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Die Hofewiese brummt

Der bürgernahe Biergarten am Rand von Dresden Die Hofewiese brummt

Als Holger Zastrow die Hofewiese gekauft hat, schüttelten viele mit dem Kopf. Doch jetzt stehen die Brauereien Schlange und winken mit Verträgen: Das traditionelle Ausflugslokal ist zum Publikumsmagneten geworden. „Dabei sind wir noch im Probebetrieb“, so Zastrow.

Auch in der Woche kommen die Besucher: die Hofewiese am Donnerstagmittag.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Wenn er nachts in Langebrück und Umgebung Werbematerial verteile, werde er oft von Anwohnern gefragt: „Ist schon wieder Wahl?“ Wenn er dann sage, dass es sich um Werbung für die Hofewiese handele, würden die Mienen der Fragenden regelmäßig freundlich. „Viele sagen mir, dass sie sich über die Entwicklung freuen“, sagt Holger Zastrow, der den heruntergekommenen Gasthof am Heiderand gekauft und wiederbelebt hat.

Einmal, so der FDP-Politiker und Unternehmer, habe ein Interessent sogar das „Kellergewölbe“ buchen wollen. Ein Missverständnis. „Wellness-Bereich“ nennt Zastrow den Keller der Hofewiese mit Humor, in dem baufälligen Gemäuer steht das Wasser. Dresdner wollen ihren Geburtstag auf der Hofewiese feiern, Hochzeitspaare den schönsten Tag des Lebens. „So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind noch im Probebetrieb“, erkläre er den künftigen Eheleuten. Es gebe ein Zelt und im Laubengang könnten 120 bis 150 Leute trocken sitzen. „Aber für eine Hochzeitsfeier braucht es schon etwas mehr“, findet Zastrow.

Das ist Zukunftsmusik. „Eventhof“ soll die Hofewiese erst noch werden, und der Unternehmer gibt sich keinen Illusionen hin: Er steht noch am Anfang. „Wir werden den Winter nutzen, um die nächsten Schritte zu planen“, kündigt er an. Denn er weiß: Ein Dauerprovisorium kann er seinen Gästen nicht bieten. Im Moment überwiege die Euphorie über die Wiederbelebung des traditionsreichen Ausflugslokals. „Jeder, der ein Mal pro Woche hierher kommt, kann Veränderungen sehen“, so Zastrow. Neue Blumentöpfe, Schaukelpferde für Kinder, jeder eingenommene Euro werde sofort wieder investiert, erklärt der Unternehmer.

Das Grundsätzliche aber muss noch gelöst werden: Die Hofewiese braucht eine Anbindung ans Abwassernetz. Sonst kann kein Geschirr gespült werden, sonst gibt es keinen Fettabscheider – für eine Gastronomie auf Dauer unvorstellbar. „Aber wenn ich auf die Lösung gewartet hätte, wäre die Hofewiese heute noch zu“, erklärt Zastrow seine „Strategie der kleinen Schritte“. Wer hätte Anfang des Jahres schon darauf gewettet, dass dieses verwilderte Grundstück einmal einen Biergarten beherbergen könnte, den an Wochenenden Tausende Gäste besuchen?

Zastrow hat losgelegt und eine interessante Erfahrung gemacht. „Alle Ratschläge von Gastronomen sind nicht eingetroffen.“ In den Sommerferien nur an den Wochenenden öffnen, sei ihm empfohlen worden. „Wir haben die ganze Woche aufgemacht und waren erfolgreich.“ Klein beginnen, sei ihm eingeschärft worden. „Das ist uns fast auf die Füße gefallen, weil wir nur mit großen Anstrengungen die Nachfrage bedienen konnten.“

Mittlerweile sind mehrere Brauereien auf die Hofewiese aufmerksam geworden und winken mit Verträgen. „Am Anfang haben alle abgewinkt“, erinnert sich Zastrow. Er probiert mittlerweile Veranstaltungen in der Hofewiese aus – am Wochenende gibt es ein Oktoberfest, Weinfest und Federweißerfest wurden schon mit großer Resonanz gefeiert. Das Thema Weihnachten werde auf der Hofewiese auf jeden Fall eine Rolle spielen, kündigt der Unternehmer an. „Dieses Ambiente mit Feuer, Licht und schöner Dekoration zu beleben, bietet sich ja geradezu an.“ Am Neujahrstag werde die Hofewiese geöffnet sein und biete sich als Ziel für den Neujahrsspaziergang an, so Zastrow.

„Volksbiergarten für alle Generationen“ nennt er den derzeitigen Status der Hofewiese. Sehr viele Besucher hätten Tränen in den Augen und würden sich an ihre Kindheit erinnern, als sie mit ihren Eltern in der Heide wandern gewesen seien. „Das ist schon überwältigend“, findet der gebürtige Dresdner Zastrow, der in Leuben groß geworden ist und mit seinen Eltern eher Wilisch, Borsberg oder die Sächsische Schweiz ansteuerte. „Die Heide kannte ich gar nicht so.“

Einige Besucher hätten ihm Bilder oder Geweihe mitgebracht, die später einmal ausgestellt werden sollen, wenn das Gebäude saniert ist. Jeden Tag ist Zastrow mit seiner Frau Ariane, die die Gastronomie betreibt, in der Hofewiese. „Alles nebenbei“, betont der Inhaber einer Werbeagentur, den auch Rückschläge nicht umwerfen können. „Neulich sind zwei Zaunsfelder kaputt gegangen, weil Leute darauf herumgeklettert sind. Eigentlich hatte ein neuer Zaun keine Priorität, aber jetzt müssen wir umplanen.“

In der Woche sei die Hofewiese ein Seniorentreff, würden viele Großeltern mit ihren Enkeln die Hofewiese besuchen. „Aber auch Mütter mit nicht schulpflichtigen Kindern, Hundehalter und Mountainbiker kommen vorbei“, so der Unternehmer, der eine Entwicklung mit etwas Sorge betrachtet: „Es kommt vor, dass Leute Getränke und Speisen mitbringen. Das halte ich nicht für fair, das müssen wir beobachten.“

Veranstaltungen:

Sonnabend/Sonntag: Oktoberfest; Eröffnung am Sonnabend 11 Uhr mit Blasorchester, 17 bis 22 Uhr Tanz im Biergarten; Sonntag 10 Uhr Frühschoppen und Weißwurst-Frühstück, an beiden Tagen von 14 bis 17 Uhr Ponyreiten

8./9. Oktober: Heidefest mit Pilzberatung, Kindereisenbahn, Spielen und Basteln

29./30./31. Oktober: Halloween in der Dresdner Heide

Biergarten Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 20 Uhr

Von Thomas Baumann-Hartwig

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