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Die perfekte Stromquelle: eZelleron baut in Dresden preiswerte Brennstoffzellen

Die perfekte Stromquelle: eZelleron baut in Dresden preiswerte Brennstoffzellen

Die Zukunft der mobilen Energieversorgung ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel und wiegt auch nicht viel mehr. eZelleron-Gründer Sascha Kühn legt die kleine Box mit USB-Anschluss auf den Tisch und versucht, die Funktionsweise des Geräts mit dem einprägsamen Namen Kraftwerk zu erklären - kein leichtes Unterfangen.

Der Stromspender, der von außen einem handelsüblichen mobilen Lithium-Ionen-Akku gleicht, trägt in seinem Inneren eine Brennstoffzelle. Modernste Technologie, die bisher nur im wesentlich größeren Maßstab - beispielsweise zur Stromversorgung in Jagd-U-Booten - zum Einsatz kommt. Der Unterschied: Die Brennstoffzellen von eZelleron werden nicht mit Wasserstoff, sondern mit simplem Feuerzeuggas, wie man es überall kaufen kann, betrieben. Luft und Gas werden im Kraftwerk ionisiert. Die Elektroden erzeugen die Spannung. Den Prozess im Detail zu erklären, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. "Der wesentliche Vorteil unseres Produktes ist der genutzte Brennstoff. Feuerzeuggas ist im Gegensatz zu Wasserstoff überall verfügbar", erklärt Kühn. Das Kraftwerk hat weitere Vorzüge: Der Stromspender muss nicht wie ein Akku stundenlang geladen werden. Sobald das Feuerzeuggas aufgefüllt ist, kann das Kraftwerk verwendet werden. Eine Füllung reicht, um zehn leere Handyakkus komplett zu laden.

Die Idee für die Technologie hatte der Startup-Gründer bereits in seiner Zeit als Doktorand an der Uni-Saarland in Saarbrücken. Im Jahr 2001 wurden erste Patente angemeldet. Doch bis Kühn das fertige Produkt in den Händen hielt, vergingen fast eineinhalb Jahrzehnte. "Wir mussten sehr viel Grundlagenforschung betreiben. 2003 hatten wir die Gewissheit, dass Kohlenwasserstoffe in Brennstoffzellen verwendet werden können. 2006 konnten wir den ersten Prototypen realisieren", erinnert sich Kühn. Alle großen Konzerne, so Kühn, hätten sich damals auf Wasserstoffbrennstoffzellen festgelegt. Deshalb hat eZelleron einen Wissensvorsprung. Das Geheimnis liegt in der Nanotechnologie, die angewendet wird, um die Beschichtung der röhrenförmigen Brennstoffzellen, bestehend aus Nickeloxyd und einer speziellen Keramik, herzustellen. Konkurrenten lägen in der Forschung drei bis fünf Jahre zurück und müssten in der Entwicklung rund 30 Patente umgehen, um ein ähnliches Produkt herzustellen.

eZellerons Kraftwerk hat bereits die Marktreife erreicht. Rund 15 000 Geräte zu je 149 US-Dollar wurden im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne im Frühjahr vorverkauft. Ab Anfang 2016 werden die Geräte an die Kunden ausgeliefert. "Die große Resonanz hat gezeigt, dass das Kraftwerk marktfähig ist", sagt Kühn. Der Ingenieur und sein 27-köpfiges Team bauen derzeit in ihrem neuen Standort an der Breitscheidstraße in Dobritz eine Fertigung auf. Im Frühjahr wurde das 2000 Quadratmeter große Gebäude bezogen - viel Platz für viele Mitarbeiter. Wieviele Arbeitsplätze entstehen, will Kühn noch nicht sagen. "Es gilt, keine falschen Hoffnungen zu wecken. In jedem Fall werden wir in den kommenden Monaten und Jahren massiv wachsen", kündigt der Wissenschaftler, der zum Unternehmer geworden ist, an. Die Produktion ins Ausland - etwa nach Asien - zu verlagern, kommt für ihn nicht in Frage. Das Knowhow sei das wichtigste Kapital von eZelleron, das nicht gefährdet werden dürfe, so Kühn.

Denn die Technologie hat großes Potenzial. Drei Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen permanenten beziehungsweise nur unregelmäßigen Zugang zu Strom. Handys und Computer werden teils gegen eine Gebühr in speziellen Geschäften geladen. Gleichzeitig wächst der Smartphone-Absatz in Entwicklungsländern rasant. Das relativ preiswert zu produzierende Kraftwerk könnte dieses Problem lösen, denn Feuerzeuggas gibt es auch in Afrika an jedem Kiosk zum Preis von rund einem Euro pro Dose.

Doch auch andere Anwendungen sind möglich. So arbeitet das Unternehmen mit einem großen deutschen Automobilhersteller zusammen. Der die Technik - betrieben mit Erdgas - in seinen Autos einsetzen möchte. Brennstoffzellen, die in Autos verbaut werden, erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 55 Prozent und verbrauchen so auf einer Fahrstrecke von 100 Kilometern nur einen Liter Gas. Der Vorteil gegenüber Wasserstoff: Ein Erdgasnetz ist bereits flächendeckend vorhanden. Die meisten Tankstellen besitzen bereits Zapfsäulen. Da die Herstellung von Wasserstoff sehr energieaufwändig ist, haben die Brennstoffzellen aus Dresden auch einen ökologischen Vorteil. Darüber hinaus soll mittelfristig eine größere Variante des Kraftwerkes angeboten werden, die auch das Laden an einer 230 V Schuko-Steckdose ermöglichen soll.

eZelleron galt in den vergangenen Jahren als eines der bekanntesten Dresdner Startups. Heute ist das Unternehmen längst seinen Kinderschuhen entwachsen. 20 Millionen Euro - vor allem aus Fördermitteln - wurden bisher in das Produkt Kraftwerk investiert. Jetzt lockt die Ernte. "Dreimal war ich aus Geldmangel kurz davor, die Flinte ins Korn zu werfen. Jetzt ist es fast geschafft", sagt Kühn.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.08.2015

Hauke Heuer

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