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Die "Oschatzer" war mal eine beliebte Einkaufsstraße - Nur wenige Händler halten hier schon lange aus

Die "Oschatzer" war mal eine beliebte Einkaufsstraße - Nur wenige Händler halten hier schon lange aus

Wer die hübsch hergerichteten Altbauten entlang der Oschatzer Straße zum ersten Mal sieht, der vermutet wohl kaum, dass sich hier ein Sorgenkind des Stadtteils versteckt.

Die bunt gestrichenen Fassaden täuschen auf den ersten Blick darüber hinweg, dass hier, in der einst so florierenden Einkaufsstraße, ein Einzelhändler nach dem nächsten die Segel streicht. Immer wieder versuchen Gastronomen, Händler und Künstler ihr Glück, denn Gewerbeflächen gibt es auf der "Oschi" zuhauf. Doch nicht selten klebt nach wenigen Monaten einer Ladeneröffnung wieder der Schriftzug "ZU VERMIETEN" auf den Schaufenstern. Geblieben sind ein paar alte Hasen, die mit ihren Geschäfte seit Jahren das Bild der Straße beleben.

"Nur mit Fleiß, Optimismus und vor allem Kreativität kann man sich hier behaupten", erklärt Yvonne Geffarth. Sie gehört zu denjenigen, die sich im einstigen Pieschener Einkaufsviertel dauerhaft eingerichtet haben. In ihrem "Atelier 23" an der Ecke Oschatzer/Bürgerstraße brummt das Geschäft. Die 59-Jährige entwirft, schneidert und verkauft hier individuelle Mode für Kinder und Erwachsene. Fast jedes Teil ist ein Unikat.

Das sei auch ihr Erfolgrezept, meint Geffarth. Seit der Wende hätte sich im Einzelhandel in dem gesamten Stadtgebiet unheimlich viel getan, Billiggeschäfte seien wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Menschen kauften ein, was das Zeug hielt. Als Geffarth 1994 in Pieschen ihr "Atelier 23" eröffnete, verkaufte sie zu 90 Prozent Fremdmarken. "Damals wollten die Leute eben das, was es überall, nur bei uns in Dresden noch nicht gab", sagt die Schneiderin. Nach und nach sattelte sie fast völlig auf Eigenproduktion um und sicherte so das Überleben des kleinen Modegeschäfts. Denn die großen Discounter, die die Wende in Massen anspülte, schluckten viele kleine Händler mit einem Regelsortiment. "Übrig geblieben sind nur die Individualisten", meint die Weinböhlaerin.

Auch Hansjochen Langner kann das bestätigen. Seit 1985 führt er Dresdens ältestes Spielwarengeschäft mit Blick auf die Oschatzer Straße - und schreibt stetig schwarze Zahlen. "Nur wer sich auf Nischen konzentriert, kann hier langfristig überleben", glaubt der Spielwarenverkäufer. Das Steckenpferd des Kinderparadieses: "Guter Service und Kundenkontakt. Und wir kommen an Ersatzteile für alte Puppen und Puppenstuben, von denen können die großen Buden nur träumen", verrät Langner.

"Ich habe eigentlich jede Hoffnung verloren", meint Lolita Kliemann. Als sie vor acht Jahren den seit 1945 bestehenden Eisenwarenladen übernahm, sei sie noch optimistisch gewesen. Schnell wurde sie eines Besseren belehrt. "Die leeren Geschäfte, die Trinker und der Hundekot auf der Straße - viele Kunden schreckt das ab", meint sie. Das Hauptgeschäft bestreite sie mit alten Stammkunden, leben könne sie allein davon nicht. Dass es vielen auf der Oschatzer derart schlecht ergeht, sei vor allem die Schuld der Vermieter. "Die sind nicht bereit, mit den Mieten runter zu gehen. Wer neu anfängt, hat da keine Chance", so die Diplomingenieurin. Aufgeben will sie den Laden aber nicht. "Dafür liebe ich ihn zu sehr."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.07.2014

Susann Schädlich

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