer seien jedoch ausschließlich andere Gegendemonstranten gewesen.

Laut übereinstimmenden Zeugenaussagen, die DNN-Online vorliegen, hatten die Polizisten nichts unternommen, um der benommenen Frau zu helfen, im Gegenteil: „Ein paar andere Demonstranten versuchten sofort ihr zu helfen, da sie aber direkt vor den Füßen eines weiteren Polizisten lag, wurden die Demonstranten, die versuchten zu helfen, auch wieder weggeschubst“, heißt es in einer Zeugenaussage.

Die Einsatzkräfte hätten höchstens teilnahmslos daneben gestanden. Die Dresdner Polizei selbst wollte zu dem Vorfall keine Stellung nehmen und bezeichnete die Vorwürfe als haltlos. Der Fall sei nicht bekannt. Es gebe keine Informationen zu Verletzten, Rettungsdienst-Einsätze würden nicht registriert. „Die eingesetzten Beamten haben in allen Situationen zweckmäßig und verhältnismäßig gehandelt. Für deren Besonnenheit im Einsatz gilt allen mein uneingeschränkter Dank. Anders lautende Vorwürfe sind haltlos“, reagierte Dresdens Polizeichef Dieter Kroll auf die Vorwürfe.

 „Ich habe nichts falsch gemacht“

Julia wurde schließlich per Krankenwagen ins Diakonissenkrankenhaus gebracht. „Ich konnte nichts fixieren“, sagte sie. Eine Computertomografie sei ohne Ergebnis geblieben, Kopf- und Nackenschmerzen, eine dicke Beule, Schwindel und Übelkeit blieben jedoch noch für mehrere Tage. Trotzdem wolle sie auch künftig gegen Neonazis auf die Straße gehen. „Ich habe nichts falsch gemacht“, sagt sie. Sie sei eben nicht weiter gerannt, als die Polizisten zurück kamen, sondern sei stehen geblieben. „Ich finde, ich habe mich absolut richtig verhalten. Klar mache ich weiter.“

Eine Anzeige gegen den Polizisten, der sie zu Boden stieß und so ins Krankenhaus beförderte, wolle sie nicht stellen. „Was soll es bringen“, fragt Julia. Zum einen könne sie ihn nicht identifizieren, sei sich nur relativ sicher, dass er aus Niedersachsen kam. „Eigentlich müsste man es anzeigen“, meint die junge Frau, „aber man hat ja gar keine Chance“.

Dresden Nazifrei fordert Konsequenzen

Das Bündnis Dresden Nazifrei jedoch fordert Konsequenzen. Dem Bündnis seien rund 30 Verletzte bekannt. Es handele sich zudem nicht um typisches Demo-Verhalten von Polizisten, kritisiert Nazifrei-Sprecher Silvio Lang. Das Bündnis habe Fälle dokumentiert, in denen Einsatzkräfte eingegriffen hätten, obwohl sich die Betroffenen friedlich und deeskalierend verhalten hätten. Aktuell bereite man alle Protokolle und Zeugenaussagen auf, um sie den innenpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen und dem Innenminister zur Verfügung zu stellen.

Das Bündnis wolle, dass sich die Verantwortlichen mit den Geschehnissen auseinandersetzen. Die hohe Zahl von Verletzten zeige, „dass bei diesem Einsatz grundsätzlich etwas schiefgegangen ist“, so Silvio Lang. Polizeichef Dieter Kroll wollte darauf jedoch nicht eingehen. „Ich verweigere mich einer ‚antifaschistische Werteordnung’ als Maßstab zur Beurteilung der Verhältnismäßigkeit unseres Polizeieinsatzes“, teilte Kroll gegenüber DNN-Online mit.

Stephan Lohse

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