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"Diese Herzklappe ist etwas ganz Phänomenales" - Dresdner Herzzentrum setzt jetzt Herzklappen ohne Metall ein

"Diese Herzklappe ist etwas ganz Phänomenales" - Dresdner Herzzentrum setzt jetzt Herzklappen ohne Metall ein

Das Dresdner Herzzentrum hat nach eigenen Angaben in Sachsen die erste künstliche Herzklappe eingesetzt, die kein Metall enthält. Davon profitieren vor allem sehr alte Menschen mit einem schwachen Herz.

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Ruth Strasser

Quelle: Thomas Albrecht

Sie bekommen Lebensjahre geschenkt. Ruth Strasser, Ärztliche Direktorin des Herzzentrums, erklärt, warum die neue Klappe eine Innovation ist.

Professorin Strasser, warum ist die neue Herzklappe für Patienten so hilfreich?

Die sogenannte "Direct Flow"-Herzklappe ist etwa ganz Phänomenales. Sie ist das völlig neue Konstrukt einer minimalinvasiven Aortenklappe. Ohne OP kann sie passgenau eingesetzt werden. Per Katheter lässt sie sich über einen Schnitt in der Leiste bis ins Herz vorschieben. Das Beste: Das Herz muss nicht wie bisher angehalten werden, sondern kann während des Eingriffs weiter schlagen. Die Patienten erhalten die künstliche Herzklappe also bei normal schlagendem Herzen. Das ist für Menschen mit einer sehr schwachen Herzleistung von großer Bedeutung.

Wie gelingt das?

Die neue Herzklappe wird über ein Katheter in die Aorta an den richtigen Platz geführt. Dort füllt der operierende Arzt die Ränder der dynamischen Bio-Klappe mit Flüssigkeit. Diese legen sich in Folge millimetergenau an die Innenwand des Blutgefäßes. Abschließend wird die Flüssigkeit abgelassen und der sich erhärtende Kunststoff Polymer eingespritzt. Man gießt die Klappenringe also im Körper aus. Das garantiert höchste Genauigkeit.

Was war bislang nicht so optimal?

Die Bio-Klappen mit Metall werden ähnlich wie ein geschlossener Schirm durch das Blutgefäß geschoben und im Bereich der kranken Klappe aufgespannt. Dabei kann es jedoch leider zu winzigen Ungenauigkeiten kommen. Stellen Sie sich vor, ein Hubschrauber muss auf einem Kreuz landen. Nur wenige Meter vor dem Boden kommt ein Windstoß - in unserem Fall der Herzschlag - und lässt den Hubschrauber abdriften. Nur winzige Millimeter können für einen Herzpatienten ausschlaggebend sein. Die Herzklappe muss komplett dicht sein.

Wem haben Sie die neue Herzklappe eingesetzt?

Einem 84-jährigen Mann aus Freiberg. Viele ältere Menschen vertragen eine OP am offenen Brustkorb, bei welcher der Kreislauf an einer Herz-Lungen-Maschine ausgelagert wird, nur sehr schlecht. Deswegen ist es eine große Erleichterung, wenn eine neue Herzklappe nur über einen kleinen Schnitt in der Leiste eingesetzt werden kann. Wenn diese passgenau ist, können dem Pa- tienten einige Lebensjahre geschenkt werden. Mein Patient jedenfalls war in den nächsten Tagen fit wie ein Turnschuh. Später brauchte er für einen stabilen Herzrhythmus noch einen Schrittmacher, doch heute geht es ihm sehr gut.

Es gibt Kritiker die meinen, minimalinvasive Operationen seien mit einem starken Risiko verbunden.

Im Gegenteil, das Risiko ist geringer als bei einer offenen Operation. Eingriffe dieser Art sollten jedoch nur in einem Herzzentrum durchgeführt werden. Die Position der neuen Klappe muss genauestens austariert werden. Gelingt dies nicht, kann es zu schweren Komplika- tionen kommen. Deswegen braucht man erfahrene Ärzte und für den Notfall immer ein herzchirurgisches Back-Up. Glücklicherweise liegt dieses Risiko bei unter einem Prozent. Die minimalinvasiven Klappen-Implantationen werden immer sicherer. Ich bin zuversichtlich, dass diese künftig so risikoarm sein werden, wie das Einsetzen von Gefäßstützen.

Können die neue Herzklappe alle Patienten bekommen?

Bislang leider noch nicht, weil es die Herzklappe derzeit nur in kleinen Größen gibt. Die Idee ist jedoch phänomenal, die neue Herzklappe ist ein ideales Zusatzkonzept für ältere Patienten mit schwachem Herzen.

Interview: Katrin Tominski

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2014

Tominski, Katrin

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