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Dieter Teichmann, Spezialist für die Behandlung von HIV-Patienten am Krankenhaus Neustadt, im Interview

Steigende Zahl von Neuinfektionen Dieter Teichmann, Spezialist für die Behandlung von HIV-Patienten am Krankenhaus Neustadt, im Interview

Dieter Teichmann ist Internist am Krankenhaus Neustadt mit Spezialisierung für Infektions- und Tropenmedizin und betreut Menschen, die mit HIV leben seit mehr als 20 Jahren. Am Klinikum Dresden Neustadt besteht ein Zentrum für Infektion-, Reise- und Tropenmedizin.

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Dieter Teichmann, Internist im Krankenhaus Neustadt

Quelle: PR

Dresden. Dieter Teichmann ist Internist am Krankenhaus Neustadt mit Spezialisierung für Infektions- und Tropenmedizin und betreut Menschen, die mit HIV leben seit mehr als 20 Jahren. Am Klinikum Dresden Neustadt besteht ein Zentrum für Infektion-, Reise- und Tropenmedizin. Hier findet unter anderem die spezialisierte Betreuung von Patienten mit HIV-Infektion/Aids-Erkrankungen im ambulanten und stationären Bereich statt.

Frage: Wie ist der aktuelle medizinische Stand bei der Behandlung von HIV/Aids?

Die Infektion mit dem HI-Virus findet über ungeschützten Sexualverkehr mit jemandem, der das Virus trägt, intravenösen Drogenkonsum mit HIV kontaminierten Nadeln, Stichwort "Needle sharing" sowie die Übertragung von HIV infizierten Schwangeren auf ihr Kind statt. Im Gegensatz zu vielen anderen Infektionskrankheiten kann unser Immunsystem den "Feind" zwar erkennen, aber nicht abwehren. Das heißt, das Virus verbleibt chronisch im Körper. Besonders unangenehm ist, dass das Virus unser körpereigenes Immunsystem, besser gesagt unsere Abwehrzellen infiziert und sich in ihnen vermehrt. Im Rahmen dieser Virusvermehrung sterben diese Immunzellen (sogenannte "Helferzellen") dann ab und unser Immunsystem verliert über die Monate und Jahre an Funktion. Bei Abfall auf kritische Werte treten dann häufig die sogenannten opportunistischen Erkrankungen auf, die schweres Leid und unter Umständen auch den Tod verursachen können, das sogenannte Stadium AIDS der HIV-Infektion.

Dies ist der sogenannte "natürliche Verlauf" der HIV Infektion, also unbeeinflusst durch eine Therapie. Diese ist der hauptsächliche Ansatzpunkt in der Behandlung der HIV-Infektion. Immer wieder geschilderte Erfolge z.B. das Herausschneiden des kompletten HIV-Pools aus den Körperzellen oder die Transplantation von Knochenmark-Stammzellen, die sich nicht mit HIV infizieren lassen oder der Schutz oder die Therapie mit einer Impfung haben bisher, wenn überhaupt Einzelfallcharakter und sind auf die Masse der Menschen, die mit HIV leben müssen, nicht anwendbar. Hier bleibt der Durchbruch bisher aus.

Eine gewünschte Heilung vom Virus ist dadurch für Masse der Betroffenen nicht, hoffentlich nur noch nicht, zu erzielen. Es bleibt die durchaus erfolgreiche medikamentöse Therapie, die zu einer funktionellen Heilung führt, das bedeutet, man kann das Virus sehr unterdrücken und ein nahezu "unbeeinflusstes Leben" führen.

Mit welchen Medikamenten behandeln Sie? Wie hat sich die Wirksamkeit in den letzten Jahren verändert?

Alle Medikamente versuchen den Vermehrungsprozess des HI-Virus im Körper, insbesondere in den Immunzellen zu verhindern. Dieser virale Vermehrungsprozess besteht aus verschiedenen Schritten, die durch verschiedene Stoffgruppen gehemmt werden können. Die Kombinationstherapien bestehen aus mindestens drei verschiedenen Präparaten und sollen eine größtmögliche Hemmung des Virus im Körper erzielen. Die Tablettenanzahl hat sich verringert bis hin zu Kombinationstabletten zur einmaligen Einnahme am Tag. Gleichzeitig hat sich die Zahl und Ausprägung von unerwünschten Wirkungen verringert. Vorhanden sind sie aber weiterhin.

Schlussendlich verbleibt es aber dabei, wer einmal mit dem Virus infiziert ist, der bleibt infiziert und muss zum jetzigen Stand der medizinischen Wissenschaft lebenslang damit leben und dementsprechend lebenslang eine medikamentöse Therapie hinnehmen.

Wie hoch ist die aktuelle Lebenserwartung? Wie hat sich diese verändert?

Wird die HIV Infektion frühzeitig erkannt und in Abhängigkeit von der noch vorhandenen Funktion des Immunsystems auch dementsprechend mit Medikamenten gegen das Virus behandelt, dann liegt statistisch die mittlere Lebenserwartung bei den Betroffenen in etwa bei der mittleren Lebenserwartung der nicht mit HIV infizierten Bevölkerung. Dies ist ein großer Fortschritt gegenüber Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, als keine oder nur unzureichende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung standen.

Der Erfolg in der HIV-Medizin zeigt sich unter anderem an dem Rückgang der jährlich an der HIV-Infektion bzw. deren Folgen verstorbenen Menschen. Diese lag Anfang der neunziger Jahre noch bei über 2000 Menschen pro Jahr. Heute sterben in Deutschland etwa 500 bis 600 Menschen pro Jahr an den Folgen der Infektion.

Insgesamt so schätzt das Robert-Koch Institut leben aktuell etwa 80 000 Menschen in Deutschland mit dem Virus. Bedingt durch die glücklicherweise längere Lebenszeit im Rahmen besserer Therapiemöglichkeiten und leider durch einen seit Jahren stetigen Anstieg der HIV -Neuinfektionen auf mittlerweile 3500 pro Jahr hat sich die Anzahl der Betroffenen, die mit dem Virus leben, seit dem Jahr 2001 bis heute von 40.000 auf 80.000 Menschen nahezu verdoppelt.

Wie oft empfehlen Sie Ihren Patienten einen Arztbesuch bei Ihnen?

Wir betreuen in unserer Ambulanz etwa 175 Patienten. Wenn diese gut medikamentös eingestellt sind, dann beschränkt sich die Anzahl der Konsultationen auf etwa zwei im Quartal. Hier erfolgen Blutabnahme mit Messungen insbesondere des Immunstatus und der HI-Viruslast im Blut, klinische Untersuchungen und ggf. Impfungen. Bei Patienten mit deutlich eingeschränktem Immunsystem und opportunistischen Erkrankungen wie z.B. Tuberkulose oder Toxoplasmose des Gehirns können auch mal zehn und mehr Konsultationen pro Quartal notwendig sein. Insgesamt richtet sich dies nach dem Gesamtbild des Patienten. Insgesamt gehören Menschen die mit HIV leben zu einem der besten untersuchten Patientenkollektive in Deutschland.

Gibt es Di nge im Alltag auf die Ihre Patienten besonders achten müssen?

Ja. Unter anderem sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen eingehalten werden. Hier kann man klinisch und laborchemisch Probleme erkennen und betreuen. Unter anderem können bei den regelmäßigen Konsultationen z.B. Problem einer Resistenzentwicklung des Virus gegenüber den eingenommenen Medikamenten erkannt und gebannt werden.

Julia Vollmer

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