Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
"Dieses Hin und Her ist entwürdigend"

"Dieses Hin und Her ist entwürdigend"

Die Enttäuschung stand den Mitgliedern des Freundeskreises Sowjetischer Garnisonfriedhof (FK) ins Gesicht geschrieben. Beim Krisentreffen mit Oberstleutnant Henry Hölzner, Kasernenkommandant der Dresdner Offizierschule, herrschte Ratlosigkeit.

Voriger Artikel
Dresden nimmt Abschied von Prinz Albert - mehr als 500 Trauernde in der Kathedrale
Nächster Artikel
Appell an die Stadträte: Fördergesellschaft für Busmannkapelle hofft auf Geld aus dem Rathaus

Hier hätten die Offiziersschüler aufräumen sollen, der Einsatz wurde aber kurzfristig abgeblasen. Der Freundeskreis der Anlage an der Marienallee hofft, dass der Nordflügel des Friedhofs dennoch erhalten bleibt.

Quelle: Carola Fritzsche

Von Jane jannke

Rund 80 junge Offizierschüler hatten sich auf Anregung ihres Kommandeurs, Brigadegeneral Jürgen Weigt, angemeldet, um den Nordflügel des Soldatenfriedhofes an der Marienallee vor dem Winter in Schuss zu bringen. Gegen 13 Uhr hätte es am Montag losgehen sollen - doch in letzter Minute ließ der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) alles platzen. "Man hat uns am Freitag mitgeteilt, dass keine Genehmigung erteilt wird", bestätigte Weigt. "Das ist schade, aber der Eigentümer hat Hausrecht. Das respektieren wir natürlich."

Bewerten will Weigt die Abfuhr nicht. Er ist vorsichtig. In die seit zwei Jahren schwelende Machtprobe zwischen SIB und den umtriebigen Friedhofsfreunden will er sich nicht hineinziehen lassen. Die lehnen die SIB-Pläne ab, aus dem unter Denkmalschutz stehenden Nordflügel, der sowohl Kriegs- als auch Nichtkriegsgräber beherbergt, eine "grüne Wiese" machen zu wollen, die sich künftig preiswerter pflegen lässt. Grabmale und Friedhofsarchitektur sollen für 250 000 Euro einem kleinen Gedenkbereich weichen (DNN berichteten). Der FK wähnt wichtige Zeugnisse der Besatzungsjahre in Gefahr. Weigt sieht das ähnlich. Er stammt aus dem Westen Deutschlands, stand im Kalten Krieg auf der "anderen" Seite. Trotzdem sagt er heute: "Wie wir waren auch die sowjetischen Soldaten überzeugt, sich für die richtige Sache einzusetzen. Das ist das, was wir unseren Schülern heute beibringen." Dem "Nachwuchs" habe er so praktisch vermitteln wollen, dass Tod und Verwundung heute nicht mehr nur theoretische Möglichkeit sind.

Die SIB-Absage hat es in sich. Von einer Ankündigung eines Arbeitseinsatzes durch die Offizierschule will der zuständige Bereichsleiter Stefan Wagner nämlich bis vergangene Woche nichts gewusst haben. "Wir können den Eingang einer E-Mail vom 2. Oktober bestätigen", heißt es vonseiten der Behörde. "Kann nicht sein", sagt Kasernenkommandant Hölzner, die Heeresschule habe den SIB bereits Ende Juli über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt. "Es kam aber nie eine Reaktion", so Hölzner, deshalb habe man vergangene Woche noch einmal nachgehakt. Damit, dass dem Eigentümer ein ehrenamtlicher Beitrag seiner Jungs zum Erhalt des Nordflügels nicht recht sein könnte, hatte er nicht gerechnet. Schließlich hatte es solche Einsätze auf dem Garnisonfriedhof bereits früher gegeben - da war die Anlage allerdings noch in den Händen der Stadt Dresden.

Beim Freistaat sieht man im Friedhof vor allem einen Kostenfaktor. Das bürgerliche Engagement für den Nordflügel wird nach Ansicht der Aktivisten als ungebetene Einmischung betrachtet. Bereits zuvor seien Ausstellungen zum Tag des Friedhofes und Führungen verboten worden, obwohl der Friedhof frei zugänglich ist. Also alles pure Schikane? Unfug, widerspricht die Behörde. "Der Arbeitseinsatz wurde untersagt, weil demnächst eigene Baumaßnahmen anstehen", erläuterte Sprecherin Andrea Krieger auf Anfrage. Und tatsächlich standen die Zeichen zuletzt auf Tauwetter.

Erst kürzlich hatte der SIB angekündigt, nun doch einen stabilen Wildschutzzaun zu bauen. Dem FK hatte man gar einen Runden Tisch angeboten, bei dem am 15. Oktober über die Zukunft des Nordflügels diskutiert werden sollte. "Das war das erste Mal, dass man uns überhaupt einbeziehen wollte, und wir haben dem SIB das hoch angerechnet", so FK-Sprecher Dietmar Groschischka. Doch die Freude währte nicht lange, denn mit dem Arbeitseinsatz wurde der Runde Tisch gleich mit abgeblasen - aus "terminlichen Gründen", wie es hieß. "Dieses Hin und Her ohne Angabe nachvollziehbarer Gründe ist entwürdigend", zürnte der FK-Sprecher. Beim FK fürchtet man, dass der Freistaat nun doch ohne die Bürger einzubeziehen die Abrissbirne schwingen will. Einen Ersatztermin für den Runden Tisch gibt es jedenfalls bislang nicht. Der SIB hat derweil seine Ankündigung bekräftigt: Ab Ende Oktober wird der Wildzaun gebaut.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.10.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.