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Die Mutter der Graffiti-Szene - Ellen Demnitz-Schmidt leitet den Spike-Jugendclub

Die Mutter der Graffiti-Szene - Ellen Demnitz-Schmidt leitet den Spike-Jugendclub

Ellen Demnitz-Schmidt (54) sieht auf den ersten Blick nicht so aus, als wäre sie eine der größten Unterstützerinnen der Dresdner Graffiti-Szene und eine Kämpferin für legale Flächen, auf denen die Jugendlichen mit der Spraydose in der Hand ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

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Der Graffiti-Künstler Andy K. (46) von den Bandits-Dresden gemeinsam mit Ellen Demnitz-Schmidt vom Spike. Die Wand im Hintergrund wurde während eines "Graffiti-Jam" von Dresdner Jugendlichen gestaltet, die auf dem Gelände des Spike ganz legal ihrem Hobby nachgehen können.

Quelle: hauke heuer

Doch wenn die Frau durch den von ihr gegründeten Jugendclub Spike in Leubnitz läuft, tanzt alles - auch die Sprayer, die sich hier seit Jahren treffen - nach ihrer Pfeife. Dass das nicht sonderlich verwunderlich ist, zeigt ein Blick in die Geschichte des Spike, die unmittelbar mit der Gründerin des Jugendclubs verbunden ist.

"1995 gab es noch nicht viel Jugendarbeit in Dresden - trotz des hohen Bedarfs. So haben meine Mitstreiter und ich entschieden, den Altstrehlen 1 e.V. ins Leben zu rufen und das Spike am ersten Standort in einer alten Kita auf der Spitzwegstraße gegründet", berichtet Demnitz-Schmidt von den Anfängen ihrer Tätigkeit, die schnell durch die Hip-Hop-Szene und Graffiti geprägt wurde. "Es dauerte nicht lange, da segelten die ersten Sprayer in unseren Club ein. Parallel sorgten die Wand- bilder erstmals für Aufregung in der Stadt und wurden Teil einer kontrovers geführten Diskussion", erinnert sie sich. Und fügt hinzu: "Doch der direkte Kontakt zu den Jugendlichen hat uns schnell gezeigt, dass sich das Thema Graffiti nicht einfach auf den Tatbestand Vandalismus reduzieren lässt. Graffiti ist eine kreative Ausdrucksform junger Menschen und mindestens genauso wert, gefördert zu werden, wie jede andere Form von Kunst", sagt Demnitz-Schmidt.

Aber die Betreiberin des Spike musste schnell feststellen, dass das ausgefallene Hobby ihrer Schützlinge nicht selten Konsequenzen nach sich zog. Die Jugendlichen wurden mit Geldstrafen und Zivilklagen überzogen - erhebliche Einschnitte im Leben eines jungen Menschen. "Schnell war klar, dass wir den Sprayern zumindest die Möglichkeit bieten müssen, ihr Hobby in der Legalität auszuleben. So sind wir auf die Idee gekommen, legale Flächen, sogenannte "legal plains", einzurichten", erklärt Demnitz-Schmidt.

Das Spike stieß mit seiner Idee bei den Verantwortlichen in der Stadt auf offene Ohren. Bereits Ende der 90er Jahre wurden im Spike an der Karl-Laux-Straße, unterhalb der Washingtonbrücke an der Flutrinne, im Umfeld der Scheune in der Neustadt und am Jugendhaus Game in Prohlis Wände für die Sprayer freigegeben. Eine zusätzliche Fläche am Puschkinplatz soll bald folgen (DNN berichteten). Darüber hinaus organisiert das Spike auf seinem Gelände regelmäßig Veranstaltungen, auf denen sich die Jugendlichen gemeinsam beim Sprühen messen, austauschen und von erfahreneren Akteuren lernen können. "Dresden ist ein echter Sonderfall. Insbesondere Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) engagiert sich seit seinem Amtsantritt verstärkt für unsere Sache", lobt die Spike-Chefin die Zusammenarbeit mit der Stadt.

Auch wenn Demnitz-Schmidt die jüngsten Vorstöße der Grünen und des Graffiti-Künstlers Jens Besser, die zusätzliche "legal plains" für Dresden fordern, grundsätzlich unterstützt, warnt sie vor Schnellschüssen. "Es reicht nicht, eine Wand freizugeben und die jungen Leute sprayen zu lassen. Irgendjemand muss schließlich sicherstellen, dass die Nutzer nicht ihren Müll hinterlassen oder andere Flächen in der Nachbarschaft bemalen. Darüber hinaus brauchen die Wände Pflege und müssen regelmäßig gereinigt werden", erklärt Demnitz-Schmidt. "Oftmals ergibt es auch Sinn, dass die Jugendlichen von erfahrenen Akteuren, wie zum Beispiel durch die Bandits-Graffiti-Crew angeleitet werden, um ein Ergebnis zu erzielen, das auch den Anwohnern gefällt - so geschehen in den Tunnelunterführungen in Gorbitz, wo man sich auf ein einheitliches Farbkonzept einigen konnte."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2014

Hauke Heuer

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